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Neue Ausstellung
Erzieher in NVA-Uniform auf 20 Tafeln in Luckau

Die Sonderausstellung „NVA-Soldaten hinter Gittern“ wurde am Sonntag im Niederlausitz-Museum in Luckau eröffnet.
Die Sonderausstellung „NVA-Soldaten hinter Gittern“ wurde am Sonntag im Niederlausitz-Museum in Luckau eröffnet. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Die neue Ausstellung in Luckau zeigt Hintergründe des Militärgefängnisses in Schwedt. Bis zu 6500 Gefangene hat es dort gegeben.

Der Armeeknast in Schwedt (Uckermark) war tabu. Wer dort inhaftiert war, dürfte nicht darüber reden. Und doch wusste jeder Soldat in der DDR von der Existenz des Militärgefängnisses in Schwedt. Bis zu 6500 Gefangene waren laut Schätzungen zwischen 1968 und 1990 dort eingesperrt.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Akten, die Aufklärung bringen könnten, sind verschwunden. Rüdiger Wenzke geht davon aus, „dass sie vernichtet wurden“. Der wissenschaftliche Direktor des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr sowie Projektleiter der Militärgeschichte der DDR hat zur Ausstellungseröffnung auf das Thema „Armeeknast in Schwedt“ neugierig gemacht. Er führte die etwa 25 Besucher in die Sonderausstellung „NVA-Soldaten hinter Gittern“ im Niederlausitz-Museum in der Luckauer Kulturkirche ein.

Auf 20 Schautafeln gibt es Informationen über das Militär im Sozialismus allgemein, die Nationale Volksarmee (NVA), die Militärjustiz und den militärischen Strafvollzug als Teile des Repressionsapparates in der DDR sowie über die geschichtliche Entwicklung des ehemaligen Objekts der NVA. Der Alltag der Militärgefangenen  und Strafarrestanten wurde ebenso untersucht wie die Strukturen im Armeeknast in Schwedt.

Die Ausstellung gibt Einblick in eine Welt, die betroffen, aber auch nachdenklich macht. Die inhaftierten Angehörigen der NVA mussten einen harten Alltag über sich ergehen lassen. Militärischer Drill, Politunterricht und schwere Arbeit sollten sie zu besseren Menschen machen. Die Bediensteten der Disziplinareinheit hatten sich als Erzieher in NVA-Uniform verstanden. Wer als Soldat in Schwedt einsaß, blieb Soldat, kehrte meist sogar in seine alte Einheit zurück, musste die Haftzeit dann allerdings nachdienen.

Die Haftdauer war seit 1982 auf zwei Jahre beschränkt. „Schwere Jungs saßen also nicht in Schwedt“, erklärt Rüdiger Wenzke. „Auch Offiziere wurden nicht in den Armeeknast eingesperrt, sondern nur Soldaten und Unteroffiziere, und das mit und ohne Gerichtsurteil.“

Schon wer etwa einen Befehl verweigerte, Vorgesetzte beleidigte und sich unerlaubt von der Truppe entfernte, ist in Schwedt gelandet. Auch Alkoholmissbrauch gehörte zu den Vergehen, für die Soldaten in den Armeeknast gesteckt wurden. „Die Einrichtung in Schwedt sollte abschrecken“, sagt Rüdiger Wenzke. „Sie steht für Willkür und Unterdrückung im Militär. Das Thema Armeeknast ist längst noch nicht aufgearbeitet. Es gibt noch viel zu tun.“

Das System Schwedt bestand aus Bespitzeln, „Rotlichtbestrahlung“, Schuften und Schleifen. Durch Texte, Bilder und Filmmaterial bekommt der Militärknast der DDR ein Gesicht. Seit knapp zehn Jahren wird die Geschichte der Einrichtung wissenschaftlich aufgearbeitet.

Die besondere Herausforderung: Die Akten von Schwedt fehlen bis heute wie Rüdiger Wenzke sagt: „Sie sollten nach Strasburg gebracht werden, sind dort aber nie angekommen. Es ist wie ein Krimi.“