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| 17:47 Uhr

Nach Recherchen in historischen Akten
Kritik zu Holland nicht bestätigt

 Das Grab des ehemaligen Luckauer Bürgermeisters Karl Holland wurde von der Luckauer SPD hergerichtet und wird regelmäßig gepflegt. Ob es als Ehrengrab umgewidmet wird, ist weiterhin fraglich.
Das Grab des ehemaligen Luckauer Bürgermeisters Karl Holland wurde von der Luckauer SPD hergerichtet und wird regelmäßig gepflegt. Ob es als Ehrengrab umgewidmet wird, ist weiterhin fraglich. FOTO: LR / Anja Brautschek
Luckau. Für die Vorwürfe, dass sich der SPD-Ortsverbandsgründer Karl Holland an Kunst bereichert haben könnte, gibt es bislang keine Beweise. Eine Umwidmung zum Ehrengrab ist dennoch offen. Von Andreas Staindl

Die Grabstätte von Karl und Margarete Holland in Luckau könnte doch als Ehrengrab gewidmet und eingetragen werden. Eine Prüfung der kritischen Überlieferungen hat bisher keine Erkenntnisse gebracht, die dagegen sprechen würden; sie wurden nicht bestätigt. Was genau zu der jetzigen Einschätzung führt, darüber wurden die Mitglieder des Luckauer Hauptausschusses während ihrer Sitzung am Montagabend informiert.

Wie nun mit dem Antrag der SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung umgegangen wird, ist offen. Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) hat eine entsprechende Prüfung des weiteren Verfahrens angekündigt.

Zur Erinnerung: Die SPD-Fraktion hatte am 12. Juni des vergangenen Jahres den Antrag gestellt, die Grabstätte von Karl und Margarete Holland auf dem neuen Friedhof in Luckau als Ehrengrab zu widmen und einzutragen (die RUNDSCHAU berichtete). Während der Stadtverordnetensitzung 14 Tage später wurden jedoch kritische Äußerungen aufgrund von Überlieferungen zu Karl Holland erhoben. Die Verwaltung wurde beauftragt zu klären, ob durch Karl Holland oder mit seinem Wissen und seiner Zustimmung Kunstwerke aus Privathaushalten in Luckau für die sowjetische Kommandantur 1945/46 beschlagnahmt wurden. Holland war damals Bürgermeister der Kleinstadt.

Zur Klärung der Frage wurden bekannte Akten aus der erwähnten Zeit gesichtet und auf Hinweise zu den genannten Vorgängen untersucht. Der Stadtverwaltung zufolge handelt es sich um Dokumente aus dem Niederlausitz-Museum in Luckau und dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam. Hinweise für die Bestätigung der kritischen Äußerungen seien nicht gefunden worden. Im Kreisarchiv des Landkreises Dahme-Spreewald gebe es keine Akten, die für die Recherche von Interesse wären.

Die Stadtverwaltung informiert zudem darüber, dass Dokumente und Akten aus der direkten Nachkriegszeit für Luckau nur sehr fragmentarisch erhalten sind. Die aufgefundenen und bekannten Dokumente würden nur einen unvollständigen Einblick in die Vorgänge jener Zeit geben. Es sei zudem fraglich, ob Vorgänge wie die genannten schriftlich festgehalten wurden und jedes Schriftstück dauerhaft aufbewahrt wurde. Es sei nicht auszuschließen, dass noch weitere Akten existieren. Um diese ausfindig zu machen, seien jedoch ein weit größerer Aufwand und eine noch längere Forschungszeit nötig.

Die bisherige Recherche der Akten habe jedoch deutlich gemacht, dass die Beziehung von Karl Holland zur sowjetischen Kommandantur von Spannungen geprägt war. Er wurde 1946 aus dem Amt entfernt. Die Begründung, dass er die Zusammenarbeit mit der Kommandantur ablehne, keinen Kontakt zu den antifaschistischen Parteien pflege und ehemalige Mitglieder der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) begünstige, hat für den Stadtverordneten Thomas Brokmeier (Luckau Land/Grüne) „ein Geschmäckle“.

Vermutet wird laut Verwaltung allerdings, dass die Begründung auch dazu gedient habe, um einen unliebsamen Sozialdemokraten aus dem Amt zu entfernen und durch einen Kommunisten zu ersetzen. Verstärkt wird diese Vermutung durch Karl Holland Junior. Er erinnert sich daran, dass sein Vater den ständigen Ärger mit der Kommandantur leid war.

Karl Holland Senior (1884-1963) war bis 1933 Stadtverordneter und Beigeordneter. Er wurde von der sowjetischen Kommandantur 1945 als Bürgermeister in Luckau eingesetzt, war zudem 1945/46 Landrat. Die SPD-Faktion hält ihn für eine bedeutende Persönlichkeit in Luckau (die RUNDSCHAU berichtete). Dass die Altstadt der Kleinstadt am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört wurde, sei auch Hollands Verdienst. Ob die Grabstätte von ihm und seiner Frau ein Ehrengrab wird, ist weiterhin offen. „Wir prüfen, wie wir mit dem Antrag der SPD-Fraktion weiter verfahren“, sagt Gerald Lehmann.

 Das Grab des ehemaligen Luckauer Bürgermeisters Karl Holland wurde von der Luckauer SPD hergerichtet und wird regelmäßig gepflegt. Ab es als Ehrengrab umgewidmet wird, ist weiterhin fraglich.
Das Grab des ehemaligen Luckauer Bürgermeisters Karl Holland wurde von der Luckauer SPD hergerichtet und wird regelmäßig gepflegt. Ab es als Ehrengrab umgewidmet wird, ist weiterhin fraglich. FOTO: LR / Anja Brautschek