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| 01:14 Uhr

Limonade mit regionaler Note

Byhlen.. Der Spreewald wäre ohne Wasser undenkbar. Es bedeutet Leben. Die RUNDSCHAU blickt mit einer Serie auf bauliche und natürliche Denkmäler der Region. Anke Richter

Alle haben im engen oder weiteren Sinn etwas mit Wasser zu tun und geben einen Einblick in die vielfältige Nutzung des nassen Elements. Heute: Die Weinberg-Quelle in Byhlen.
Beim Stichwort „Tafelbrunnen“ werden bei den etwas älteren Bewohnern im Spreewald die Geschmacksnerven angeregt, sie verdrehen die Augen genüsslich, und die jüngeren Bewohner schauen verdutzt drein. Auslöser ist die Limonade aus echtem Quellwasser aus der Weinberg-Quelle in Byhlen. Bis zum 30. September 1982 gab es die „Limos“ mit Cola oder Fruchtgeschmack, als Fassbrause oder als reiner „Tafelbrunnen“ , wie es auf einem alten Etikette heißt. 15 Pfennig kostete zu DDR-Zeiten eine Flasche Wasser.
Hannelore Gianotti und ihr Mann Rudolph hatten die kleine Limonadenfabrik von Hannelore Gianottis Eltern übernommen. „Irgendwann rentierte sich das Geschäft nicht mehr und eine Investition in neue Maschinen haben wir nicht gewagt“ , erinnert sich Hannelore Gianotti. Jetzt haben die Gianottis einen Kfz-Betrieb auf dem Weinberg. Das Quellwasser nutzt die Familie nur noch für den Hausgebrauch.
1917 hätten ihre Großeltern den Weinberg gekauft, erinnert sich die Nachfahrin. Zuvor habe er zur Grafschaft Straupitz gehört. „Um 1928 begann die Limonadenproduktion.“ Etwa 300 Kästen mit jeweils 30 Flaschen seien zur Höchstzeit täglich produziert worden. „Erst hatten die Flaschen einen Bügelverschluss. Später gab es dann Kronenkorken“ , so Hannelore Gianotti.
Das mineralienarme, frische und reine Quellwasser lockte gerade in heißen Sommermonaten viele Leute aus der Umgebung an. „Wenn es in den Konsum-Läden keine Getränke mehr gab, dann kamen die Leute direkt zu uns, um Limo zu holen.“
Lieferungen der Quellen-Limonade gingen in die Läden und Gaststätten der Region. „Wir belieferten von Lieberose bis Staakow“ , sagt Hannelore Gianotti. Sie arbeitete früher im Büro der Limonadenfabrik und half bei der Abfüllung. „Wir hatten sieben Mitarbeiterinnen aus der Region“ , so die Chefin. Die Arbeit sei schwer gewesen, da alles per Hand gemacht wurde. „Alle zwei Stunden wechselte die Belegschaft ihre Tätigkeiten, damit es nicht zur Überlastung kam.“
Obwohl es die Limonadenfabrik nicht mehr gibt, besitzt Hannelore Gianotti noch einige alte Flaschen-Etiketten als Erinnerung. Das mit der Aufschrift „Tafelbrunnen“ birgt noch eine Besonderheit. „Das Logo mit der Liebesgöttin Liuba, die eine Schale mit Wasser trägt, hat meine Mutter selbst gezeichnet“ , verrät Hannelore Gianotti, und etwas Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.
Besichtigen kann man die Weinberg-Quelle nicht. „Dadurch, dass wir sie als Wasseranschluss nutzen, ist alles zugebaut.“ Dass ihr Wasser aber einst, über ein Rohrsystem geleitet, frei sprudelte, beweist ein altes Foto. Ihr Vater habe gesagt, so Hannelore Gianotti, dass früher an einem Tag 6000 Liter aus der Quelle geflossen seien. Diese habe man dann in einem Becken aufgefangen. „So viel ist es heute bei Weitem nicht mehr. Die Wassermenge nimmt ab.“
Warum, das weiß Romeo Buder, Revierförster und Bürgermeister von Byhlen. „Die Weinberg-Quelle kommt aus keiner allzu großen Tiefe und ist dadurch Schwankungen unterlegen. Über die Zeit musste das Wasser weniger werden.“ Er selbst hat auch einige Erinnerungen in Bezug auf die Limonadenfabrik. „Ich habe dort als älterer Schüler in den Ferien geholfen.“ An den Geschmack der Limonaden und des Wasser könne er sich natürlich noch erinnern. „Der war sehr lecker.“
Buder weiß auch einiges über die Geschichte der Quelle, bevor sie an Hannelore Gianottis Vorfahren ging. „Von der Weinberg- und der nicht weit entfernt liegenden Pintschens-Quelle ging vor 1900 eine unterirdische Holzwasserleitung hin zum Straupitzer Schloss und sicherte dort, ganz ohne Pumpen, die Wasserversorgung.“ Teile davon seien erhalten.
Welche Ingenieurleistung hinter diesem so einfach erscheinenden Leitungswerk steckte und was es mit der Pitschens-Quelle auf sich hat, das wird im nächsten Teil der Wasserdenkmal-Serie erklärt.