ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:18 Uhr

Reformationsjubiläum
Mit Luther in einer Reihe stehen

Nach dem Gottesdienst brachte ein Theaterstück in mehreren Szenen nahe, wie und warum sich Luther gegen den Ablasshandel wandte. In der Szene auf dem Marktplatz jagten die Bürger Wittenbergs den Mönch und Ablassverkäufer Johann Tetzel aus der Stadt.
Nach dem Gottesdienst brachte ein Theaterstück in mehreren Szenen nahe, wie und warum sich Luther gegen den Ablasshandel wandte. In der Szene auf dem Marktplatz jagten die Bürger Wittenbergs den Mönch und Ablassverkäufer Johann Tetzel aus der Stadt. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Galerie der Pastorengemälde wurde zum Reformationsjubiläum in Luckauer Nikolaikirche feierlich enthüllt. Theaterstück gab Einblick in Luthers Kampf gegen Ablasshandel.

Mit einem regionalen Festgottesdienst haben die Pfarrgemeinden Luckau, Luckau-Land, Golßen und Langengrassau gestern das 500-jährige Jubiläum des historischen Thesenanschlags durch Martin Luther an der Wittenberger Stadtkirche begangen. Den musikalisch feierlichen Rahmen für die rund 700 Gottesdienstbesucher gestalteten Kantor Focko Hinken an der Orgel sowie der Kammerchor Cantemus und der Gießmannsdorfer Posaunenchor. Höhepunkt bildete die Enthüllung der historisch wertvollen Pastorengemälde im Altarumgang der Luckauer Nikolaikirche.

Dies verdeutliche, wie bedeutsam die Pfarrer für die Vorfahren gewesen seien, „die sich in eine Reihe stellten mit Martin Luther“, sagte Pfarrer Martin Meyer. Was dieses bedeutet, erläuterte er beispielhaft. So habe Johann Christian Adami ab 1715 in Luckau gewirkt. Und als Mitherausgeber des Niederlausitzschen Gesangsbuches habe er sich mit Luther in eine Reihe gestellt. „Er wusste, wie wichtig die Lieder für die Menschen sind, die Herz und Verstand gleichermaßen ansprechen.“ Denn erst durch die Reformation war den normalen Gottesdienstbesuchern das Singen im Gottesdienst erlaubt. Caspar Ludwig Graupner, ein Zeitgenosse Adamis, war als Inspektor für Kirchen und Schulen in Luckau zuständig und beförderte mit seinem Wirken die Bildung, „damit sich die Menschen ihres gottgegebenen Verstandes bedienen konnten“, erläuterte Pfarrer Meyer. Gottlob Friedrich Treitschke war ab 1754 Diakon und Hospitalprediger. Er habe den fürsorglichen Auftrag der Kirche, sich um die Armen und Kranken zu kümmern in Kontinuität fortgesetzt. Auch heute könne sich jeder Einzelne in eine Reihe mit Luther stellen, sich um Bedürftige kümmern, sich Wissen aneignen und eine eigene Meinung bilden, so wie es Luther vor 500 Jahren gefordert habe. Niemand schreibe den Christen heute vor, was sie zu glauben hätten, wie es die mittelalterliche Kirche getan habe, erinnerte der Pfarrer.

Nach dem Gottesdienst erlebten die Besucher wie bereits in den vergangenen Jahren bei einem Rundgang durch die Stadt Szenen aus dem Leben Luthers. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde, der Theaterloge Luckau und der Koblenzer Partnergemeinde führten es die Pfarrer Martin Meyer als Martin Luther, Pfarrer Frank Gehrmann als Johannes Bugenhagen sowie Pfarrer Martin Pietsch aus Koblenz als Philipp Melanchthon. Diesmal stand dessen Kampf gegen den Ablasshandel im Mittelpunkt. In die historische Figur des Jüterboger Mönchs Johann Tetzel war Hardy Schulze von der Theaterloge geschlüpft. Szene für Szene brachte das Theaterstück nahe, wie der Ablasshandel mit der Angst der Menschen spielte, um dem Papst den Bau des Petersdoms zu ermöglichen. Mit dem symbolischen Thesenanschlag an ein Türblatt fand das unterhaltsam-lehrreiche Schauspiel vor den Schlossberg-Gewölben seinen Abschluss. „Mir gefällt die Idee gut, denn es werden alle einbezogen. Es schauen viele zu, die sonst keinen Bezug zur Kirche haben“, resümierte Gertrud Rosenbaum aus Koblenz, die als Landfrau im Stück mitspielte. Gerd Tulke von der Luckauer Kirchengemeinde freut sich über „die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, von der Glockenreparatur bis zur Restaurierung der Pastorenbilder.“ Für Annalena Metzke war der Gottesdienst „mit den Chören sehr schön. Das war feierlich und hat gut gepasst“, sagte die Kreblitzerin.