ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:35 Uhr

Das andere Festival
Die Kultur treibt in Wahlsdorf Blüten

Zum sechsten Mal krempelt ein ganzes Dorf die Ärmel hoch und verwandelt Wahlsdorf in einen Mikrokosmos kleiner großer Kunst. Die Theaterparty verbindet Menschen aus Stadt und Land.
Zum sechsten Mal krempelt ein ganzes Dorf die Ärmel hoch und verwandelt Wahlsdorf in einen Mikrokosmos kleiner großer Kunst. Die Theaterparty verbindet Menschen aus Stadt und Land. FOTO: LR / Carmen Berg
Wahlsdorf. Drei Tage lang feiern Menschen aus Stadt und Land im 200-Seelen-Ort gemeinsam eine besondere Theaterparty.

Von Freitag bis Sonntag wird der 200-Seelen-Ort zur Freiluftbühne für kleine große Kunst. Menschen aus Stadt und Land sind eingeladen, eine Party der besonderen Art zu feiern mit Theaterstücken, Puppenspiel, Musik und fantasievollen Acts nonstop. Ungewöhnliches, auch Märchenhaftes, Betrachtungen aus überraschenden Perspektiven machen den Reiz des Wahlsdorfer Kulturblütenfestivals aus. Initiatoren und kreative Köpfe sind die „flunker produktionen“ Claudia Engel und Matthias Ludwig. Die diplomierten Puppenspieler und Theaterleute sind seit mehr als zehn Jahren im Fläming zu Hause. In der einstigen Wahlsdorfer Dorfschule haben die beiden Künstler ihre Basis gefunden, von wo aus sie zu Gastspielen im In- und Ausland reisen.

Oft würden sie bei Festivals starre Abläufe erleben, streng durchgetaktet von Agenturen und Kommunen, erzählt Matthias Ludwig. „Das Tolle an unserem Festival ist, dass sich Leute aus der Region, aus allen Altersgruppen und Schichten, einbringen. Jeder mit dem, was er gut kann“, sagt er.

In den Tagen vor dem Fest wird noch eifrig an Schildern und Kulissen gewerkelt. Ein Handwerker aus dem Dorf hat ein fantasievolles neues Kassenhäuschen gebaut, ein anderer ein originelles Podium für den Moderator geschaffen. Die Gebersdorferin Gudrun Szymainski schaut vorbei. „Sie kümmert sich seit Jahren um die Verpflegung für Akteure und Gäste“, sagt Claudia Engel und fügt an, ohne diesen Zusammenhalt wäre das Drei-Tage-Event nicht zu stemmen.

Birgit Wohlauf aus dem Wahlsdorfer Gemeindeteil Liepe greift mit anderen Frauen und Männern zum Pinsel, um mit leuchtenden Farbe letzte Hand an Schilder zu legen. „Das Fest fördert die Gemeinschaft. Das ist etwas sehr Schönes in einer Zeit, wo vieles nur noch vom Kommerz bestimmt wird. Bei uns spüren die Leute, alles ist mit Liebe gemacht“, sagt sie.

Die besondere Atmosphäre wissen auch die Künstler aus Berlin und ganz Deutschland zu schätzen, die in Wahlsdorf auf die große Gage verzichten. „Sie sehen das Wochenende wie einen kleinen Urlaub, schlafen teils in Zelten, bringen ihre Familien mit“, erzählt Claudia Engel.

Flaches Land und Kultur gehen gut zusammen - das wollen die Macher am Wochenende bereits zum sechsten Mal zeigen. Das Programm sei bewusst breit gefächert, so dass jeder für sich Passendes finden kann, sagt sie.

Los geht es am Freitag, 10. August, ab 16.30 Uhr. Zur Eröffnung gibt es „Lütt Matten und die weiße Muschel“, „ein tolles Stück Theater über die Sehnsucht nach Anerkennung und die Macht der Unbeirrbarkeit“, wie Claudia Engel erklärt. Ganz sicher spektakulär wird „Esra“, ein meterhoher Drache, den das Theater Lehmann & Wenzel aus Leipzig mehrmals während des Festivals in einem Walk Act über den Dorfplatz schicken wird. Shakespeare mal anders ist zu erleben mit dem „Sommernachtstraum“ der „Exen“ - Humor und Tiefgang, komprimiert auf einem Meter Bühne.

Die Highlights der drei Kulturblüten-Tage zu benennen, fällt Claudia Engel schwer. Jedes Theater- und Musikstück, jedes Puppenspiel, sei auf seine Art etwas Außergewöhnliches, macht sie neugierig. So auch Rodrigo Umseher aus Berlin, der mit einem Dreirad über die Wiese knattert und mit dem, was sich dort öffnet, für Staunen sorgen wird, oder PMastaz aus Berlin mit „Hip Hop von der besten Toy-Group der Welt“.

Schon Tradition hat ein Ausflug im Rahmen des Festivals unter einem speziellen Thema. Er führt am Sonnabend ab 14 Uhr zur Oase der Liepe, einem malerischen Mühlenhügel im Gemeindeteil, wo sich alles um die Liebe drehen wird. Dort erwarten die Flanierer unter anderem Tango-Klänge zum Lauschen, Tanzen und Schweigen, sowie prächtige Installationen von Bärbel Haage, in denen sich die Gäste fotografieren lassen können und eine Liebesblüte, die Birgit Wohlauf, die Schirmherrin des Hügels, als Tatoo kreieren wird. Bei der Kostümierung ist der Fantasie der Spaziergänger keine Grenze gesetzt. „Ob Blumenkinder, Herzbrille - möglich ist alles, was gefällt“, sagt Claudia Engel.

Einwohnerin Birgit Wohlauf engagiert sich bei den Vorbereitungen auf das Festival. Es führt die Dorfgemeinschaft enger zusammen, sagt sie.
Einwohnerin Birgit Wohlauf engagiert sich bei den Vorbereitungen auf das Festival. Es führt die Dorfgemeinschaft enger zusammen, sagt sie. FOTO: LR / Carmern Berg