Von Philipp Brendel

Ruhig und beschaulich gibt sich Luckau im Laufe eines jeden Jahres. Zuweilen bekommt man immer mal zu hören, dass in der Stadt nichts los sei. Doch es kommt nicht auf die Größe einer Stadt an, sondern auf das gewisse Flair und die Herzlichkeit ihrer Menschen.

Gastfreundlichkeit und ein herzliches Willkommen hat Luckau seinen Gästen auch bei der diesjährigen Altstadtnacht bewiesen. Doch ist es nicht nur die freundliche Art der Bürger, sondern allgemein das charmante bis urige Flair, mit dem gepunktet werden kann.

Eröffnung in der Nikolaikirche

Feierlich eröffnet wird der Abend um 18 Uhr in der Nikolaikirche mit dem Luckauer Kammerchor „Cantemus“, der mit seinen himmlischen Klängen aus den letzten Jahrhunderten von der Renaissance bis in unsere heutigen Tage die Gäste verzaubert. Eine Besonderheit, wohl nicht wie bei jedem Konzert: Mit einem guten Gläschen Wein kann in Ruhe auf die bevorstehende Altstadt-Sause eingestimmt werden. Neben berührenden Klängen kündigen manche Lieder schon den weiteren Verlauf des Abends an: „Darf ich um den nächsten Tango bitten?“

Paris, Mailand, heute Luckau: Ab 19.30 Uhr dürfen die Gäste eine vielfältige Fashionshow mit Herbstmode auf dem Luckauer Markt genießen. Das präsentierte Sortiment von Bianca Köhlers Boutique „byanci“ lässt den individuellen Charme italienischer Mode spüren. Vielleicht ist was für den eigenen Kleiderschrank dabei?

Vielfalt bei der Modenschau

„Wir sind erstmal stolz darauf, dass es hier den Laden gibt. Es ist ja nicht so einfach, dass sich hier in der Altstadt die Geschäfte aufrechterhalten“, sagt die gebürtige Luckauerin Ulrike Kaiser. Außerdem sei die mittlerweile traditionelle Modenschau ein guter Startpunkt für den Altstadtabend geworden, da man hier die ersten bekannten Gesichter antrifft. Auch das altstädtische Flair an sich ist für Ulrike Kaiser besonders reizvoll: „Diese Gemeinsamkeit hier hat so einen stadtverbundenen Charakter.“ Für Doreen Valtink ist es die Vielfalt der Fashionshow, die begeistert: „Es sind nicht nur schöne Modelle, sondern auch für jeden Anlass ist was dabei.

Nach der großen Modenschau warten verschiedenste Attraktionen auf die Gäste wie auch Bewohner der Berstestadt: Mit einem Aufstieg auf den Hausmannsturm kann man sich auf eine Zeitreise mit dem Uhrmacher begeben. Doch auch das Cartoonmuseum und ein Museum im Abendlicht erweitern die kulturelle Vielfalt.

Theater, Theater, Theater

Richtig urig wird es mit einer ganz anderen Art von Zeitreise. Die Theaterloge Luckau erweckt das frühere Wirtshausleben im legendären Bergfried zu neuem Leben. Für einen guten Umtrunk werden den Gästen nicht nur Einblicke ins mittelalterliche Luckau eröffnet, sondern auch manche kuriose Geschichte erzählt: Wer hätte nicht immer schon mal gerne gewusst, wie man einen Raubritter in die Flucht schlägt? – Man braucht dazu nur einen Knüppel. Kein Wunder also, wenn bei solch authentischer Zeitreise selbst die Gäste in einer altertümlichen Sprache beginnen zu sprechen: „Mich deucht, ich möchte mich für die gute Bewirtung bedanken, mein Herr.“

Eine besondere Anziehungskraft strahlen auch dieses Jahr die reichhaltigen Einblicke in Luckaus Kellerwelt. Sieben geöffnete Keller begeistern die Gäste durch ihren ganz individuellen Charme. Doch auch die charmant-verwinkelten Innenhöfe mit ihren Laubengängen lassen auf eine besondere Weise in die Nacht eintauchen. Und wem das an kultureller Vielfalt noch nicht ausreicht, dem wird in den Gaststätten, Höfen und Kellern ein facettenreiches Musikprogramm eröffnet: Von Folkrock im Ratskeller bis Rock auf dem Schlossberg oder „Musik aus dem Herzen“ im Klostersaal. Im sakralen Ambiente der Georgenkapelle bietet die Easy Life Band von Pop über Schlager alles was das tanzwütige Herz begehrt – auch der Bubblegum-Pop lässt grüßen.

Entdeckungen in der Luckauer Unterwelt

Für die geschichtlich Interessierten eröffnen sich gerade in Luckaus Kellerwelt ganz besondere Einblicke. Als einer der ersten Keller, die zur Altstadtnacht geöffnet wurden, gehört derjenige der Familie Tebinka. Felix Tebinka erklärt, dass es kein Leichtes war, den Keller in einen so herrlichen Zustand zurückzuführen: „Das Kellergewölbe war teilweise eingestürzt, als ich das Gebäude 1997 kaufte. Wir haben dann eine Kernsanierung durchgeführt.“ Doch das Resultat kann sich sehen lassen, wie auch die Besucherzahlen zeigen.

In den letzten Jahren der Altstadtnacht besuchten allein diesen Keller bis zu 400 Personen. Unter den herrlichen Kreuzgewölben lauscht Sibille Menne den melodischen Soulklängen von Felicitas Paula Kadelke und Mark Wenzel und schwärmt vom Ambiente: „Ich bin ungeheuerlich beeindruckt. Es ist wirklich einer der schönsten Keller meiner Meinung nach. Dazu noch die passende Musikuntermalung.“ Auch Gisela Astfalk ist vom Flair des Abends fasziniert: „Es ist einfach der Wahnsinn und eine Freude hier durchgehen zu dürfen.“

Mit Songs zum Mitschunkeln und echten Evergreens werden die Gäste auch in den liebenswerten Innenhof der Familie Bebök-Schibor hineingelockt. Besonders eindrucksvoll: Der Laubengang aus dem 17. Jahrhundert. Mit einem Glas Wein, einem guten Bier und einer deftigen Speise kann man hier gemütlich verweilen. Geschichtliches wird ganz nebenbei geliefert. So sei das Hauptgebäude von 1820, während der Keller wohl deutlich früher zu datieren ist, so Peggy Bebäck-Schibor: „Es ist ein richtiger Urluckauer Keller.“

Wahrlich himmlisch wird es um Mitternacht in der Nikolaikirche mit Orgelmusik zum Mitsingen und einer einmaligen Lichtershow, die die Kirche in bunten Farben aufstrahlen lässt. Die Junggebliebenen und Tanzwütigen hingegen können schließlich bei ausgelassener Partystimmung im Keller „Köhler“ mit House und Dance nochmals das Tanzbein schwingen.