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Kunstwerk auf vier Rädern

Alteno.. Zur zweiten Auflage des internationalen Ford-Meetings „Ford Total 2003“ kamen am Wochenende rund 3500 Fans mit mehr als 1100 Fahrzeugen auf die Mehrzweckanlage Luckau (MZA). Mit diesem Plus von zehn Prozent gegenüber der Premiere zeigte sich Event-Leiter Dirk Krühler von der projekt concept GmbH Herten sehr zufrieden. Das Treffen führt Leute zusammen, denen eines gemein ist: Sie alle sind scheinbar unsterblich in ihren Ford verliebt. Von Andreas Staindl

Mit den Zehntausenden Fans der Opel- und VW-Treffen auf der MZA kann „Ford-Total“ nicht ganz mithalten. „Die Fangemeinde ist weit kleiner, vor allem aber ruhiger und gelassener“ , sagte Michael Pietzner. Der Verkaufsberater der Autohaus Lehmann GmbH in Luckau kennt sich aus in der Szene. Gemeinsam mit Enrico Hoffmann, vom Ford Autohaus Hoffmann in Dahme, war er am Wochenende fachlicher Ansprechpartner. „Bei solch einem Event muss man einfach präsent sein“ , betonte Pietzner. Die Treffen seien immer auch Plattform für Innovation, technische Neuheiten und attraktive Spielereien. „Hier holen sich viele Besucher Anregungen zur weiteren Gestaltung ihrer Autos“ , erklärte der Verkaufsberater.
Auch am Stand der beiden Ford-Autohäuser war Ungewöhnliches zu entdecken, so zum Beispiel außergewöhnliche Felgen. Die Fachfirmen waren jedoch auch Ansprechpartner in Sachen Technik. „Oft haben die Leute Probleme mit dem TÜV“ , weiß Pietzner und ergänzte: „Wir beraten und unterstützen sie, weisen auf technisch Machbares hin. Die Tüftler und Bastler nehmen die Tipps dankbar an.“

Treffen als Bühne
Und doch war der Spezialist am Wochenende etwas enttäuscht. „Ford feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Da hätte ich mir mehr Unterstützung von 'oben' gewünscht, etwa mit einem Showtrak. So war es eine verpasste Chance, die Marke würdig zu präsentieren“ , ärgerte er sich. Pietzner findet das besonders schade, „weil bei solchen Treffen potentielle Ford-Kunden konzentriert sind“ .
Seit mehr als zehn Jahren nutzt Wolfgang Blank Ford-Treffen als seine Bühne. Der Akustikspezialist aus dem Mainthal ist ein ganz besonders akribischer Tüftler. Sein Ford Cabrio - Baujahr 1977 - ist ein Kunstwerk auf vier Rädern. Ein Jahr hat Blank daran gewerkelt, „fast Tag und Nacht“ , strahlte er. Nur die äußere Form des Cabrios scheint noch original. Im Innenraum wimmelte es vor technischer Raffinesse. „Mich reizt die Kombination moderne Technik in historischem Fahrzeug“ , erklärte der Besitzer.
Die technischen Daten sprudeln nur so aus ihm heraus: „Ein Kilometer Leitung verlegt. 72 Birnen für die außergewöhnliche Lichtshow. 18 Relais, inclusive kompletter Schaltanlage.“
Wolfgang Blank geriet ins Schwärmen. „Mein Auto ist ein Unikat. Ich habe alles nach meinen Ideen umgebaut“ , betonte er. Als Spezialist habe er die gesamte Palette der Akustik im Auto integriert. Mehr als 11 000 Euro habe er dafür investiert.
„Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht“ , ist Lebensgefährtin Dagmar Weigel überzeugt. Auch sie war über 600 Kilometer aus dem Großraum Frankfurt/Main nach Alteno angereist.

Lob für Niveau auf der MZA
„Ich habe die Tour nicht bereut. Das Niveau auf der MZA ist gut, die Atmosphäre angenehm und die Sicherheit gewährleistet“ , lobte sie. Das sei längst nicht bei allen Treffen so. Auch Dagmar Weigel war mit einem Ford Cabrio präsent. „Mein Auto ist jedoch noch in der Pubertät“ , schmunzelte sie und verwies auf die vielen Ideen, die noch bei ihrem Lebensgefährten schlummern. Der verfolgte am Wochenende offensichtlich auch einen selbst auferlegten pädagogischen Auftrag. „Das Gros der jungen Leute hat keine wirklichen Ideen beim Umbau ihrer Fahrzeuge“ , meinte Blank. Oft würden die nur ihre riesigen „Wumwumkisten“ in den Kofferraum stellen. Mit ausgefeiltem Klang und gepflegter Akustik habe das nichts zu tun. „Ich will den Jugendlichen helfen und zum Nachdenken inspirieren“ , sagte der Tüftler und betonte: „Mein Rat wird gern angenommen.“
Sein Cabrio war auf der MZA tatsächlich einer der Hingucker, besonders bei der nächtlichen Show. „Das Interesse der Leute ist mein schönster Lohn“ , gestand Blank, der sich mit über 50 Jahren „noch nicht zu alt“ für solche Treffen fühlt. Ford sei nun mal seine große Liebe und sein Cabrio Kult.