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Nabucco
Verdi lockt Tausend Besucher an

Verdis Oper "Nabucco" ist am Sonntagabend im Schlosspark in Fürstlich Drehna (Stadt Luckau) aufgeführt worden. Etwa Tausend Besucher waren dabei.
Verdis Oper "Nabucco" ist am Sonntagabend im Schlosspark in Fürstlich Drehna (Stadt Luckau) aufgeführt worden. Etwa Tausend Besucher waren dabei. FOTO: Andreas Staindl
Fürstlich Drehna. Wenn Fürstlich Drehna zugeparkt ist, muss etwas Besonderes in der Luft liegen: Am Sonntagabend war der kleine Ortsteil der Stadt Luckau Spielort der Verdi-Oper "Nabucco". Das Spektakel um Liebe und Macht lockte etwa Tausend Besucher in den Schlosspark. Andreas Staindl / asd

Für sie waren Stühle auf der Wiese aufgestellt. Die renommierte Festspieloper Prag präsentierte die weltweit meistgespielte Oper unter freiem Himmel. Es war eine bewegende Inszenierung in vier Teilen und italienischer Originalsprache.

Nabucca, König von Babylon, und Zaccaria, Hohepriester der Hebräer, kämpfen um die Vorherrschaft in Jerusalem. Fenena, erstgeborene Tochter Nabuccos, und ihre Halbschwester Abigaille, führen einen Machtkampf um das väterliche Erbe und die Liebe zu Ismaele-dem Neffen des Königs von Jerusalem. Mehr als zwei Millionen Zuschauer haben die bisherigen Open-Air-Aufführungen des Opernensembles in diesem Jahr schon gesehen. Etwa Tausend Besucher sind jetzt dazugekommen. Sie genossen das besondere Kulturerlebnis inmitten der Natur. Kaum ein Gast ging vorzeitig nach Hause. Und dass, obwohl die Kühle der Nacht empfindlich in die Glieder kroch.

Doch die Besucher hatten vorgebeugt:Viele brachten nicht nur Sitzkissen, sondern auch wärmende Decken mit, Jacken und Mäntel ohnehin. So ließ es sich bis zum vierten Akt und damit dem Ende der Oper aushalten. Zwei Stunden lang sangen und spielten die Akteure auf der Bühne. Roswitha Noack war mittendrin. Die Peitzerin (Spree-Neiße) hatte eine Statistenrolle gewonnen. "Ich habe den Auftritt genossen", sagte sie der RUNDSCHAU, "es war sehr angenehm. Ein Darsteller hat mich persönlich an die Hand genommen. Es war interessant, mal auf der Bühne zu stehen und ins Publikum zu schauen. Man bekommt einen ganz anderen Blick auf eine solche Veranstaltung."

Roswitha Noack war ein Mitglied des Gefangenenchors, hat von den Zuschauern aus rechts außen gestanden. "Gesungen habe ich aber nicht", erzählt sie. "Ich kann ohnehin kein italienisch." Doch optisch war sie von den Anderen nicht zu unterscheiden. Die Laiendarstellerin trug die gleiche Garderobe wie die anderen Akteure des Chors, wurde wie diese von einer Maskenbildnerin zurechtgemacht. "Das war schon alles sehr eindrucksvoll. Besser als auf der Bühne kann man Musik von Verdi nicht erleben. Ich würde es wieder machen."

Barbara Schröter aus Golßen (Unterspreewald) hätte ebenfalls als Statistin dabei sein dürfen. "Doch ich habe es vorgezogen, die Oper von den Zuschauerplätzen aus zu verfolgen. Es war wunderschön, ein wirklich ganz tolles Erlebnis."

Auch die anderen Besucher waren offensichtlich von der Aufführung begeistert. Der minutenlange Beifall am Ende war deutlicher Beweis. Begnadete Sängerinnen und Sänger sowie hervorragende Schauspielerinnen und Schauspieler haben für ein unvergessliches Opern-Erlebnis gesorgt. Der kraftvolle Gesang war weit in den Schlosspark hinein zu hören-und kam manchmal sogar als Echo zurück. Er hat scheinbar auch Zaungäste angelockt, die das Spektakel am Absperrgitter in Sichtweite der Bühne verfolgten.

Nicht nur die Protagonisten auf der Bühne, sondern auch das Orchester im Zelt nebenan hatte seinen Anteil am Erfolg. Martin Doubravsky dirigierte die Musiker der Festspieloper Prag. Der bekannte tschechische Bariton Oldrich Kriz hat Regie geführt. "Nabucco" wurde am 9. März 1842 in Mailand uraufgeführt. Die Handlung spielt in Jerusalem und Babylon-587 Jahre vor Christus´ Geburt. Im Jahre 2017 hat die Oper offensichtlich noch immer ihren Reiz.

"Nabucco" im Schlosspark in Fürstlich Drehna - das hat gepasst. Auch wenn die Suche nach einem Parkplatz schon nervenaufreibend war, die unzähligen Fahrzeuge in den engen Straßen den einen oder anderen Anwohner nicht begeisterten. Tausend Besucher bedeuten nun einmal rund 500 Autos. Das sind etwa doppelt so viele wie Einwohner in dem kleinen Ort.

Mehr muss man über die Anziehungskraft der Verdi-Oper nicht sagen.