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Kreative Köpfe machen Kunst in Lübbenau

Lübbenau. So viele Künstler sind wohl nur selten in einem Raum versammelt, wie am Freitag im Kulturzentrum Gleis 3 in Lübbenau. Da saß Karikaturist Reinhard Alff, mit dem Zug angereist aus Dortmund, neben seinem Berufskollegen Lutz Richter, der mit seinem Auto aus Radebeul gekommen war. Daniel Preikschat

Die Bildhauer Dietrich Lusici aus dem Spreewald und Valeri Moscow aus Hof saßen sich gegenüber. Insgesamt rund 30 Kunstschaffende hatten Platz genommen, um von Queenie Nopper und Jürgen Othmer von der Lübbenaubrücke willkommen geheißen und mit den nötigen Informationen versorgt zu werden. Es wurden Schlüssel ausgehändigt für die Ferienwohnungen der Wohnungsunternehmen, die ersten Termine mitgeteilt, danach Kartoffelsuppe ausgegeben.

Schon bei diesem ersten Zusammentreffen konnten die Künstler miteinander ins Gespräch kommen. Fast alle von ihnen hatten in den vergangenen Jahren mindestens schon ein Mal teilgenommen an dem Open-Air-Atelier. Einzige Debütantin: Ilka Raupach aus Caputh. Karikaturist Reiner Ehrt hatte sie bei der Jury für eine Teilnahme ins Gespräch gebracht und sie dann gerne zugesagt, wie die Bildhauerin erklärt. Ganz gespannt sei sie auf den ersten Arbeitstag Samstag auf dem Kirchplatz. Noch am Nachmittag gehe es ja auf den Kirchplatz, wo jeder seinen Arbeitsplatz und - soweit es die Bildhauer betrifft -auch seinen Baumstamm kennenlernen konnte. Ika Raupach hat sich einen Eichenstamm mit vielen Astgabelungen ausgesucht. Ihre Idee ist, eine Art Siedlung aus dem Naturmaterial herauszuarbeiten.

Auch Dietrich Lusici hält es für wichtig, sich den Stamm genau anzusehen, sich von seiner Beschaffenheit anregen zu lassen und dem Holz nicht irgendeine Idee aufzudrücken, die nicht zu ihm passt. Jeder Bildhauer habe ja zuvor Fotos von den Stämmen zugesandt bekommen und konnte sich einen aussuchen. Mit ihren fünf, sechs Metern Länge bieten sie ausreichend Gestaltungsmöglichkeit.

Mit Stift und Skizzenblatt statt mit Motorsäge und Holzstamm arbeiten indes die Karikaturisten. Das diesjährige Spreewaldatelier-Motto "Lebensfreude" gebe viel zu denken, sagt Reinhard Alff: "Wir Karikaturisten werden ja eigentlich erst dann aktiv, wenn was im Argen liegt" Kollege Lutz Richter stimmt zu: "Wir üben Kritik und machen Stunk." Man könne sich aber behelfen und das Positiv-Motto Lebensfreude ins Gegenteil verkehren, also aufgreifen, was Lebensfreude verhindert.

Im Gespräch beider Karikaturisten zeigte sich, dass sie ganz unterschiedlich arbeiten. Bei Lutz Richter muss gleich die erste Skizze sitzen. Weitere Versuche bringen schlechtere Ergebnisse. Reinhard Alff hingegen braucht mehrere Anläufe, bis er halbwegs zufrieden ist. "Aber richtig zufrieden bin ich eigentlich nie." Was beide wiederum verbindet, ist, dass sie sich bei der Arbeit gern über die Schultern schauen und auch in Gespräche verwickeln lassen. Wobei Alff drei typische Fragen von Spreewaldatelier-Besuchern aufgefallen sind: Erstens: Woher haben Sie die Idee? Zweitens: "Kann man davon leben? Und drittens: Kann meine Tochter das auch mal probieren?

Zum Selbst-Mal-Ausprobieren sind Spreewaldatelier-Besucher kommende Woche in Lübbenau auch ausdrücklich eingeladen. Die Kreativschule für Holz- und Steinbildhauerei hat täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet auf dem Kirchplatz. Bei der Auktion zu ersteigern sind dann am Freitag jedoch nur die Werke der Profis. Einige haben schon Arbeiten mitgebracht. Jeder der 22 Eingeladenen hat zwei Werke beizusteuern. Wer will, kann sie auch zum Atelier mitbringen. Was sich etwa für Dietrich Lusici angeboten hat, da er auch malen kann. Zwei Aquarelle, sagt er, sind von ihm zu bekommen: Januartulpen im Spreewald.

Zum Thema:
Malereien im Großformat von Rainer Ehrt, Egidius Knops und Lusici zu den Öffnungszeiten im Rathaus.Podiumsdiskussion über "Kunst im öffentlichen Raum", morgen um 17 Uhr im Künstlerzelt. Orgelkonzert mit Malerei-Performance "Hörgenuss und Bilderlust", Nicolaikirche, 20. September, 17 Uhr. Cartoon-Workshop für Jugendliche, 21. und 22. September, 10 bis 14 Uhr. Kunstauktion, 23. September, 15 bis 17 Uhr, danach Abschlussprogramm mit Tanzperformance zwischen Skulpturen.