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| 19:15 Uhr

Kunstausstellung
Spektrale erweitert ihr Spektrum

Nahe historischen Luckauer Gebäuden wie dem ehemaligen Gefängnis, heute Cartoonmuseum und Kreisarchiv, und der Kulturkirche sollen die Arbeiten der zehn Künstler für die Spektrale 8 zu sehen sein. Das Thema wird vielseitig und mit einer überraschenden Wendung beleuchtet.
Nahe historischen Luckauer Gebäuden wie dem ehemaligen Gefängnis, heute Cartoonmuseum und Kreisarchiv, und der Kulturkirche sollen die Arbeiten der zehn Künstler für die Spektrale 8 zu sehen sein. Das Thema wird vielseitig und mit einer überraschenden Wendung beleuchtet. FOTO: Carmen Berg
Luckau. Zehn Künstler, sieben Läden, drei Meisterschüler und ein Schafzucht-Pionier bei der Kunstausstellung „Kultur im Gepäck“ ab Mai in Luckau. Von Ingvil Schirling

Unter dem Titel „Kultur im Gepäck“ bringt die Ausstellung „Spektrale“ des Landkreises Dahme-Spreewald ab 27. Mai zum achten Mal preisverdächtige Kunst nach Luckau. Diesmal mit einem deutlich breiteren Spektrum als bisher. Neben den Arbeiten von zehn Künstlern, die unter freiem Himmel zwischen Stadtmauer und Stadtgraben im Bereich der Kulturkirche und am ehemaligem Gefängnis zu sehen sein werden, wird das Thema auf vier weitere Arten beleuchtet – wie durch ein Prisma, das die Betrachtung in verschiedenen Lichtbrechungen und Farben ermöglicht. Ein Überblick.

Die zehn Künstler stehen inzwischen fest, und von ihren Werken gibt es konkrete Vorstellungen. Luckau als alte Handelsstadt ist das Oberthema, unter dem die verschiedenen Aspekte eingeordnet sind: Was brachten italienische Handwerker mit, was hinterließen sie? Was nahmen sich die Luckauer von den neuen Einflüssen an, wie profitierten sie von den Beziehungen mit Durchreisenden? Und vor allem: „Wie kann man solche Transfers für die heutige Zeit nutzbar machen?“, bringt es Kurator Herbert Schirmer auf den Punkt.

Dazu passend hat beispielsweise die Berliner Künstlerin Sabine Fassl ein Porzellanprojekt vor. Geplant ist, dass sie Bäume bis zur halben Stammhöhe dramaturgisch wirkungsvoll mit Porzellan bekleidet. Steffen Mertens aus Neuhausen/Spree wird Luckau als Knotenpunkt wichtiger Handelsrouten mit einem Pferdewagen symbolisieren. Jochen Schamal aus Gussow in Dahme-Spreewald widmet sich dem digitalen Zeitalter und den heutigen Möglichkeiten blitzartiger Transfers. Mahamad Said Baalbaki aus Beirut, in Berlin lebend, wird sich mit Wörtern arabischen Ursprungs in der deutschen Sprache beschäftigen - zum Beispiel „Zucker“. Die Veränderung von Alltagsobjekten ist Thema weiterer Künstler wie Lutz Friedel aus Schönholz bei Rhinow, Alice Bahra, Reiner Sperl und Chris Hinze aus Potsdam, Arne Kalkbrenner aus der Nordwestuckermark sowie Andreas Theurer aus der Ateliergemeinschaft Töpchin.

Der zweite Farbstrahl des Prismas, durch das die Spektrale das Thema kulturelle Veränderung durch Handel und Wanderungsbewegungen beleuchtet, heißt „Creativquartier“. In sieben momentan leerstehenden Geschäften werden drei Meisterschüler aus Dresden und vier weitere aus Berlin im Wortsinne ihr Quartier beziehen, um dort kreativ zu werden.

Eine davon ist Arina Essipowitsch aus Minsk, informiert Kurator Herbert Schirmer. Die junge Frau studierte in Leipzig, ehe sie Meisterschülerin in Dresden wurde.

Im Jahr 2015 startete sie in Marseille (Frankreich) ein Fotoprojekt mit jungen Arabern der dritten Generation, „die genauso wenig als angekommen gelten wie ihre Vorfahren“, sagt Herbert Schirmer. „Das war schwierig für sie als junge Frau, aber sie hat das durchgezogen und ein gutes Ergebnis erreicht.“ Herausgearbeitet wurde die Selbstfindung der einzelnen Persönlichkeiten.

Die sieben jungen Künstler sollen kräftig Leben in die Luckauer Innenstadt bringen. Ihre Themen werden unter anderem Modedesign und visuelle Kommunikation sein. Das „Creativquartier“ beginnt mit Ende Juni etwas später als die Spektrale. Bis Ende September soll damit die Attraktivität der Luckauer City gesteigert werden. Gleichzeitig erhalten die jungen Künstler mit 500 Euro im Monat über den Sommer ein festes Zubrot und können sich live und in Farbe ausprobieren. Gefördert wird speziell dieser Aspekt der achten Spektrale von Kulturland Brandenburg, der Stiftung Dahme-Spreewald der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und dem Landkreis.

Das ganze Spektrum von damaligen und heutigen Veränderungen in all ihren schillernden Farben bekommt in einem weiteren Aspekt einen überraschenden Dreh – durch einen Landwirt, genauer gesagt: einen Schafkundigen. Zu drei sehr bekannten Landwirtschaftsreformern gehört der Beesdauer (bei Luckau) Johann Gottlieb Koppe, dem eine Ausstellung im Rahmen der Spektrale gewidmet ist. Er war viel mit dem bekannteren Albrecht Daniel Thaer unterwegs, der als Begründer der modernen Agrarwissenschaft gilt. „Wir wollen den Scheinwerfer auf Koppe richten, der bisher immer etwas im Schatten von Thaer stand“, begründet Kurator Herbert Schirmer. Zum Dreigestirn der Landwirtschaftsreformer gehört auch eine Frau: Helene Charlotte von Lestwitz, besser bekannt als Frau von Friedland, die bei Kunersdorf eine Musterwirtschaft schuf, die später von ihrer Tochter weitergeführt wurde.

Der gebürtige Beesdauer Koppe trug mit seinen Ideen stark zur Veränderung der Landwirtschaft in Europa bei. Das Ausstellungsprojekt startet im Rathaus und soll danach auf Wanderschaft gehen. Begleitet wird es von einem Wettbewerb unter Luckauer Schülern und Veranstaltungen.

Zwei weitere Lichtstrahlen fügen die Kinder- und Jugendprojekte dem breiten Spektrale-Prisma hinzu. Arina Essipowitsch will analog zu ihrem früheren Fotoprojekt geflüchtete Jugendliche aus Dahme-Spreewald porträtieren.

Unter dem Titel „Mein Bild, dein Bild – unser Bild!“ startet darüber hinaus ein Gemeinschaftsprojekt mit der Glaskünstlerin Beate Bolender aus Kasel-Golzig und Gerlinde Sander von der Rosa-Luxemburg-Grundschule in Luckau. Es soll eine Plattform der Begegnung und ein kreatives Miteinander von afghanischen, syrischen und deutschen Teilnehmern werden.