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| 01:02 Uhr

Lebensfreude als Unterrichtsfach

Region.. Freundlichkeit ist kein Schulfach, aber die ist überall zu spüren in den Gebäuden der Schule der Lebensfreude mitten im Lübbener Ortsteil Lubolz. Man geht sorgsam miteinander um in der Förderschule, dem Patenkind der Lausitzer RUNDSCHAU in Lübben. Fotos: Adi Wawro


„Lebensfreude ist bei uns fast Unterrichtsfach, weil der Unterricht an unserer Schule ganz anders als in anderen Schulen, dafür aber möglichst allumfassend ist“ , sagt Schulleiterin Britta Theile beim Jahresrückblicks-Gespräch der RUNDSCHAU lächelnd. Mit ihren 20 Pädagogen hat sie auch im Jahr 2004 für die 53 Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Südteil des Landkreises viel erreicht.

Berufliche Herausforderung
„Unsere Schüler sind Menschen mit geistigen Behinderungen, die auch körperliche Handicaps mit sich bringen. Unser Lehrauftrag ist, ihnen beim Bewältigen der vielen Dinge im Alltag zu helfen, und dazu gehört eine ganz spezifische Förderung jedes einzelnen. Ich kann für meine Kolleginnen, Kollegen und für mich sagen, dass das eine Herausforderung und eine berufliche Aufgabe ist, wo man viel gibt, aber wo auch viel zurück kommt“ , sagt die zierliche junge Frau. Sie kann nicht durch das Schulgebäude gehen, ohne angelächelt oder angesprochen zu werden. Familiär gehtes in dieser Schule zu, aber trotzdem muss der Schulbetrieb täglich neu gemanagt werden.
In den acht Klassen sind Jugendliche „von klein bis zu 23 Jahren“ je nach Altersstufe zusammen. Pädagogen mit spezieller Ausbildung fördern jeden Schüler nach individuellem Plan. Die Ergebnisse können sich sehen lassen - Britta Theile freut sich über Fachbesucher aus anderen Schulen und Betreuungseinrichtungen. „Die wollten bloß mal sehen, wie es in Lubolz so läuft und waren erstaunt über die Lern-Angebote. Mit vielen tauschen wir uns aus, um unsere Schüler noch besser betreuen zu können. Das Miteinander-Reden hat schon viel gebracht“ , konstatiert die Schulleiterin die Treffen auch im Jahr 2004.

Sieg beim Bowling-Wettkampf
Gediegene Bildungsarbeit spiegelt sich auch in Erfolgen außerhalb der Schule wider. Sportlich sind die Lubolzer toll drauf - sie holten unter anderem den Sieg im Bowling-Wettkampf der Förderschulen in Senftenberg, erkämpften sich Medaillen bei Schwimmwettbewerben sowie bei Behinderten-Sportfesten in Groß Beuchow und Senftenberg.
Ganz stolz sind die Lubolzer Förderschüler auf ihren zweiten Platz bei der „1. Berlin-Brandenburgischen Schüler-Firmen-Messe“ für ihr schmuckes „Schüler-Café“ , das sich sehen lassen kann. Da wird selber gekocht, gebacken und serviert - alles Nötige erledigen die Schüler. Der Erfolg macht Mut, um an eine weitere Schüler-Firma zu denken. Die könnte sich mit dem Vermarkten der vielen hübschen Dinge des Kreativ-Unterrichts befassen. Aber dazu müsste man einen neuen Brennofen haben - der steht mit auf dem Wunschzettel für das neue Jahr.

Gemeinsamkeit ist wichtig
Eine Schule in Lubolz lebt in und mit dem Ort. Britta Theile freut sich über die vielen gemeinsamen Erlebnisse mit der Kita, die Besuch von den Schülern bekommen und deren Kinder in der Schul-Turnhalle üben und auf dem Schulhof spielen. Beim Zampern im Ort freuen sich die Förderschüler über die Lubolzer Großzügigkeit. Das Sommerfest wird gemeinsam gefeiert - im vergangenen Jahr kamen sogar Landrat Martin Wille und ein Polizei-Hubschrauber.
Der Förderverein der Schule ist immer mit dabei. Mit Marita Kabitschke vom Lubolzer Ortsbeirat und Frau Kühne vom Seniorenbeirat hat man gute Partner. Und den „Patenkindern“ der RUNDSCHAU halfen finanzielle Mittel sowohl beim Anschaffen von Unterrichtsmaterialien als auch bei der Mikrowelle für die Teeküche. Geld floss für den Boxsack und andere Sportgeräte in der rekonstruierten Turnhalle, Bücher, auch für die beliebten Woodys - Wagen, auf die sich auch Größere setzen können und Gleichgewichts-Übungen absolvieren - um nur einiges zu nennen. „Die Rundschau hat uns materiell wie auch mit vielen Zeitungsbeiträgen geholfen. Dafür sind wir sehr dankbar“ , so Anke Sklomeit, zweite Vorsitzende des Schul-Fördervereins.

Besuch in polnischer Partnerstadt
2005 wird für die Lubolzer Förderschüler neben der Schulbetreuung viel angenehm Aufregendes bringen. Schon im Januar besucht eine Werk stufen-Klasse mit ihrer Lehrerin Peggy Kettlitz die Partnerschule in Lübbens polnischer Partnerstadt Wolsztyn. „Dafür wurde sogar ein Gedicht auf polnisch eingeübt“ , freut sich Britta Theile. Wenn im Februar die Rekonstruktion der Turnhalle endgültig fertig ist, gibt es eine zünftige sportliche Einweihung.
Im April nimmt die Tanzgruppe der Schule am Theatertreffen der brandenburgischen Förderschulen in Potsdam teil. Am 31. Mai und 1. Juni schließlich ist ein internationales Spiel- und Sportfest mit Gästen aus Wolsztyn, Eckernförde, Mittenwalde, Kittlitz und anderen geplant, das gemeinsam mit der Lubolzer Kita und dem Lubolzer Sportverein veranstaltet werden soll. „Deshalb wird unser traditionelles Sommerfest wohl erst im neuen Schuljahr im Herbst stattfinden. Aber bei uns ist eben immer was los. Eben, weil wir auch viele Förderer und Helfer haben“ , sagt Britta Theile, die jenen dafür sehr dankbar ist. (ds)