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| 17:45 Uhr

Erinnerungen und Erlebnisse in Bildern
Syrischer Künstler stellt in Zieckauer Kirche aus

Zieckau. Werke stellen Errinnerungsbruchstücke aus dem Leben des Malers und Grafikers dar. Ausstellung war zuvor bereits in Berliner Galerie zu sehen.

In der Dorfkirche in Zieckau können Kunstinteressierte derzeit ein besonderes Kunsterlebnis verfolgen. Der syrische Künstler Kheireddin Obeid aus Idlib gibt in einer kleinen Ausstellung einen Einblick in sein künstlerischers Handwerk. Der 49-Jährige Maler und Grafiker nutzt vor allem leuchtende Farben, um in seinen scheinbar fröhlichen Bildern unterschiedlichste Geschichten zu erzählen.

Er spricht dabei von der Schönheit, Reichtum und Buntheit der Kultur Syriens. Typische Motive und Erinnerungsbruchstücke wirken dabei wie in einem Vexierspiegel: gespiegelt, gebrochen und neu zusammengesetzt in Bruchstücken, Splittern, Lichtreflexen. Deutlich wird: Kheireddins arbeitet mit Elementen des Konstruktivismus, aber zugleich erkennen wir immer wieder die Einflüsse traditionsreichen orientalischer Ornamentik.

Neben der Widerspiegelung von Erinnerungsbruchstücken, Lichtstimmungen, Farben und Atmosphären seiner syrischen Heimat erschließt sich bei näherer Betrachtung auch eine gesellschaftskritische Dimension. „Allein die vielfältigen Brechungen in den Bildern sind ja nicht nur Farbenspiel, sondern – leider – auch Realitätswiedergabe einer gebrochenen, nicht mehr klar fassbaren Existenz und einer zerbrochener Heimat in vielerlei Hinsicht“, sagt Lothar Treder-Schmidt.

Verschiedenste Motive greift Kheireddin Obeid dazu auf. In einem Werk ist die Taube als Symbol des Friedens zu sehen. Aber fliegt sie oder stürzt sie? Auch seine eigene Flucht vor einigen Jahren verarbeitet er mit der Malerei. Dies wird unter anderem durch einenRiesenschritt zwischen den Kultur-Welten hier wie dort dargestellt.

Kheirredin Obeid wurden in Idlib, Nordsyrien, geboren. Er studierte und lehrte dort an der örtlichen Kunstfachhochschule als Dozent. „Von Anfang an war es für Kheireddin wichtig, mit seiner Kunst auch Kinder und Jugendliche zu erreichen“, erzählt Lothar Treder-Schmidt. Er schrieb Geschichten für Kinder und illustrierte sie. So wurden von ihm viele Kinder- und Bilderbücher in Syrien veröffentlicht.

Ab 2011 widmete er sich auch der Gestaltung von Skulpturen und auch dem Kunsthandwerk, bis er das Land verlassen musste. Ein Teil seiner Bilder konnte von Freunden ins Ausland gebracht werden, viele andere gingen verloren.

Im Jahr 2014 kam Kheireddin als Flüchtling alleine nach Deutschland, ein Jahr später konnte seine Frau mit den Kindern nachkommen. In Deutschland konnte er seine künstlerische Arbeit wieder aufnehmen. Von Februar 2015 bis März 2016 arbeitete er im Gastatelier des Kunstvereins Grafschaft Bentheim, danach in einem eigenen Atelier in Neuenhaus.

Im Juni stellte er zum ersten Mal in einer Berliner Galerie aus. Eine Auswahl seiner Werke sind im Patronatslogenanbau und der Zieckauer Dorfkirche zu sehen. Die Kunstausstellung kann täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Für den Aufschluss der Kirche werden Interessierte gebeten, sich an Familie Köckritz, Zieckau 34 (schräg gegenüber der Kirche) zu wenden. Telefonnummer: 035453 5244.