Vor dem Amtsausschuss am Donnerstagabend hat die stellvertretende Schulleiterin Lydia Lehmann den akuten Lehrermangel thematisiert. Ihr zufolge geht es um zwei Stellen von Langzeit erkrankten Kollegen. Als außerdem nach dem ersten Halbjahr die Klassenleiterin einer fünften Klasse in den Ruhestand ging, geriet das Personalgefüge völlig aus den Fugen. Zwar seien als Quereinsteiger drei neue Kolleginnen gekommen, doch arbeite eine in Teilzeit, wovon die Schule kurzfristig erfahren habe. So gingen Planungen nicht mehr auf. Das zuständige Schulamt Brandenburg an der Havel habe die Zusammenlegung der beiden fünften Klassen angewiesen, sagt Lydia Lehmann.

Aus kleinen Klassen mit 14 und 16 Kindern wurde eine große mit 30 Schülern, darunter mehrere mit besonderem Förderbedarf. Die Eltern wurden zum Ferienende per Brief von der Schulleitung in Kenntnis gesetzt. Für die Kinder sei es alles andere als gut, unter solchen Bedingungen zu lernen, weiß Lydia Lehmann. "Wenn Brandenburgs Bildungsminister erklärt, dass es kein Stellenproblem gibt, ist das nur die halbe Wahrheit", fügt sie an. Die angestammten Pädagogen sollten Kollegen, die aus anderen Berufen in den Schuldienst kommen, beim Einarbeiten helfen. "Aber wie, wenn wir selbst nicht die Zeit dafür haben?", so die stellvertretende Schulleiterin.

Eng und chaotisch

Anne-Theres Hahn, deren Tochter von der Zusammenlegung betroffen ist, sagt: "Für unsere Kinder ist das schlimm. Viele wollen morgens nicht mehr in die Schule." In der alten Klasse habe ein gutes Miteinander, aber auch Disziplin geherrscht. "Jetzt ist es laut und chaotisch", teils müssten sich Kinder zu dritt in einer Bank drängeln. Die Mutter und Elternsprecherin wirft der Schule zudem vor, die Jungen und Mädchen beim Wechsel nicht einfühlsam begleitet zu haben. "Sie fühlen sich nicht willkommen."

Zwar hatte die Schule den Eltern in möglichst vielen Unterrichtsstunden eine Zweitlehrerbesetzung versprochen, sodass dort weiterhin geteilter Unterricht möglich sei. "Die Praxis sieht anders aus. In den meisten Fächern sind alle Kinder zusammen", sagt Anne-Theres Hahn.

Sabrina Jaggis Sohn hat besonderen Förderbedarf. Zulasten des regulären Unterrichts bleibe der Förderunterricht auf der Strecke, beklagt sie. "Wenn er stattfindet, dann mit Lehrern, die gerade Zeit haben." Die Eltern wünschen sich ein Ende der Misere. Noch vor den Winterferien hatten sich Eltern wegen der Personalnot an das Bildungsministerium gewandt. Wenn Dahme auch abgelegen sei, solle doch "jedes Kind sein Recht auf Bildung und Förderung umgesetzt bekommen", fordern sie.

Hoffen auf Montag

Kerstin Niendorf, Leiterin des staatlichen Schulamtes in Brandenburg an der Havel, erklärt, Lehrerausfall eins zu eins durch eine fachgerechte Vertretung zu ersetzen, wie die Eltern das in ihrem Schreiben an das Ministerium angemahnt hatten, sei nicht realisierbar. Der Grund: "Es gibt zu wenige Bewerber für die Region." Deshalb sei die Behörde auch gezwungen gewesen, die Zusammenlegung der Klassen zu verfügen. Kurz darauf sei die Bewerbung einer Kollegin aus Berlin mit pädagogischer Ausbildung eingegangen, die nach derzeitigem Stand am Montag ihren Dienst in Dahme antreten soll. Laufe alles wie erhofft, könnte die Fusion der fünften Klassen aufgehoben werden. "Das passiert aber nicht, bevor alles klar ist", so die Schulamtsleiterin. Zudem seien der Schule ab Februar bis Schuljahresende zusätzliche Stunden im Umfang einer halben Stelle bewilligt worden, die auch zur Förderung genutzt werden könnten. Die Schule entscheide darüber hausintern, sagt sie.

Die stellvertretende Schulleiterin Lydia Lehmann sagt: Von 18 000 Lehrern in Brandenburg gehen in den nächsten Jahren 11 000 in die Rente. Es sei absehbar, wie das endet, wenn das Land nicht für Fachkräfte-Nachwuchs sorgt. Kerstin Niendorf ist überzeugt: Schulen im ländlichen Raum längerfristig personell zu festigen, "das geht nur über die Attraktivität des Standortes". Sie bietet Schulleitung und Amtsverwaltung ein Gespräch in Dahme darüber an, was gemeinsam getan werden kann.