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| 17:52 Uhr

Luckau
Fünfmal Kunst in einer Spektrale

Der Cottbuser Künstler Steffen Mertens (hinten) hat für die Spektrale in seinem Atelier in Groß Döbbern diese Arbeit unter dem Titel „Trio impossibile“ hergestellt. Sie wird unter freiem Himmel nahe der Stadtmauer in Luckau zu sehen sein.
Der Cottbuser Künstler Steffen Mertens (hinten) hat für die Spektrale in seinem Atelier in Groß Döbbern diese Arbeit unter dem Titel „Trio impossibile“ hergestellt. Sie wird unter freiem Himmel nahe der Stadtmauer in Luckau zu sehen sein. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Luckau. „Kultur im Gepäck“ wird am Sonntag in Luckau eröffnet. Ausstellung vereint mehrere Teile, darunter Kinder- und Jugendprojekte. Von Ingvil Schirling

Wie kommt das chinesische Porzellan nach Luckau? (Und warum hängt es jetzt an einem Baum?) Wie kommen die Schwimmwesten ins Leck einer verrosteten Bordwand? (Und wo will das Schiff hin?) Was bleibt von Handlungsreisenden entlang der Route, was von denen, die ihnen begegnet sind? Fragen, die nur eine stellen kann: Die Spektrale 2018, die achte Ausstellung des Landkreises Dahme-Spreewald dieser Art mit ihrem Kunstpreis, die am Sonntag eröffnet wird.

„Kultur im Gepäck“ heißt die Schau unter dem Dach von „wir erben“ als Obertitel des Kulturlands Brandenburg.

Ganz im Zeichen der Aufbauarbeiten stand das kleine Berstestädtchen in den vergangenen Tagen dieser Woche. Kunstwerke werden gebracht, vorinstalliert oder bereits komplett fertig gestellt, und aufgebaut. Letzte Herausforderungen müssen gelöst, knifflige technische Fragen geklärt werden, ehe am Samstag die Jury zum Rundgang aufbricht und am Sonntag, 27. Mai, um 11 Uhr die große Eröffnung in der Kulturkirche beginnt.

Eines ist jetzt schon klar: Es geht um Fülle. Die achte Spektrale ist im Grunde fünf Kunstausstellungen und -projekte in einer. Die Facetten und Aspekte, mit denen das Thema beleuchtet wird, nehmen erst gar kein Ende.

Da wäre zunächst die Open-Air-Ausstellung der Arbeiten von zehn Künstlern aus Dahme-Spreewald und Berlin-Brandenburg. Großformatige Arbeiten kommentieren unter freiem Himmel zwischen Stadtmauer und -graben, Kulturkirche und nahe der Sparkasse die Geschichte Luckaus als alter Handelsstadt, die ewigen Wanderungsbewegungen der Menschheit und ihren Erfindergeist. Im Anschluss an die Eröffnung werden Rundgänge angeboten, flankiert von Performances der Theaterloge Luckau. Für spätere Besuche ist eine App in Vorbereitung, die zu den Kunstwerken führt und Informationen dazu bereithält.

Dann gibt es das Kinderkunstprojekt. Kinder der Luckauer Rosa-Luxemburg-Grundschule stellten unter Leitung von Glaskünstlerin Beate Bolender und Schulleiterin Gerlinde Sander Arbeiten her, die eine Stunde vor der „großen“ Eröffnung als „kleine“ Vernissage ebenfalls am Sonntag präsentiert werden. Im Foyer der Kulturkirche werden Glasporträts und Momentaufnahmen der schönsten Erlebnisse aus Glas zu sehen sein.

Für die kommenden Wochen hält die Spektrale in Luckau weitere Überraschungen bereit. Unter dem Titel „CreativQuartier“ ziehen Meisterschüler und junge Künstler in leerstehende Luckauer Läden ein und verwandeln sie in Ateliers. Modedesign, Textil- und Flächendesign, Fotografie, bildende Kunst und Installationen sollen den verlassenen Geschäften neues Leben einhauchen. Ziel ist es, „das kultur-touristische Potenzial der Altstadt lokal und überregional aufzuwerten“, informiert Spektrale-Kurator Herbert Schirmer.

Eine der Künstlerinnen ist Arina Essipowitsch, die in einer Art „Doppelrolle“ zugleich das Jugendkunstprojekt der achten Spektrale leitet. In Marseille legte sie bereits die Grundform des Fotoprojekts auf, als sie 2015 die Nachkömmlinge der dritten Generation ehemaliger Einwanderer fotografierte und ihre Porträts veröffentlichte. Diese zeigen, wie sie sich selbst, die Gesellschaft und die Umstände betrachten. In Luckau soll mit jungen Menschen, die erst vor kurzem nach Brandenburg kamen, ein ähnliches Projekt gestartet werden.

Und schließlich wäre da - als fünfter Teil der Spektrale - die Ausstellung zu Johann Gottlieb Koppe. Geboren in Beesdau bei Luckau, machte er sich als Agrarreformer einen Namen, stand allerdings lange im Schatten des weitaus bekannteren Albrecht Daniel Thaer. Während des Sommers soll auch auf ihn ein angemessenes Licht fallen. Luckauer Schüler haben sich mit der Idee bereits auseinander gesetzt.

Zwischen der Eröffnung und dem Abschluss am 16. September kommt so eine Fülle an Kultur und Kunst nach Luckau. Stoff zum Nachdenken, Wundern, Neues lernen - und zum Träumen von fernen Ufern.