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| 18:01 Uhr

Hilfsfrist wird nicht eingehalten
Zehn Millionen Euro für neue Wachen

 Rettungswachen LDS
Rettungswachen LDS FOTO: LR / Katrin Janetzko
Dahme-Spreewald. Die Planungen des Landkreises liegen derzeit im Zeitplan. Der Start für erste Neubauten ist im März geplant. Die neuen Rettungswachen sollen Fristen bei den Hilfseinsätzen verkürzen. Von Anja Brautschek

Im Notfall ist schnelle Hilfe wichtig. Doch genau da liegt derzeit der Knackpunkt im Landkreis Dahme-Spreewald. In vielen Teilen des Gebietes können die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen nicht eingehalten werden. Aus diesem Grund baut der Landkreis das Netz an Rettungswachen weiter aus. Insgesamt sechs neue Wachen sollen in diesem und im kommenden Jahren neu gebaut werden. Insgesamt investiert der Landkreis für den Ausbau des Rettungsdienstes mehr als zehn Millionen Euro. Die Summe werde komplett aus Eigenmitteln gestemmt.

Im März dieses Jahres soll der Bau der neuen Rettungswache in Bindow (Gemeinde Heidesee) und Leibsch (Amt Unterspreewald) beginnen. „Der Landkreis hält an diesem Zeitplan weiter fest“, sagt Kreissprecher Bernhard Schulz auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Im kommenden Jahr folgen dann Neubauten in Walddrehna (Gemeinde Heideblick), Brand (Amt Schenkenländchen), Burglehn (Amt Lieberose/Oberspreewald) sowie Schulzendorf (Gemeinde Schulzendorf). Die Schwierigkeit daran: Der Landkreis verfügt über keine eigenen geeigneten Grundstücke zum Bau der neuen Wachen. Geeignete Standorte müssen daher zunächst gefunden und käuflich erworben werden. Für Bindow und Leibsch ist das mit einem notariellen Kaufvertrag bereits abgeschlossen. Auch in Walddrehna, Brand und Burglehn sind die Grundstücke laut Bernhard Schulz bereits festgelegt. Der Erwerb werde vom Landkreis aber erst abgeschlossen, wenn das Baurecht bestätigt ist. „Dies wird erst nach Vorlage der Baugenehmigung der Fall sein. Da die Planungen erst in diesem Jahr anlaufen, wird das noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, so der Kreissprecher.

Weiter sind die Arbeiten hingegen auf dem Gelände des Flughafens BER. Dort entsteht derzeit eine neue Rettungswache. Der Bau ist bereits auf der Zielgeraden und beinahe abgeschlossen. Die Fertigstellung ist für Februar angesetzt. Die BER-Rettungswache ist dabei an die besonderen Anforderungen des Flughafenbetriebes angepasst. Neben Rettungswagen sollen dort künftig auch ein Infektion-RTW, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie ein Fahrzeug für den organisatorischen Leiter untergebracht werden.

Ziel dieser Projekte ist es, die Fahrzeiten zu den Einsatzorten zu verkürzen. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist sieht vor, dass Sanitäter Einsatzorte, die an öffentlichen Straßen gelegen sind, in 95 Prozent aller Fälle innerhalb von 15 Minuten erreichen sollen. Diese Frist kann allerdings in vielen Teilen des Landkreises nicht eingehalten werden. Das zeigen entsprechende Statistiken, die der Landkreis in Zusammenarbeit mit der Regionalleitstelle Lausitz ausgewertet hat.

Von den aktuell zehn Rettungswachen des Landkreises konnten nur Königs Wusterhausen und Schulzendorf die Hilfsfristen wahren. Das wird anhand einer Statistik aus den Jahren 2016 und 2017 deutlich. Die Rettungswache Luckau hat demnach nur in maximal 86,97 Prozent der Einsätze die 15-Minuten-Grenze nicht überschritten. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in Lübben und Golßen ab. Dort konnte die Hilfsfrist nur in etwa 84 Prozent der Einsätze eingehalten werden. Noch dramatischer zeigt sich die Situation in Goyatz. Dort konnten 2017 nur maximal 58,45 Prozent der Einsätze innerhalb von 15 Minuten erreicht werden. „Das zuständige Fachamt hat ein Gutachten zur Überprüfung der Hilfsfristen in Auftrag gegeben. Daran ist erkennbar, dass die derzeitigen Rettungswachen nicht ausreichen, um im gesamten Landkreis die gesetzliche Hilfsfrist zu bedienen“, heißt es in der Begründung.

Das Fachamt rät außerdem zu einer schnellen Umsetzung der geplanten Projekte. Denn die Herausforderungen für den Rettungsdienst nehmen zu. Der Landkreis verzeichnet vor allem im Norden einen Zuwachs an Einwohnern. Damit steigt auch die Zahl der Einsätze. Mussten Sanitäter 2015 rund 34 000-mal ausrücken, waren es 2017 bereits 34 300 Einsatzfahrten. Zudem gibt es auch neue Anforderungen für die Qualitätssicherung.

Denn die geforderte Anzahl an Fortbildungsstunden hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls erhöht. Die etwa 200 Mitarbeiter im Landkreis müssen jährlich 32 Stunden absolvieren (zuvor 24 Fortbildungsstunden. Für den erhöhten Schulungsbedarf reicht der vorhandene Platz an Schulungsräumen jedoch nicht aus. Aus diesem Grund beabsichtigt der Landkreis perspektivisch auch, die Rettungswachen in Lübben und Königs Wusterhausen zu erweitern.

Eine entsprechende Machbarkeitsstudie für diese beiden Standorte liegt bereits vor und wurde mit dem zuständigen Ordnungsamt sowie der Johanniter-Unfall-Hilfe als Leistungserbringer abgestimmt. Wann die entsprechenden Konzepte umgesetzt werden können, sei derzeit nicht absehbar.

Gleichzeitig werden bei den Neubauten die Einfahrten für die neuen Rettungswachen größer gebaut, damit der Rettungsdienst flexibel Rettungsmittel wechseln kann, beispielsweise von Kastenwagen auf Koffer. Außerdem werden  weitere Rettungsmittel in den kommenden Monaten angeschafft. Geplant sind, bis Ende 2020 insgesamt sechs Rettungstransportwagen, drei Notarztfahrzeuge und einen Krankentransportwagen als Reservefahrzeug vorzuhalten.