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| 17:25 Uhr

Weiteres Kapitel der unendlichen Geschichte
Laga-GmbH tritt vom Kauf zurück: Höllberghof sucht neuen Besitzer

 Das Maifest gehörte zu den Höhepunkten auf dem Höllberghof. Ob es beliebte Traditionsfeste dort wieder geben wird, ist ungewwiss. .
Das Maifest gehörte zu den Höhepunkten auf dem Höllberghof. Ob es beliebte Traditionsfeste dort wieder geben wird, ist ungewwiss. . FOTO: Birgit Keilbach
Seit Juli Tore geschlossen. Veranstaltungen nur nach Absprache mit Naturpark-Förderverein. Von Carmen Berg

In der letzten Juniwoche haben Ferienkinder auf dem Höllberghof noch einmal die Natur erkundet. Jetzt sind die Tore geschlossen. Ob sie sich wieder öffnen, ist ungewiss. Sicher ist, dass die Luckauer Landesgartenschaugesellschaft (Laga-GmbH) von einem Kauf Abstand nimmt.

Wie Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt, scheitert die Überlegung, die er selbst im Vorjahr ins Gespräch gebracht hatte, am Investitionsaufwand für die Anfang der 1990er-Jahre im historischen Stil errichteten Fachwerkgebäude. Die geschätzten Kosten beziffert er auf rund 500 000 Euro. Laut Förderkonditionen könnte die Laga-GmbH davon nur 200 000 Euro innerhalb von drei Jahren erstattet bekommen. „Aus Luckauer Sicht wäre das wirtschaftlich unverantwortlich“, sagt der Bürgermeister.

Eigentümer des Hofes samt mehr als 30 Hektar Land auf der Gemarkung der Gemeinde Heideblick ist der Förderverein Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Dessen Mitgliederversammlung beschloss schon im April 2017 den Verkauf. Der Verein will sich auflösen, weil sich aus Altersgründen für die Vorstandswahl keine Bewerber mehr gefunden hatten. Das ehrenamtliche Gremium amtiert bislang weiter. Man wollte eine Schließung des Hofes verhindern, wie sie aus Personal- und Geldnot 2016 schon einmal für mehrere Monate passiert war, blickt Vereins-Geschäftsführer Jürgen Sauer zurück. Rettung brachte damals ein Förderprojekt in der Umweltbildung. Drei Mitarbeiter konnten für drei Jahre beschäftigt werden. Ende Juni liefen die Stellen aus.

Gerald Lehmann bietet den Nachbarn  aus Heideblick beim Höllberghof weiterhin partnerschaftliche Hilfe an, ergänzt aber:  „Nur mit Idealismus wird er nicht zu betreiben sein. Es sind ein wettbewerbsfähiges Konzept und Marketing nötig.“ Darin ist er sich mit Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) einig, der zugleich bekräftigt: Eigene Ambitionen, den Hof zu übernehmen, habe seine Gemeinde nicht.

Findet sich kein Käufer, geht das Freilichtmuseum bei Vereinsauflösung an den Biologischen Arbeitskreis „Alwin Arndt“. Für Unmut beim Förderverein sorgte ein Antrag Heideblicks, dass in diesem Falle Grund und Boden, der zum Hof gehört, an die Gemeinde fallen soll. „Wir wollen verhindern, dass womögtlich Schranken den Zutritt zum Höllberghof versperren“, begründet Frank Deutschmann das Ansinnen.

„Nicht ein einziges Mal hat die Gemeinde Interesse signalisiert, sich mit uns zusammenzusetzen, um den Hof zu retten. Das einzige, woran gedacht wurde, sind die Flächen“, ärgert sich Jürgen Sauer. Wie er sagt, sei mit dem Land kaum Geld zu verdienen. Es seien nur Flächen für die ökologische Nutzung erworben worden, deren Bodenwert sich für Ackerbau nicht eigne. Einnahmen aus der Verpachtung deckten nicht einmal ein Drittel der jährlichen Versicherungssumme für den Hof, vergleicht er. „Wir sind sehr enttäuscht, dass wir keine Hilfe bekommen“, gibt der Geschäftsführer zu.

Frank Deutschmann spielt den Ball zurück. Über ein wirtschaftliches Konzept sei die Gemeinde jederzeit gesprächsbereit. Doch er sehe „keine Ansätze“. Eine sich selbst tragende Ausflugsgaststätte wie die Krabat-Mühle in Schwarzkollm nennt er als Beispiel. Man könne sich nicht ewig von einer Fördermaßnahme zur nächsten hangeln, so Frank Deutschmann.

Jürgen Sauer hofft noch, den Hof im letzten Moment doch noch für soziale und Naturschutzzwecke zu erhalten. „Gerade werden dazu Möglichkeiten in der Region geprüft, Mitte Juli werden wir klarer sehen“, sagt er, ohne konkreter zu werden. Sollten diese Bemühungen scheitern, „dann schreiben wir den Höllberghof neu aus, und es ist uns ganz egal, ob er gemeinnützig bleibt oder nicht“, kündigt er an.

Besichtigungen und Veranstaltungen auf dem Hof können ab Juli nur noch auf direkte Nachfrage beim Förderverein durchgeführt werden, sie werden dann ehrenamtlich betreut.

 Das Maifest gehörte zu den Höhepunkten auf dem Höllberghof. Ob es beliebte Traditionsfeste dort wieder geben wird, ist ungewwiss. .
Das Maifest gehörte zu den Höhepunkten auf dem Höllberghof. Ob es beliebte Traditionsfeste dort wieder geben wird, ist ungewwiss. . FOTO: Birgit Keilbach