| 02:38 Uhr

Landwirte ringen um gute Futterqualität

Landrat hört sich Problem der Landwirte in Raddusch und Göritz an.
Landrat hört sich Problem der Landwirte in Raddusch und Göritz an. FOTO: Landesbauernverband
Spreewald. Nach den heftigen Regenfällen Ende Juli stehen im Spreewald Wiesen und Äcker noch vielfach unter Wasser. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen werden immer knapper, die Futterqualität sinkt. red/SvD

Dies bekommen Biologisch arbeitende und konventionelle Betriebe gleichermaßen zu spüren, schreibt der Bauernverband Südbrandenburg in einer Pressemitteilung. OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) hat sich kürzlich auf dem Biobauernhof Buchan in Raddusch und in der Göritzer Agrar GmbH selbst ein Bild von der Situation gemacht.

"Mit den traditionellen Landratsbesuchen, die unser Bauernverband jedes Jahr organisiert, wollen wir die Vielfalt der Landwirtschaft in unserer Region zeigen und auf Probleme aufmerksam machen, die uns auf den Nägeln brennen", erläutert Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg. Am Vormittag ging es zunächst mit Fritz Buchan durch Rinderstall, Schlachthaus und Heulager des seit 1999 ökologisch zertifizierten Bauernhofs. Mit drei Mitarbeitern bewirtschaftet der Familienbetrieb aktuell rund 550 Hektar. Ein Großteil der Flächen sind Grünland. Sie bieten die Futtergrundlage für die auf dem Hof lebenden Rinder. Gleich zu Beginn des Rundgangs lässt Buchan durchblicken, mit welchen Schwierigkeiten er derzeit kämpft. "Durch die Vernässung von Wiesen und Äckern nimmt die Futterqualität rapide ab. Unser wirtschaftseigenes Kraftfutter in Form von Roggen und Hafer leidet. Aber auch im Biobereich ist Leistungsfähigkeit ein Muss", sagt Buchan. Selten zahle sich die aufwendige ökologische Herdbuchzucht für ihn aus. Zuschläge für Biofleisch könne er bei seinen Kunden kaum realisieren. "Geringere Gewichtszunahmen wirken sich negativ auf die Preise aus. Am Ende frisst das den Bio-Bonus oftmals wieder auf", erklärt er das Dilemma. Derzeit halte der Betrieb zwischen 250 und 280 Mutterkühe, Tendenz fallend.

Unter der Führung von Thomas Goebel geht es am Nachmittag mit der Besichtigung von Hofladen, Galeriestall und Bauernküche der Göritzer Agrar GmbH weiter, die über 1050 Hektar Ackerland und 250 Hektar Wiesen bewirtschaftet. Ein Großteil der 24 festen Mitarbeiter arbeitet mittlerweile in der Direktvermarktung. Für Goebel ein Wachstumsmarkt, der jedoch kein Selbstläufer sei. "Ob beim Sortiment oder den Öffnungszeiten - wir müssen permanent am Ball bleiben und unser Dienstleistungs- und Produktportfolio den sich ändernden Kundenbedürfnissen anpassen", erklärt er. Alleinstellungsmerkmale seien das A und O. "Unser Zugpferd ist ganz klar der frische Blechkuchen aus dem Holzbackofen", so Goebel. Auch die Bedienung regionaler Wochenmärkte mit Frischgemüse gewinnen Bedeutung. Polnische Konkurrenz fürchte man dabei nicht. "Unser Absatz leidet nicht unter den polnischen Anbieter. Wir bedienen ein anderes Klientel, das Wert auf Regionalität legt. So besetzt jeder seine eigene Nische", sagt Goebel.

Die Vernässung kommt noch einmal ins Gespräch. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz habe die Brisanz erkannt. "Die besondere Wettersituation in diesem Jahr ist nur eine Seite", gibt Bärbel Hertam vom Landwirtschaftsamt in Calau zu bedenken. "Als Behörde stellen wir bereits über die letzten fünf Jahre fest, dass im Zuge höherer Wasserstände immer mehr Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung dauerhaft verlorengehen. Diese Tendenz ist in der Tat besorgniserregend", sagt sie.

Landrat Siegurd Heinze schlägt eine zeitnahe Zusammenkunft unter Beteiligung von Land, Landkreis, Kommunen und den Wasserverbänden vor. "Wir haben auf allen Ebenen gute und engagierte Leute. Mein Ziel ist es, zu einem handfesten Ergebnis zu kommen", so der Landrat.