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Kritik per Mausklick willkommen

Von Maerker. de überzeugt: Der Luckauer Ordnungsamtschef Thomas Schäfer sagt: Für die Leute wird es einfacher, mit dem Rathaus in Kontakt zu treten.
Von Maerker. de überzeugt: Der Luckauer Ordnungsamtschef Thomas Schäfer sagt: Für die Leute wird es einfacher, mit dem Rathaus in Kontakt zu treten. FOTO: be
Luckau. Illegaler Müll. Schlaglöcher. Auf dem Online-Portal Maerker können Bürger den Verwaltungen schnelle Hinweise geben. Immer mehr Spreewald-Kommunen bieten den Service an. Carmen Berg

Meckern per Mausklick. Bereits in 98 Brandenburger Kommunen können Bürger über das Online-Portal "Maerker" Missstände in der Infrastruktur wie defekte Straßenlampen, gefährliche Schlaglöcher oder illegalen Müll melden. Damit beteiligt sich fast die Hälfte der Brandenburger Kommunen an dem kostenlosen Portal, das 2009 vom Innenministerium und dem Städte- und Gemeindebund ins Leben gerufen wurde. Die ursprüngliche Idee sei aus England gekommen, erinnert sich Ortwin Böckmann, Leiter des Kommunalen Anwendungszentrums, des brandenburgischen IT-Dienstleisters. Bei den Briten sei es darum gegangen, Straßenschäden zur Warnung anderer ins Netz zu stellen. In Brandenburg ist das anders: Hinweise auf der Plattform werden von den Maerker-Redakteuren der Verwaltungen an Fachabteilungen weitergeleitet. "Alle beteiligten Kommunen verpflichten sich zur Veröffentlichung einer verbindlichen Antwort innerhalb von drei Arbeitstagen. Das ist eine besondere Qualität, die es anderswo bundesweit nicht gibt", erklärt Ortwin Böckmann. Eine Ampel zeigt den Sachstand: Rot steht für den Eingang der Post, Gelb für die Bearbeitungsphase, Grün für den Bescheid.

Rund 67 000 Hinweise sind laut Ministeriumssprecher Decker bisher eingegangen. "Maerker ist ein Erfolg, weil das System einfach anzuwenden ist und funktioniert", sagt er. Kommunen in Spreewald bestätigen diesen Eindruck.

"Früher mussten die Leute sich am Telefon oft erst zum richtigen Ansprechpartner durchfragen. Mit Maerker übernimmt das jetzt die Verwaltung für sie", sagt Thomas Schäfer, Leiter des Luckauer Ordnungs- und Bürgeramtes. Er engagiert sich dafür, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung noch viel stärker zu nutzen. "Davon profitieren beide Seiten. Für die Leute wird es einfacher, mit dem Rathaus in Kontakt zu treten. Die Verwaltung erfährt frühzeitig von Problemen, um die sie sich ohnehin kümmern müsste", sagt er.

Luckau nutzt das Serviceportal seit zwei Jahren. Seit vier Jahren bietet Vetschau diesen Dienst an. "Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht", sagt Rathaussprecher Steffen Römelt. Die Transparenz des Verfahrens schaffe Vertrauen bei den Bürgern. Befürchtungen, die Leute könnten das Angebot nutzen, um über alles Mögliche Frust abzulassen, seien unbegründet. "Die Hinweise, die ans Vetschauer Rathaus gehen, sind in der Regel sachlich", sagt er.

So ist es auch in Lübbenau, wie Stadtsprecherin Mandy Kunze berichtet. Nur sei es schade, wenn Meldungen anonym erfolgen. "So fehlt uns der Ansprechpartner für mögliche Rückfragen. Außerdem erhält jeder, der seine Mailadresse angibt, von uns persönlich einen Bescheid zu seiner Kritik", sagt sie.

Wie Ortwin Böckmann, der Leiter des Anwendungszentrums, erklärt, sei die Möglichkeit anonymer Hinweise eingeräumt worden, nachdem Nutzer Fake-Mailadressen verwendet hatten. Jedoch würde sich landesweit die große Mehrheit zu ihren Beanstandungen bekennen, zumal die Adressen nicht mit veröffentlicht werden.

"Bei Maerker kann jeder sehen, ob ein Nachbar das ärgerliche Schlagloch in seiner Straße womöglich schon gemeldet hat", nennt Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann einen weiteren Vorteil. Noch schneller geht dem Bürgermeister zufolge der Kontakt per Maerker-App, über die laut Ortwin Böckmann mittlerweile 20 Prozent der Hinweise landesweit eingehen. "Neben dem Fakt werden die Standort-Koordinaten übermittelt, und Fotos, beispielsweise vom wilden Müll, können direkt vom Handy übertragen werden", sagt Frank Deutschmann.

Stadtsprecherin Kunze erklärt, Lübbenau strebt eine Vernetzung der Maerker-App mit der Lübbenau-App an, die meist von Touristen genutzt werde. Denn auch die Hinweise von Gästen seien willkommen. Schließlich sollten sie sich in Lübbenau wohlfühlen und wiederkommen, sagt sie.

Kurz bevor steht die Inbetriebnahme von Maerker in der Gemeinde Märkische Heide, kündigt die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Magoltz an. 17 Ortsteile der Gemeinde erstrecken sich auf mehr als 200 Quadratkilometern. "Das Ordnungsamt kann nicht überall sein, um Mängel festzustellen. Deshalb sind wir froh, wenn die Bürger aktiv werden", sagt sie.

Und manchmal wird auf Maerker nicht gemeckert, sondern gelobt: So in Heideblick, wo Langengrassauer für eine neue Bank in ihrer Straße einfach mal Danke sagen.

Eine Übersichtskarte mit den Links zu den jeweiligen Portalen finden Sie auf:

www.lr-online.de/Luckau-Dahme

Zum Thema:
Bislang beschränkt sich das Portalangebot ausschließlich auf Mängel in der Infrastruktur. Doch testen laut Ministeriumssprecher Ingo Decker die drei Kommunen Rüdersdorf, Rathenow und Mittenwalde das seit dem 1. Mai bestehende Angebot Maerker-Plus. Hier können Anregungen und Beschwerden zu Themen unterbreitet werden, die über Infrastruktur-Missstände hinausgehen.