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| 15:47 Uhr

Landwirte im Gespräch
Goßmars Weg für glückliche Kühe

FOTO: LR / Carmen Berg
Goßmar. Landwirte reden mit Landrat Stephan Loge über Erfolge und Ärgernisse.

Keine Bauerndemo ist es, die Landrat Stephan Loge (SPD) am Mittwoch im Betriebshof der Agrargenosenschaft Goßmar empfängt. Vielmehr ist die komplette Belegschaft gekommen, um deutlich zu machen: Hinter Erfolgen stecken Menschen, die die Genossenschaft täglich am Laufen halten. Eingeladen zum Austausch mit den Gastgebern und Landwirten der Umgebung hatte der Bauernverband Südbrandenburg. „Ich war schon viel unterwegs, doch so eine Begrüßung habe ich noch nicht erlebt,“ erklärt der Landrat und ist beeindruckt.

In der Agrargenossenschaft Goßmar bewirtschaften 68 Mitarbeiter 5000 Hektar Acker- und Grünland, kümmern sich um 1100 Milchkühe sowie 200 Mutterkühe und füttern 200 Schweine, deren Fleisch über den eigenen Betrieb vermarktet wird. Die Milchtankstelle wird demnächst neben anderen Kunden rund 1000 Kita-Kinder versorgen. In der Milchleistung gehören die Goßmarer laut Geschäftsführerin Anja Müller-König zu den besten 25 Prozent in Brandenburg.

Für gute Ergebnisse auf Feldern und in Ställen habe jeder Betrieb seine indivduelle Lösung, und jeder Weg habe seine Berechtigung, erklärt die Chefin ihren Standpunkt. Sie wehrt sich gegen eine Verteufelung der so genannten Massentierhaltung und rechnet vor: In Goßmar kommen auf einen Mitarbeiter 73 Hektar Fläche, 16,1 Milchkühe und 2,9 Mutterkühe. Das sei weniger als auf manchem kleinen Bauernhof. Kühe seien zudem Herdentiere, sagt die studierte Tierärztin. Sie hätten ein ausgeprägtes Sozialgefüge und bleiben in der Genossenschaft von Geburt an in Gruppen zusammen.

Das Unternehmen hat viel Geld in die Hand genommen für Ställe und Melkstand sowie ein neues Sozialgebäude mit Hygieneschleuse nach modernstem Standard. Anders als Menschen lieben es Kühe kühl, erklärt die Chefin im neuen Milchviehstall. Er ist einen Meter höher konstruiert als normal, sodass sich die Hitze oberhalb der Tiere sammeln kann, während über die Seitenwände Licht und Luft zugeführt wird. Vor großen Glasscheiben gibt es Jalousien, die temperaturabhängig geschlossen oder auch als Sonnensegel genutzt werden können.

Im Hof sehen die Besucher gegen Gerüche abgedichtete Güllebehälter mit Lagerkapazitäten für knapp neun Monate. Sie seien bereits 2014 geplant worden, lange bevor Gülle als Umweltthema hochgekocht sei, so Anja Müller-König. Ein Aufreger bei ihr und anderen Bauern in der Runde ist ein Wust an aus ihrer Sicht praxisfernen Vorschriften. „Wir dürfen sinnvolle Sachen nicht machen oder zur falschen Zeit, doch Natur lässt sich nicht verbiegen“, sagt die Goßmarer Chefin. So müsse jetzt die Herbstaussaat erfolgen, um Gülle ausbringen zu können, „obwohl auf den ausgetrockenten Böden die Saat nicht aufgehen wird“. Ein Drittel der tierischen Hinterlassenschaft wird in der Biogasanlage der Genossenschaft zu Strom. Mehr wäre möglich, doch dafür reichten die Kapazitäten des Netzbetreibers nicht aus.

Bei Landrat Loge setzt  sich Anja Müller-König für eine bessere Ausstattung der örtlichen Feuerwehren ein. Wie Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) sagt, hatten die Landwirte jüngst bei einem Waldbrand ein 10 000 Liter-Wasserfass angefahren, ohne dass ein Anruf nötig gewesen sei. „Wir helfen gern, doch das allein kann nicht die Lösung sein“, sagt dazu Anja Müller-König.