ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 03:00 Uhr

Lagunendorf braucht jetzt Mut zum Risiko

Um mit dem Lagunendorf am Sedlitzer See den Traum vom Wohnen direkt am Wasser wahr werden zu lassen, ist jetzt der Mut zum Risiko bei den Senftenberger Stadtvätern gefragt. Der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) hat zwar einen Plan geschmiedet, der eine harte finanzielle Bruchlandung ausschließt – ein großes Wagnis bleiben die Eigenheimsiedlung auf den vier Landfingern, die Mini-Marina und das Feriendorf aber trotzdem. Kathleen Weser

Senftenberg/Sedlitz. Die raue Bucht nahe der Ortslage Sedlitz ist das einzige Filetstück auf gewachsenem Boden im Lausitzer Seenland, auf dem der Traum vom beschaulichen Wohnen direkt am Wasser wahr werden kann. Das Areal am Sedlitzer See soll für etwa 100 Hausbauwillige mit Erstwohnsitz baureif gemacht werden. Für dieses Lagunendorf müsste die Stadt Senftenberg jetzt aber die ersten zwei Million Euro für erforderliche Planungen und den Uferverbau in die Hand nehmen. Der größte der Bergbaufolgeseen der schiffbaren Gewässerkette ist inzwischen bis auf 93 Meter über Normalnull voll gelaufen. Ab einem Wasserstand von 96 Metern über Normalnull aber steigen die Baukosten enorm und machen das ehrgeizige Wohnvorhaben in kommunaler Regie unrealistisch.

Deshalb muss die Entscheidung her. Das erklärt Volker Mielchen, der Leiter für die Infrastrukturentwicklung im Seenland-Zweckverband. Auf vier Landfingern, die die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) im Rahmen der notwendigen Böschungsgestaltung nun bereit ist, in die natürlich gewachsene Uferböschung des Sedlitzer Sees zu schneiden, kann die Stadt Senftenberg die einzigartige Wohnsiedlung entstehen lassen. Die bergmännischen Arbeiten werden derzeit auf den Weg gebracht.

Im Sommer nächsten Jahres soll die Erde in der Bucht bewegt werden. Das hat Mielchen während der jüngsten Beratung des Bauausschusses bestätigt. Durch das Areal, in das die Landfinger geschnitten werden könnten, verläuft derzeit noch eine Haupttrinkwasserleitung des Wasserverbandes Lausitz (WAL).

Diese müsste zuerst verlegt werden - auf Stadtkosten. Die finanzielle Hausnummer: 650 000 bis 800 000 Euro. Noch ist die Bucht ein weißer Fleck, der baureif zu machen ist. Damit ab erstem Quartal 2014 Häuser errichtet werden können, muss der Lauf durch das bürokratische Verfahren noch in diesem Jahr gestartet werden. Mit weiteren acht Millionen Euro werden die voraussichtlichen Kosten für die Erschließung des Lagunendorfes beziffert. Erst ein fundiertes, betriebswirtschaftlich untersetztes Investitionskonzept wird laut Volker Mielchen aber zeigen, ob dieses vorzufinanzierende Budget ausreichen wird.

Letztlich müssen die Grundstücksverkäufe am Ende die Erschließungskosten wieder einspielen. Das finanzielle Risiko für die Stadt Senftenberg soll weitestgehend minimiert werden. Mit geschaffenem Baurecht und der verlegten Wasserleitung würden etwa 20 Euro pro Quadratmeter Bauland investiert sein. An dem Punkt angekommen kann die Bremse noch gezogen und das vorgeformte Lagunen-Areal teilerschlossen an einen Bauträger verkauft werden, sollten die Kosten die Kommune überfordern.

"Das Lagunendorf ist ein großes Vorhaben mit viel Charme und Freude auf die Zukunft. Aber es ist nur mit Bedacht zum Erfolg zu führen", erklärt Volker Mielchen. Die Senftenberger Stadtverordnetenversammlung steht im Dezember vor der Entscheidung, die großen Mut erfordert. Die Siedlung soll, so sie gebaut werden kann, weitgehend autark mit Energie versorgt werden.

Ziel ist es zudem, Strom über Fotovoltaikanlagen auf den Hausdächern aus der Kraft der Sonne zu gewinnen. Die Abwässer und Küchenabfälle sollen zur Energie- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Wassersparmodelle für die Haushalte über innovative technische Lösungen werden geprüft.