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| 15:49 Uhr

LR vor Ort
Kreatives Leben in leeren Läden

Im ehemaligen Fotogeschäft Steinhagen am Markt gaben Arina Essipowitsch und Dominique Hille (3. und 4. v.r.) Einblick in ihre gemeinsame fotokünstlerische Arbeit.
Im ehemaligen Fotogeschäft Steinhagen am Markt gaben Arina Essipowitsch und Dominique Hille (3. und 4. v.r.) Einblick in ihre gemeinsame fotokünstlerische Arbeit. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Vier leerstehende Läden sind in Lucaku wieder zum Leben erwacht. Sieben Künstler nutzen sie als Ateliers auf Zeit.LR-Vor Ort besuchte junge Künstler in ihren zeitweiligen Ateliers in Luckaus Innenstadt.

Zunehmender Leerstand von Ladengeschäften ist ein Problem, dass auch die Luckauer Stadtväter umtreibt. Wie könnte hinter leeren Schaufenstern wieder Leben einziehen, das die attraktive historische Innenstadt für Einwohner und Besucher interessant macht? Ein außergewöhnliches Angebot dafür ist in diesen Wochen zu erleben.

Drei Monate lang wohnen und arbeiten junge Künstlerinnen und Künstler in Luckau. Ihre Ateliers befinden sich in leer stehenden Ladengeschäften. „CreativQuartier“ heißt das Pilotprojekt, das erstmals in Verbindung mit der Kunstausstellung „Spektrale 8“ in der Gartenstadt stattfindet. Wer sind die jungen Künstler und womit befassen sie sich? Antwort darauf gab am Donnerstagabend ein Rundgang, den die „Lausitzer Rundschau“ im Rahmen ihrer Aktion „Vor Ort“ organisiert hatte. 25 Interessierte begrüßte Rundschau-Reporterin Anja Brautschek auf dem Luckauer Markt.

Bereits 2016 waren während der „Spektrale 7“ einige der leeren Schaufenster Ausstellungsorte für Kunstwerke. „Daran knüpften wir an und entwickelten die Idee weiter“, erläuterte der stellvertretende Bürgermeister Thomas Rohr. In Kooperation mit dem Spektrale-Kurator Herbert Schirmer wurde das Programm „Artist in Residence“ aufgelegt, ergänzend zur Kunstausstellung. „Wir erhoffen uns davon, dass die Innenstadt damit auch für Touristen interessanter wird, weil sie spektakuläre Sachen sehen können“, sagte Thomas Rohr. Die Luckauer könnten mit den jungen Künstlern in ihren Ateliers ins Gespräch kommen.

Herbert Schirmer fand bei seinen Besuchen in den Kunsthochschulen in Berlin und Dresden offene Ohren. Die zum Schnuppern eingeladenen Künstler seien begeistert gewesen. „Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, das war zu spüren“, gab der Kurator seinen Eindruck wieder. Im Ergebnis hätten nun sieben Künstlerinnen und Künstler hier Quartier bezogen, Modedesigner, Fotografen, Maler und Grafiker sowie Objektgestalter.

Die Fotokünstlerinnen Arina Essipowitsch und Dominique Hille gaben im ehemaligen Fotogeschäft Steinhagen, Am Markt 16, Einblick in ihre fotografischen Kompositionen. Zwei Bildbände gestalteten sie bereits, in dem sie aus zwei eigenständigen Fotografien zu einem bestimmten Thema ein neues Bild schufen. „Durch das Verbinden entsteht ein drittes Bild und durch die Transparenz ein viertes“, erläuterte Arina Essipowitsch. „Wir wollen zeigen, wie man Aussagen von Fotografien verstärken kann“, ergänzte Dominique Hille. Beide wollen gern mit Luckauern ins Gespräch kommen und sind dankbar für Tipps zu Orten, an denen sich in und um Luckau interessante Motive bieten. Masahimo Suzuki will eine Objektinstallation an einem geeigneten Ort in Luckau schaffen. „Dieses Projekt möchte ich gemeinsam mit Ihnen entwickeln“, sprach er die Teilnehmer des Rundgangs an.

In der Langen Straße 37 empfing die Interessierten eine andere Arbeitsatmosphäre. Ein Schneidertisch ist dort aufgebaut, das Bügel-
eisen noch warm. Hier wird Mode gestaltet. Carine Kuntz stammt aus der Nähe von Strasbourg, studiert Modedesign und erarbeitet die Schnitte. Alexander Gaertner aus Aschersleben hat Textil- und Flächengestaltung studiert und entwickelt die Farben, Flächen und Muster. Für ihre gemeinsame Arbeit orientieren sie sich an arabischen Mustern, der Berbersprache sowie typischen Handarbeitstechniken dieser Region.

„Eine wirklich tolle Idee, mit der Luckau auf ganz besondere Weise belebt wird“, befand Petra Zittlau nach dem Rundgang. Besonders gefällt der Kunstlehrerin am Gymnasium die Möglichkeit, den Prozess mitgestalten zu können. „Das gibt wunderbare Anregungen für den Kunstunterricht, und ich kann mir gut vorstellen, dass einige Gymnasiasten diese Gelegenheit nutzen werden.“ Begeistert ist auch Helga Tucek von diesem Angebot in der Stadt. „Ich habe auch schon eine Idee, wie ich den Künstlern eine Beziehung zwischen ihrer Thematik und Luckau sowie der Region aufzeigen könnte.“ Bewundernswert sei, dass sich junge Leute auf das Wagnis einlassen, in der Öffentlichkeit zu arbeiten. Andererseits biete sich den Luckauern die Möglichkeit, Einblick zu erhalten, wie Kunst entsteht. Ursula Rothe wird dies nutzen. „Die Führung war toll und ich konnte Fragen stellen. Es ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Techniken und ich werde bestimmt öfters zu den Künstlern hineingehen“, ist sich die Luckauerin sicher.

Modesigner Raphael Jacobs (r.) möchte über Gespräche mehr das Konsumverhalten kennen lernen.
Modesigner Raphael Jacobs (r.) möchte über Gespräche mehr das Konsumverhalten kennen lernen. FOTO: LR / Anja Brautschek
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR