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Freesdorf
Kraniche ganz nah erleben

Spannend - Junior-Ranger der Naturwacht aus dem Nationalpark Harz beobachten den Aufstieg der Großvögel am Morgen.
Spannend - Junior-Ranger der Naturwacht aus dem Nationalpark Harz beobachten den Aufstieg der Großvögel am Morgen. FOTO: Birgit Keilbach / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Freesdorf. Junior-Ranger absolvieren Herbstcamp im Naturpark Niederlausitzer Landrücken.

Früher Samstagmorgen auf dem Vogelbeobachtungsturm am Borcheltsbusch bei Freesdorf: Schon vor Sonnenaufgang ist die Luft von den Rufen der Kraniche erfüllt. Während sie dem typischen „Gru, Gru“ lauschen, steigen 40 Mädchen und Jungen in der Dämmerung leise die Stufen zur Aussichtsplattform hinauf. Es sind Junior-Ranger der Naturwacht, die den morgendlichen Aufstieg der imposanten Großvögel hautnah erleben wollen.

Das Wetter ist ideal, kein Nebel beschränkt die Sicht. Mehr als 200 Kraniche, Gänse und Singschwäne stehen im flachen Wasser. Ferngläser werden herausgeholt, Spektive aufgestellt. Genau rechtzeitig, denn allmählich kommt Bewegung auf. Schon sind die ersten Vogelgruppen am Himmel zu erspähen. „Dahinten kommen welche“, sagt Tom Machatschek. Er ist einer von 16 Junior-Rangern aus dem Nationalpark Harz, die am Herbstcamp im Naturpark Niederlausitzer Landrücken teilnehmen. „Für uns ist es etwas Besonderes, die Großvögel hier zu erleben“, sagt Nationalpark-Mitarbeiterin Stephanie Plate.

Immer größere Gruppen fliegen am Beobachtungsturm vorbei, manche lassen sich gleich auf den benachbarten Feldern nieder. Es sind nicht nur Kraniche, auch Graugänse, Singschwäne und Silberreiher nutzen das Feuchtgebiet am Borcheltsbusch und die Bergbaufolgelandschaft am Schlabendorfer See als Schlafplatz. „Rund 2000 Kraniche und etwa 10.000 Gänse rasten hier zurzeit“, gibt Naturwächterin Monika Gierach vom Naturpark Niederlausitzer Landrücken Auskunft.

Eine knappe Stunde verfolgen die Junior-Ranger das Naturschauspiel. „Das zeitige Aufstehen war schwer, aber es hat sich gelohnt“, resümiert der 16-jährige Tom Machatschek. Kraniche kennt Julie Mienack, Junior-Rangerin im Unesco Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, denn dort brüten viele der Großvögel. „Für uns ist es heute neu, so viele auf einmal aufsteigen zu sehen.“ Emily Bauer ist mit zwei weiteren Kindern und Betreuerin aus dem Naturpark Unteres Odertal angereist und hat zum ersten Mal Kraniche beobachtet. „Es ist wirklich schön und richtig beeindruckend“, sagt die 13-jährige Rangerin aus einem kleinen Dorf nahe Schwedt. Gemeinsam mit anderen Junior-Rangern aus Brandenburg war sie im Sommer beim Wildnis-Camp im Harz dabei. „Die bergige Landschaft dort ist interessant und wir haben die Wolfswarte besucht, das war spannend“, resümiert Emily Bauer. Wie die anderen Junior-Ranger freut sie sich darüber, im Camp viele Bekannte mit gleichem Interesse wiederzutreffen.

Nach einem Frühstück im Gasthaus Kolkwitz in Goßmar führt die Entdeckungstour für die Mädchen und Jungen zu den Äsungsflächen der Kraniche auf den Wiesen und Feldern der Umgebung. Zugleich lernen sie dabei auch die Bergbaufolgelandschaft bei Wanninchen kennen, entdecken den Schlabendorfer See und die ehemaligen Abraumkippen, deren Gestalt von Wind und Regen ständiger Veränderung unterliegt. Das hatte sich Tonio Sander anders vorgestellt. „Ich dachte, dass sie viel höher sind, die Landschaft etwas bergiger“, schildert der Junior-Ranger aus dem Harz während der Mittagspause auf dem Höllberghof seinen Eindruck. Die flache Niederlausitzer Landschaft ist für die Jungs aus dem Mittelgebirge noch auf ganz andere Art ein Erlebnis: „Wir waren am Freitag zehn Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs und es war gar nicht anstrengend“, erzählt Tom Machatschek.