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| 15:35 Uhr

Kulturlandschaft
Eine stimmige Parklandschaft in Fürstlich Drehna

 Prof. Helmut Rippl und Ardo Brückner(v.l.)  im historischen Parkteil. Im HIntergrund die Baumreihe aus der Anfangszeit mit Blutbuchen und Platane, links die markante Blaufichten-Zweiergruppe.
Prof. Helmut Rippl und Ardo Brückner(v.l.)  im historischen Parkteil. Im HIntergrund die Baumreihe aus der Anfangszeit mit Blutbuchen und Platane, links die markante Blaufichten-Zweiergruppe. FOTO: Birgit Keilbach
Fürstlich Drehna. 30 Jahre nach dem Einschnitt durch den Bergbau sind alter und neuer Teil des 200-jährigen Landschaftsparks zu harmonischer Einheit verschmolzen. Von Birgit Keilbach

„Drehna ist nach wie vor der interessanteste Park in der Niederlausitz und er nimmt noch an Qualität zu“, sagt Professor Helmut Rippl. Der Cottbuser Garten- und Landschaftsarchitekt hat selbst großen Anteil an der stimmigen Verknüpfung von altem und neuem Parkteil am historischen Wasserschloss von Fürstlich Drehna.

Vor 200 Jahren hatte Fürst Otto zu Lynar begonnen, den von seinen Eltern angelegten Lustgarten in einen Landschaftspark umzuwandeln. Bis heute prägen markante Bäume aus der Anfangszeit den historischen Teil, mächtige Blutbuchen rahmen mit ihrem tiefroten Laub eine Platane in der Eingangsallee ein. Ab 1884 erweiterte Carl Wätjen den Park auf 52 Hektar. Der Sohn einer wohlhabenden Bremer Reeder-Familie gestaltete einen Koniferen-Parkteil, bezog Ziegelteich und Schlosswiese ein und ließ durch die Anpflanzung fremdländischer und einheimischer Sträucher und Bäume neue Sichtachsen sowie eine Eichenallee entstehen. Ende der 1970er Jahre erfolgte der größte Einschnitt. 22 Hektar fielen dem Bergbau zum Opfer. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Zwölf engagierte Einwohner fanden sich 1983 in einem Parkaktiv zusammen, um die Anlage zu retten. „Erste Aufgabe war es, den Altbestand der Bäume zu sichern“, sagt Ardo Brückner, Mitbegründer und Vorsitzender des örtlichen Kultur- und Heimatvereins, der aus dem Parkaktiv hervorgegangen ist. Eine Bewässerungskonzeption wurde erstellt und Leitungen verlegt. Zugleich entfernten die Parkaktivisten unerwünschten Zuwuchs, stellten alte Sichtachsen wieder her, setzten Wege instand. Von Anfang an unterstützte sie Helmut Rippl dabei. „Es waren Leute, die die Situation frühzeitig erkannt hatten und den entsprechenden Druck bei Verantwortlichen ausübten. Sie haben dem Park damit eine Perspektive gegeben“, würdigt er das ehrenamtliche Engagement.

Größtes Anliegen war es, einen Ersatz für den verloren gegangenen Ziegelteich zu schaffen. „Es sollten ähnliche ökologische Gegebenheiten entstehen, wie vor der Abbaggerung“, sagt Ardo Brückner. Auf der Wiese westlich vom Schloss wurde der neue Teich von 1985 bis 1988 ausgehoben. Parallel dazu begann die Neuanlage des Parks auf zwölf Hektar zurück gegebener Kippenfläche nach dem Kohleabbau. Helmut Rippl konzipierte den Grundriss, suchte Bäume und Sträucher aus, die zu dem wertvollen Baumbestand im alten Parkteil passten.

Ungezählte Stunden verbrachten die Ehrenamtlichen mit der Neuanlage. Die erste große Pflanzung erfolgte im Zuge eines Parkseminars 1987. Vorher war Lehmboden vom Teichaushub auf den Kippensand zur Bodenverbesserung aufgebracht worden. „Trotzdem wuchs dort in den ersten zehn Jahren alles furchtbar langsam. Dann kamen günstige Witterungsverhältnisse und diese haben die sauren Böden entgiftet. Heute sieht der Parkteil aus, als wäre er schon viel älter als die rund 30 Jahre seit Beginn der Neugestaltung“, schätzt Helmut Rippl ein.

Ein entscheidender Punkt ist, dass die Überwachung und Pflege nie aussetzen darf. „So ein Park ist ein lebendiges Wesen.

Regelmäßig muss an der Substanz gearbeitet werden, damit insgesamt alles stimmig ist und der Charakter erhalten bleibt“, betont Ardo Brückner. So nimmt beispielsweise am alten Ziegelteich der Wildwuchs stark zu, bedrängt allmählich die freie Sicht auf den neuen Parkteil auf der Kippe.

Auch an anderen Stellen müsste zu viel Gewachsenes jetzt herausgenommen werden. „Noch sind es Kleinigkeiten, doch sie können sich in zehn Jahren auswachsen und dann wird es aufwendig“, erläutert Helmut Rippl.

 Prof. Helmut Rippl und Ardo Brückner(v.l.)  im historischen Parkteil. Im HIntergrund die Baumreihe aus der Anfangszeit mit Blutbuchen und Platane, links die markante Blaufichten-Zweiergruppe.
Prof. Helmut Rippl und Ardo Brückner(v.l.)  im historischen Parkteil. Im HIntergrund die Baumreihe aus der Anfangszeit mit Blutbuchen und Platane, links die markante Blaufichten-Zweiergruppe. FOTO: Birgit Keilbach