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| 01:30 Uhr

Lammzeit bei den Ziegen in Gießmannsdorf

Gießmannsdorf. Mit zwei Streichel-Ziegen für Kinder hat Heike Wuttke vor gut zehn Jahren in Gießmannsdorf begonnen. Inzwischen ist daraus eine Herde aus 22 erwachsenen Tieren geworden. In diesen Wochen erblicken auf dem Ziegenhof zudem mehr als 20 Lämmer das Licht der Welt. Von Carmen Berg

Bis Mitte der 1990er Jahre lebte Heike Wuttke in Berlin und war in einem kaufmännischen Beruf tätig. „Aber mit Tieren hatte ich schon immer zu tun. Mit 15 Jahren bekam ich mein erstes Pony. Das ist jetzt 41 Jahre her”, erzählt sie. Seither hätten Ponys zu ihrem Leben gehört. „Als das Land, auf dem sie untergebracht waren, zu Bauland wurde, war mir klar, ich muss mir etwas Neues für meine Tiere suchen“, erklärt Heike Wuttke, wie es sie nach Gießmannsdorf verschlug.

Ursprünglich wollte sie Reiten für Kinder anbieten, wie sie es schon in Berlin getan habe. Doch die Idee sei nicht aufgegangen, erzählt sie. Was blieb, seien die Streichelziegen gewesen, die dann Lämmer bekamen. So wurde die Neu-Gießmannsdorferin Ziegenbäuerin. Sie investierte nach eigenen Angaben 25 000 Mark (rund 12 500 Euro) in einen Milchraum, um fortan Ziegenkäse herzustellen. „Alles muss hygienischen Standards entsprechen und regelmäßigen Kontrollen des Veterinäramtes standhalten“, sagt Heike Wuttke.

Bei der Käseproduktion habe sie in den ersten Jahren „Lehrgeld gezahlt“, erinnert sie sich. „Denn ich hatte ja keine Erfahrung.“ Heute seien ihre Spezialität Käsewürfel in Öl, die sie im Glas vor allem auf Märkten anbiete. So sei sie bei Bauernmärkten in Glashütte oder Calau, aber auch beim Golßener Gurkentag anzutreffen, manchmal begleitet von ihrer Lieblingsziege Paula. „Sie ist mein pfiffigstes Tier und lockt die Leute“, sagt Heike Wuttke.

Käse als Saisongeschäft

Die Käseherstellung sei ein Saisongeschäft. Es ruhe im Winter, wenn die Muttertiere tragend seien, so die Gießmannsdorferin. Deshalb sei es schwer, mit dem Hof über die Runden zu kommen, gesteht sie. Im Sommer beginne ihr Tag schon morgens um fünf Uhr. Sie bearbeite den Käse, füttere und melke die Tiere, kümmere sich um den Verkauf. Daneben sei der Garten zu bewirtschaften. „16-Stunden-Tage kommen da leicht zusammen“, sagt Heike Wuttke. Während der Lammzeit sei sie mitunter auch nachts im Stall, „wenn sich bei einem Tier Probleme abzeichnen“.

Helfer willkommen

Mehr als 20 Lämmer bevölkern in diesem Frühjahr den Hof, den die Ziegenbäuerin allein bewirtschaftet. Helfer einzustellen, gebe ihr Budget nicht her. Ihre Hoffnung setzt sie nun auf Städter, die Lust haben, für Kost und Logis einige Zeit auf dem Land mit anzupacken. Auch wenn es schwierig sei, steht für Heike Wuttke fest: Zurück in die Großstadt will sie nicht mehr. Sie zeigt das Storchennest vor ihrem Haus. „Bisher haben die Störche dort jedes Jahr genistet und Junge großgezogen.“ Das sei Schönheit, die keine Stadt ihr bieten könne.