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Landkreis liebäugelt mit Beratergesellschaft

Lübben/Luckau. Es wäre falsch, von Liebe auf den ersten Blick zu reden. Eine ordentliche Portion Skepsis lag bei den Abgeordneten im Kreisausschuss Dahme-Spreewald diese Woche schon in der Luft, als sie erstmals die PD trafen. Ingvil Schirling

PD, das steht für "Partnerschaft Deutschland" und ist der Name einer GmbH, die sich als Berater der öffentlichen Hand versteht - und nur der öffentlichen Hand. Und da schauten die Abgeordneten dann doch nochmal genauer hin. Dr. Alfred Reichwein, einer der Manager bei der PD und speziell für die Beratungsangebote für Kommunen zuständig, tat sein Übriges, um die Werbephase erfolgreich werden zu lassen. Viele Abgeordnete waren nach seinen Ausführungen überzeugter als vorher, entscheiden muss aber der Kreistag.

Die Idee ist, dass der Landkreis für den überschaubaren Beitrag von 1500 Euro 15 Geschäftsanteile erwirbt und somit Gesellschafter wird. Damit wird er zwar noch lange nicht am Gewinn beteiligt, kann aber die Leistungen der PD nutzen, als wären es die eigenen. "In-House-Beauftragung" heißt das und soll Zeit und Geld sparen. Normalerweise müsste der Landkreis derartige Beratungsleistungen ausschreiben wie andere auch. Es folgt die manchmal lange Phase der Bewerbung, Prüfung, Auswahl - ehe die eigentliche Beratung beispielsweise zu großen Bauvorhaben, aber auch zu Verwaltungsstrukturen oder strategischen Ausrichtungen überhaupt stattfinden kann.

Als Gesellschafter der PD ginge das deutlich unkomplizierter und die Beratung könnte einfach angefordert werden. Mehr noch: "Sie können auch mit uns diskutieren, ob sie die geforderte Beratungsleistung dann trotzdem öffentlich ausschreiben", erklärte Reichwein. Bei der folgenden Auswahl habe der Landkreis die freie Entscheidung.

Die PD wirbt in diesem Zusammenhang vor allem damit, dass sie sich auf die Beratung von Kommunen konzentriert. "Diese Spezialisierung bekommen Sie nur bei uns", machte Reichwein das Alleinstellungsmerkmal klar. Aktuell wird beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen bei der Umsetzung des E-Governments unterstützt, also beim Anbieten von Verwaltungsleistungen über Internet. Die Landkreise Mettmann und Paderborn haben sich Reichwein zufolge ebenfalls dafür entschieden, Gesellschafter zu werden.

Die Beratungsleistung an sich ist nicht in den 1500 Euro mit drin, sondern muss extra bezahlt werden. Der Beitrag deckt aber den Zugriff auf den "Stab an qualifizierten Beratern" ab, wie Reichwein es nannte.

Auf den zweiten Blick überzeugte das viele Abgeordnete im Kreisausschuss doch. "Ich glaube schon, dass wir den Versuch unternehmen sollten", sagte Martin Wille (SPD). Norbert Kleinwächter (AfD) fragte nach möglichen laufenden Kosten, die jedoch verneint wurden.

So verlief das erste Kennenlernen eher als Abklopfen der Vorteile. Ob daraus eine langfristige Verbindung wird, könnte sich beim Kreistag am 18. Oktober, 16 Uhr, im Lübbener Landratsamt zeigen.