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| 11:59 Uhr

Lesung
Liebeserklärung an Luckau

Larissa Tschetschekina-Koroljowa (l.) schaut sich Gedichtbände von ihr gemeinsam mit Heidi Trojca, Vize-Chefin der BO Die Linke in Luckau, an.
Larissa Tschetschekina-Koroljowa (l.) schaut sich Gedichtbände von ihr gemeinsam mit Heidi Trojca, Vize-Chefin der BO Die Linke in Luckau, an. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Von Andreas Staindl

Larissa Tschetschekina-Koroljowa merkt man ihr Alter nicht unbedingt an. Sie scheint voller Energie, wenn sie über sich, ihre Familie und politische Zusammenhänge spricht. Sie wird auch nicht müde, Fragen ausgiebig zu beantworten.

Selbstverständlich ist das nicht. Larissa Tschetschekina-Koroljowa ist fast 80 Jahre alt, feiert im Frühjahr des nächsten Jahrs ihren runden Geburtstag. Jetzt war die Dichterin und frühere Lehrerin aus Moskau in Luckau zu Gast. Eine Woche lang weilte sie in der Berstestadt. Kein Zufall. Ihr Vater Fjodor Wassilljewitsch Tschetschekin ist in Luckau beerdigt. Sein Grab befindet sich auf dem Gedenkfriedhof für die Gefallenen der Sowjetarmee. Die Tochter hat es besucht. Und sie stellte sich einer von der Basisorganisation (BO) der Partei Die Linke in Luckau initiierten Gesprächsrunde. Das Interesse daran war überschaubar. Doch das, was die fast 80-jährige Moskauerin zu erzählen hatte, war durchaus interessant.

Das Schreiben wurde ihr offensichtlich schon in die Wiege gelegt. Mit zehn Jahren habe sie ihr erstes Gedicht veröffentlicht. Werke von ihr seien auch in der russischen Tageszeitung „Prawda“ erschienen-„nicht selbstverständlich“, wie sie sagt. Larissa Tschetschekina-Koroljowa habe etwa Tausend Gedichte geschrieben und mehrere Gedichtbände veröffentlicht. In ihrer Heimat, so erzählt die Seniorin, ist sie eine anerkannte Dichterin: „Ich bin in Moskau bekannt.“

Sie schreibt noch immer, hat einige ihrer aktuellen Zeilen der Stadt Luckau gewidmet. Das Gedicht hat sie während der Gesprächsrunde  auf Russisch vorgetragen. Rüdiger Lorenz, der früher unter anderem Russisch am Gymnasium in Luckau unterrichtet hatte, übersetzte. Ihm zufolge beschreibt das Gedicht die Schönheiten von Luckau. Es ist so etwas wie eine Liebeserklärung an den Ort, wo ihr Vater begraben ist.

Fjodor Wassilljewitsch Tschetschekin, Jahrgang 1910, war Gardemajor und Stellvertreter des Politkommandeurs der Einheit der Sowjetarmee. Er ist an seinen im Kampf um Berlin erlittenen Verwundungen am 3 .Mai 1945 in Golßen (Unterspreewald) verstorben. Seine Tochter Larissa hatte das Grab ihres Vaters lange Zeit gesucht und mithilfe des Deutschen Kreuzes und verschiedener Behörden endlich gefunden.

Am 9. Mai 1970 stand sie zum ersten Mal vor der Grabstätte in Luckau. Seitdem hat sie ihren Vater schon mehrmals besucht. Auch einen Schüleraustausch zwischen der Polytechnischen Oberschule (POS) in Luckau und der Schule in Wjasuiki, wo die Familie während des Kriegs lebte, gab es. Der Kontakt ist längst eingeschlafen, doch nicht der zu Luckauer Familien.

Die Moskauerin ist auch in ihrer Heimat noch immer sehr aktiv, engagiert sich etwa im Moskauer Komitee der Veteranen des Großen Vaterländischen Kriegs. Sie betreut Kriegsveteranen, arbeitet mit Schüler- und Jugendgruppen, bringt beide zusammen. Und sie ist politisch sehr interessiert.

Die Seniorin bricht eine Lanze für Wladimir Putin, den sie anders erlebe, als vom Westen oft wahrgenommen und eingestuft. Sie habe dem Präsidenten Russlands sogar ein Gedicht gewidmet, ihn einige Mal auch persönlich um einen Gefallen gebeten. Enttäuscht worden sei sie von ihm nie. Auch über Josef Stalin, dem sowjetischen Diktator, vermeidet sie negative Worte.

Larissa Tschetschekina-Koroljowa bleibt ihrer Familiengeschichte treu. Ihr Mann war Offizier der Roten Armee und mehrere Jahre lang in der DDR stationiert, ihr Bruder Alexander Oberst der Sowjetarmee; er hatte ebenfalls in der DDR gedient. Jetzt freute sich die Moskauerin, „wieder bei Freunden zu sein“. Sie lud Teilnehmer der Gesprächsrunde in Luckau zur Auszeichnungsveranstaltung „Held der Arbeit“ im Dezember dieses Jahrs in der russischen Hauptstadt ein. Putin hatte den „Kampftitel“ der Sowjetunion 1991 wieder aufleben lassen.