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| 13:27 Uhr

Spektrale 2018
Spektrale hat „Kultur im Gepäck“

Vor zwei Jahren errichtete Andrea Juliette Grote im Innenhof zwischen Kulturkirche und ehemaligem Hafthaus ihre Glasinstallation.Auch in diesem Jahr sollen zur Spektrale wieder Grünflächen genutzt werden.
Vor zwei Jahren errichtete Andrea Juliette Grote im Innenhof zwischen Kulturkirche und ehemaligem Hafthaus ihre Glasinstallation.Auch in diesem Jahr sollen zur Spektrale wieder Grünflächen genutzt werden. FOTO: Keilbach
Luckau. Zum 8. Mal in Folge veranstaltet der Landkreis Dahme-Spreewald im kommenden Jahr die Kunstausstellung Spektrale in Luckau.

Zum ersten Mal wird es zur Spektrale in Luckau, die im kommenden Jahr vom 26. Mai bis 16. September stattfinden wird, insgesamt vier Teilprojekte geben, kündigt Kreissprecherin Heidrun Schaaf an. Dazu zählen neben der eigentlichen Kunstausstellung der „Creativstandort“ Luckau, ein Kinderprojekt sowie eine kulturgeschichtliche Ausstellung. „Kultur im Gepäck“ lautet das Motto, bei dem es hauptsächlich um kulturelle Einflüsse geht, die im 16. und 17. Jahrhundert von Kaufleuten oder Glaubensflüchtlingen aus aller Herren Länder nach Brandenburg gebracht wurden. Als prosperierende Handelsstadt und einstige Hauptstadt der Niederlausitz kann Luckau auf eine jahrhundertealte Tradition verweisen. Da die Satdt im Schnittpunkt mehrerer Handelsstraßen gelegen war, bereicherten unterschiedliche Kulturen die Region. Wie in kaum einer anderen Kleinstadt in der Niederlausitz sind die Einflüsse der Baukultur noch heute präsent. Auch heute noch strömen verschiedene Einflüsse in die Stadt ein. In diesem Zusammenhang wird es zur Spektrale mehrere Dialog-Foren in der Kulturkirche geben, in denen es vorrangig um Fragen der Migration und die damit verbundenen Kulturtransfers gehen wird.

Für die Kunstausstellung werden sich zehn Künstler vor Ort mit den Zeugnissen historischer Kulturtransfers auseinandersetzen. Verbunden mit der Vorstellung einer hintergründigen Auseinandersetzung mit dem Erbe, gilt es, in künstlerischen Aktionen diese Geschichten neu zu erzählen und für aktuelle Debatten fruchtbar zu machen. Neu ist dabei, dass die Objekte und Installationen im Stadtraum – hauptsächlich auf den Grünflächen zwischen Stadtmauer und Stadtgraben – aufgestellt werden. Bei dem in enger Kooperation mit der Stadt Luckau gestalteten Kunstfestival wird es zur Eröffnung am 26. Mai 2018 auch wieder einen Kunstpreis geben. 

Junge Künstler, Studenten und Meisterschüler der Kunstakademien in Berlin, Dresden und Halle/Saale werden ein „Creativquartier“ in Luckau beziehen. Drei Monate lang sollen sie mit ihrer Arbeit in einer Art Feldversuch das kulturelle Klima der Stadt bereichern. Leerstehende Einzelhandelsgeschäfte sollen durch künstlerische Präsentationen und Veranstaltungen mit neuem Leben erfüllt werden. „Artist in Residence“ (ein am Ort wohnender Künstler) könnte, so die Organisatoren, zu einem wichtigen Entwicklungsimpuls des  zukünftigen „Creativquartier Luckau“ werden.

Mit einem Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Dahme-Spreewald und der Luckauer Grundschule „Rosa Luxemburg“ wird für irakische, syrische und deutsche Teilnehmer aus den vierten bis sechsten Klassen eine Plattform der Begegnung geschaffen werden. Unter dem Motto „Mein Bild. Dein Bild. Unser Bild!“ können die Kinder in der Glaskunst-Werkstatt von Beate Bolender in Kasel-Golzig über den Zeitraum von drei Wochen verschiedene Experimente mit dem Werkstoff Glas ausprobieren. Die Kinder arbeiten im Sinne von Teamgeist statt Konkurrenz. So sollen sie neue gestalterische, aber auch soziale Kompetenzen erlernen. Ziel des Projektes ist es, die kulturellen Besonderheiten des Anderen kennen- und verstehen zu lernen.

Im vergangenen Jahre drehte sich künstlerisch alles um Werkzeuge.
Im vergangenen Jahre drehte sich künstlerisch alles um Werkzeuge. FOTO: Ingvil Schirling

Das Ausstellungsprojekt im innerstädtischen Leerstand stellt eine Hommage an den 1782 in Beesdau, südwestlich von Luckau, geborenen Landwirtschaftsreformer Johann Gottlieb Koppe dar. Als Agronom nach englischem Vorbild wurde Koppe über die Grenzen Brandenburgs berühmt. Seit 1811 war er Lehrer in der agrarwissenschaftlichen Lehranstalt in Möglin (Oderbruch) bei Albrecht Daniel Thaer, dem Begründer der modernen Agrarwissenschaft. In den 1830er-Jahren stellte Koppe die bis dahin gültige Dreifelderwirtschaft auf Schlag- und Fruchtwechsel um. Seine Publikation „Anleitung zur Kenntnis, Zucht und Pflege der Merinos, zur Wäsche und Schur der Schafe, zur Beurteilung deren Wolle und zur Vorbeugung und Heilung deren Krankheiten“ ist 1827 erschienen und ins Polnische und Russische übersetzt worden. Dies veranlasste die Moskauer landwirtschaftliche Gesellschaft, ihn als Ehrenmitglied aufzunehmen.

(abh)