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| 15:30 Uhr

Hochzeitsreise im Tierreich
Kröte, Frosch und Molch heiraten

Naturwächterin Monika Gierach zeigt einen Kammmolch, der zu den geschützten Arten zählt. Er hat im Fauna-Flora Habitat Bornsdorfer Teichgebiet seinen natürlichen Lebensraum.
Naturwächterin Monika Gierach zeigt einen Kammmolch, der zu den geschützten Arten zählt. Er hat im Fauna-Flora Habitat Bornsdorfer Teichgebiet seinen natürlichen Lebensraum. FOTO: Birgit Keilbach
Bornsdorf. Amphibienwanderung ist jetzt in vollem Gange. Schutzzaun sorgt für sichere Straßenquerung. Von Birgit Keilbach

Endlich Frühling! Darauf haben auch die Frösche, Molche und Kröten schon lange gewartet. Nach Ostern war es endlich soweit. Vor allem die Erdkröten machten sich gleich am ersten warmen Abend auf den Weg zu den Laichgewässern. Diese befinden sich zwischen Riedebeck und Bornsdorf auf der anderen Seite der Bundesstraße 96. Damit die Tiere nicht überfahren werden, haben die Naturwächter des Naturparks Niederlausitzer Landrücken wie in jedem Jahr den rund 400 Meter langen Krötenschutzzaun in der Kurve aufgestellt. 25 Eimer sind in Abständen daran in die Erde eingegraben. Sie halten die Tiere auf.

Schon in den ersten Eimern an der Strecke haben sich während der Nacht ziemlich viele Tiere gesammelt. Überwiegend Erdkröten sind es. Naturwächterin Monika Gierach nimmt sie paarweise aus dem Fangeimer und zählt: „Eins, eins, Zwei, zwei, Drei, drei. 0, 1 steht für ein Weibchen und 1 für ein Männchen“, erläutert sie die Zählweise. Als der Eimer leer ist, steht in ihrem Buch 7,11. Diese Zahl entspricht 18 Erdkröten, die sich eingefunden hatten.

„Viele Männchen haben die Chance im Eimer genutzt und sich gleich ein Weibchen gesucht“, erklärt die Naturwächterin, wieso viele der größeren weiblichen Kröten eine kleinere männliche Huckepack tragen. 25 Eimer leert sie an diesem Vormittag. Neben Erdkröten haben sich darin auch die in ihrem Bestand gefährdeten Kammmolche sowie Teichmolche, Teichfrösche und Knoblauchkröten eingefunden. Darunter auch eine Reihe von Jungtieren, sichtbares Zeichen für die erfolgreiche Reproduktion der verschiedenen Arten. Alle werden nacheinander aus den Eimern genommen, registriert und in den Transporteimer gesetzt. Dreimal überquert die Naturwacht-Rangerin die Straße, um die Amphibien nah am Gewässer ins Laub zu setzen. Einige streben mit flotten Sprüngen sofort dem Wasser zu. Andere lassen es gemächlicher angehen. In ihrer natürlichen Umgebung sind sie kaum noch vom Laub zu unterscheiden.

Die Amphibien tragen dazu bei, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. „Sie produzieren eine große Menge an Laich. Davon werden im Frühjahr ganz viele andere Arten satt“, sagt Monika Gierach. Darüber hinaus halten die Tiere Schädlinge im Zaum.

Seit 1981 betreut sie den Amphibienzaun an der Straße zwischen Riedebeck und Bornsdorf. Er wurde damals vom Luckauer Biologischen Arbeitskreis „Alwin Arndt“ aufgestellt, ein Novum in der damaligen DDR. Seitdem zeigt eine Statistik die Schwankungen der Population auf. So wurden 1981 am Krötenschutzzaun am Bornsdorfer Teichgebiet über 2700 Tiere gezählt. Mit über 4500 Fröschen, Kröten und Molchen war 1988 das Jahr mit der bisher höchsten Population. Danach trocknete das Gebiet durch die starke Grundwasserabsenkung für den Tagebau Schlabendorf immer mehr aus. Die Folge: 1993 sank die Zahl der Tiere auf 121.

Mit dem Ende des Kohleabbaus erholte sich die Population, doch der Grundwasseranstieg brachte eine neue Problematik mit sich. Die zu den Teichen führenden Gräben trugen saures Grundwasser ein. „Darin ist jedoch der Amphibiennachwuchs nicht lebensfähig“, erklärt die Naturwacht-Rangerin. Viele tote Tiere holten die Naturwächter 2007 aus den Eimern. Erst eine Sanierung der Teiche habe die Situation verbessert.