Das Fontanejahr neigt sich allmählich dem Ende zu. Zum Abschluss fand in der Luckauer Kulturkirche eine musikalische Lesung aus seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ statt. Anlass für die gemeinsame Veranstaltung der Kreismusikschule und der Volkshochschule Dahme-Spreewald mit der Stadt Luckau war der bundesweite Vorlesetag.

Die Sängerinnen Juliane Jachmann und Dörthe Zauber gaben den Zuhörern aufschlussreiche Einblicke über verschiedene Stationen der Fontaneschen Reisen. Neben den zumeist bekannten Entdeckungen im Spreewald bot diese Lesung spannende Geschichten über Historisches aus Königs Wusterhausen und Mittenwalde. Doch wie hat alles angefangen? Auch darauf gibt Fontane Antwort. Im Vorwort zum ersten Band „Die Grafschaft Ruppin“ lässt er es den Leser wissen. In der schottischen Grafschaft Kinross unternahm er einen Ausflug zum Lochleven-Castle auf einer Insel im Leven See. Bei der Rückfahrt im Boot erschien vor seinem geistigen Auge das Bild einer Bootstour auf dem Rheinsberger See mit Blick auf Schloss Rheinsberg. Im fernen Schottland entstand demnach die Idee, die Heimat zu erkunden und seinen Zeitgenossen zu schildern, was er entdeckte an Gegebenheiten, landschaftlichen Schönheiten, Sitten und Bräuchen sowie historischen Zusammenhängen. Und er habe die Mark „reicher gefunden, als ich es zu hoffen gewagt hatte.“

Reiche Mark Brandenburg

Zum Beispiel Königs Wusterhausen, das seinen Namen der Tatsache verdankt, dass es Friedrich Wilhelm I., der spätere preußische Soldatenkönig, als zehnjähriger Kronprinz im Jahr 1698 von seinem Vater, König Friedrich I. erhielt. Damals freilich noch als Gut Wendisch Wusterhausen mit einer markgräflichen Burg. Detailliert verknüpft Fontane die Lebens- und Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelms I. mit dem Ort, an dem dieser sich in Rekrutenausbildung übte. Später diente es ihm als Rückzugsort und Jagdschloss. „Was es jetzt ist, verdankt es ihm, dem ‚Soldatenkönig‘; Straßen und Park-Anlagen entstanden und mit Recht wechselte der Flecken seinen Namen und erhob sich aus einem Wendisch-Wusterhausen zu einem Königs Wusterhausen“, schreibt Fontane.

Zwischen den einzelnen Auszügen aus Kapiteln des vierten Teils seiner Wanderungen - „Spreeland“ - können die Zuhörer drei virtuos dargebotenen Bach-Suiten für Violoncello lauschen Am Instrument begeistert Nicolas Schwab das Publikum, das ihm mit lang anhaltendem Beifall seine Anerkennung ausdrückt.

Fontane überrascht

Mit dem letzten Auszug überraschen die zwei Vorleserinnen wohl die meisten im gut besetzten Klostersaal. „Wer reist schon nach Mittenwalde?“, fragt Fontane rhetorisch und diese Frage würden wohl auch heute viele mit „Keiner“ beantworten. Doch Fontane hat sie entdeckt, die spannende Geschichte hinter den schlichten Gemäuern der Propsteikirche St. Moritz. Ein Bildnis Paul Gerhardts regte ihn zur Spurensuche an. Hier wirkte der Kirchenlieddichter Paul Gerhardt von 1651 bis 1657 als Propst. Und im schon bei Fontanes Besuch nicht mehr erkennbaren Pfarrgartenentstanden einige bedeutsame Kirchenlieder. Hier schrieb er den Text für das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“. Der frühe Tod seiner ersten Tochter brachte ihn zu den Versen für „ Befiehl du deine Wege“, einen der bekanntesten Trostgesänge. Beide Lieder brachten Juliane Jachmann und Dörthe Zauber zu Gehör, beim letzten auf dem Cello von Nicolas Schwab begleitet.

Ein sehr gelungener Abend sei dies gewesen, befand Roswitha Biene, der die Kombination von Lesung und Musik gut gefiel. „Und dass er auch in Mittenwalde war, das war neu für mich“, ergänzte sie. Dass es sich lohnt, diese Wirkungsstätte von Paul Gerhardt einmal selbst zu entdecken, nahm Renate Nowotnick mit auf den Heimweg. Und Marlin Ochmann resümierte: „Es war ein sehr schöner Abend und der Gesang war toll.“