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| 01:35 Uhr

Krankenhaus Luckau: „Kein Druck zur Taufe“

Luckau. Das evangelische Krankenhaus in Luckau verschreibe sich dem christlichen Dienst am Patienten, wie der ärztliche Dirketor, Dr. med. Tom Oestmann, erklärt. Zugleich wehrt sich die Einrichtung gegen Eindrücke, auf Mitarbeiter werde Druck ausgeübt, sich taufen zu lassen. Von Andreas Staindl

„Wir versuchen, das medizinisch Mögliche zu machen, aber auch, mit besonderer Zuwendung zu heilen“, erklärt Oestmann. „Mit unserem Profil grenzen wir uns von großen Krankenhäusern ab. Wir leisten einen christlichen Dienst am Patienten.“ Das werde honoriert, der Zulauf steige ständig, so Oestmann. „Wir machen mehr, als nur unseren Auftrag der Gesundung zu erfüllen“, fügt der ärztliche Direktor an. So würden beispielsweise Angehörige von im Krankenhaus Verstorbenen bei der Trauerarbeit begleitet. Krankenhausseelsorger Gerhard Rütenik will dafür ein regionales Netz zwischen den Kirchengemeinden der Region und der Seelsorge im Krankenhaus knüpfen. Nach anfänglichen Vorbehalten aus den Gemeinden gebe es inzwischen gute Ansätze dafür, sagt er. Zudem seien bisher drei Regionalgottesdienste im Atrium des Krankenhauses gefeiert worden, so Rütenik.

Beim jüngsten sind fünf junge Frauen getauft worden. Die RUNDSCHAU hatte anschließend von Druck des Arbeitgebers auf die Täuflinge berichtet. Dr. med. Karsten Bittigau weist das zurück. „Es gibt keine Zielvorstellung, wie viel Mitarbeiter pro Jahr getauft werden müssen“, so der Hauptgeschäftsführer für den Unternehmensbereich Gesundheit des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin, zu dem das Krankenhaus in Luckau gehört. „Taufe ist auch keine Bedingung für die Einstellung von Mitarbeitern, es zählen deren Fähigkeiten und Qualifikationen“, sagt er.

In Stellenausschreibungen werde zwar darauf verwiesen, dass Christen gewünscht seien, doch es bewerben sich laut Bittigau auch Nichtchristen. Diese seien nach Gesprächen häufig bereit, sich mit dem Glauben zu befassen. „Wir missionieren allerdings niemanden“, so der Hauptgeschäftsführer.

Freiwilligkeit garantiert

Tom Oestmann ergänzt: „Es gibt Mitarbeiter, die zwar am Taufkurs teilgenommen haben, es sich mit der Taufe aber noch überlegen wollen. Das akzeptieren wir.“ Bei den fünf Frauen des Kurses sei jedoch der Wunsch entstanden, getauft zu werden. „Ich hatte zumindest den Eindruck“, erklärt Gerhard Rütenik.

Auch Matthias Blume geht vom Taufwunsch der Krankenhausmitarbeiterinnen aus. „Wenn der Seelsorger auch nur den geringsten Zweifel am Taufbegehren gehabt hätte, hätte er die Frauen nicht taufen dürfen“, erklärt der Vorsteher des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin. „Gerhard Rütenik darf sich auch nicht von der Unternehmensleitung unter Druck setzen lassen“, erklärt er.

Die Patienten sollen nach Ansicht von Karsten Bittigau allerdings schon „spüren, dass wir ein christliches Haus sind. Und das geht am besten mit christlichen Mitarbeitern“. Wie der Hauptgeschäftsführer mitteilt, seien 42 Prozent der Beschäftigten im Krankenhaus in Luckau kirchlich gebunden, Tendenz steigend.

Grundkurs für alle

Die Teilnehmer des Taufkurses wollen sich laut Seelsorger weiterhin treffen, dann jedoch erst nach ihrer Arbeitszeit. „Die evangelischen Kurse sind offen auch für andere Interessierte“, sagt der Pfarrer.

„Unser Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter am Grundkurs im Glauben teilnehmen“, erklärt Matthias Blume. „Auch Nichtchristen müssen beispielsweise das Kirchenjahr kennen, das erwarten die Patienten einfach in einem christlichen Krankenhaus.“ Während der Kurse soll auch über Seelsorge und ethische Fragen gesprochen werden, so der Vorsteher.

Das ehemalige Kreiskrankenhaus Luckau wurde 1993 durch das Evangelische Diakonissenhaus übernommen. Seit 16 Jahren ist Gerhard Rütenik Seelsorger in Luckau. Wie er sagt, habe der christliche Glauben in der Einrichtung anfangs kaum eine Rolle gespielt. „Ein staatliches Haus in ein christliches Haus zu überführen, hat mich gereizt“, sagt Karsten Bittigau. „Wir drängen allerdings niemanden zum Glauben“