Von Birgit Keilbach

In vielen Regionen Deutschlands stellen zurzeit Landwirte auf ihren Feldern grüne Kreuze auf. Auch in Luckau und Umgebung stehen sie bereits an Straßen sowie Radwegen. Was hat es damit auf sich? „Anfang September wurde vom Landwirtschafts- und Umweltministerium des Bundes ein Agrarpaket verabschiedet, das unser wirtschaftliches Überleben infrage stellt. Mit den Kreuzen wollen wir darauf aufmerksam machen und mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Stefan Grundey. Der Vorsitzende der Agrar GmbH in Langengrassau stellte in der Region als erster ein grünes Kreuz auf. Vielen sei nicht bewusst, dass die Bauern durchaus achtsam mit der Natur umgingen und das Tierwohl in ihrem ureigensten Interesse liege. „Wir sind nicht gegen Umwelt- und Tierschutz. Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Diese würden sich mit dem geplanten Agrarpaket noch weiter zu Ungunsten der Agrarbetriebe verschieben. Immer mehr Auflagen, eine überzogene Bürokratie, unfaire Handelspolitik sowie der ungebremste Flächenverbrauch seien Fakten, die das wirtschaftliche Überleben schon jetzt zur täglichen Herausforderung machen, wie Heiko Terno, Geschäftsführer des AWO-Reha Gutes Kemlitz sagt. Er hat ein grünes Kreuz aufgestellt, weil das geplante Agrarpaket die Bewirtschaftung von Äckern und Grünland weiter erschwert. „Raps kann ohne Pflanzenschutzmittel gar nicht mehr angebaut werden, weil er von den Schädlingen aufgefressen ist, bevor er zu blühen beginnt“, nennt er ein Beispiel. Doch der größte Teil der Betriebsflächen des Gutes falle in die geplanten Verbotszonen für Herbizide und Insektizide. Auch für Kartoffeln sei Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten und Kartoffelkäfer notwendig, „sonst gibt es keine wirtschaftlichen Erträge“.

Die Dünge- und Pflanzenschutzmittel würden ohnehin nur dosiert und keineswegs nach dem Gießkannenprinzip auf den Feldern ausgebracht. „Wir zählen die Käfer aus und entsprechend der Befallstärke wird bekämpft. Alles andere wäre viel zu teuer“, erläutert Stefan Grundey. Auch für den Artenschutz und die Vielfalt werde schon vieles getan; mit vielfältiger Fruchtfolge vom Getreide über Sonnenblumen, Raps, Kartoffeln, Lupinen, Erbsen bis hin zu Zwischenfrüchten wie Phacelia und Senf. Erste Blühstreifen an Ackerrändern seien auf eigene Kosten angelegt worden. „Jetzt gibt es auch im Land Brandenburg eine Förderung. Die sechs Millionen Euro reichen aber nicht für alle Betriebe“, macht Heiko Terno als stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes Brandenburg aufmerksam. Besonders ärgerlich sei für die Landwirte, dass in der Richtlinie eine sehr teure Blühmischung vorgeschrieben sei. „So fließt der größte Teil der Förderung an die Saatguthersteller, bei den Bauern vor Ort bleibt nicht viel. Sie haben aber den Aufwand und den Verlust an Anbaufläche“, erklärt er den Zusammenhang. Windschutzstreifen mit Gehölzen ließen sich nicht ohne Weiteres anlegen: „Große Teile sind Pachtland, da kann ich nicht einfach einen Baum pflanzen“, sagt Heiko Terno.

Den steigenden Kosten für Umwelt und Tierwohl steht ein enormer Preisdruck des Handels gegenüber. Den Landwirten nütze es wenig, wenn sie in modernste Ställe investieren, dann aber den fairen Preis für die Milch nicht erlösen können. 30 Cent pro Liter Milch erhält Heiko Terno aktuell. Das seien zehn Cent weniger als nötig sind, um die Kosten für Aufzucht (2 Jahre), Futter, Tierarzt, Arbeitskräfte, Technik und Strom zu decken.

Ähnlich sehe es bei der Fleischproduktion aus. Das in Deutschland produzierte Rindfleisch stehe beispielsweise in Konkurrenz zu Billigimporten aus Übersee. „Wir produzieren für die einheimischen Verbraucher nach hohen Standards. Doch diese müssen auch bereit sein, die höheren Preise für einheimische Lebensmittel zu bezahlen“, sagt Jörg Hecker, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Drahnsdorf. Greifen diese zum billigeren Konkurrenzprodukt, seien nicht nur die Produktionsstandards unbekannt. „Auch auf die CO2-Bilanz wirkt sich das negativ aus“, spricht der Landwirt einen weiteren Aspekt an.