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| 10:23 Uhr

Durch ehrenamtliches Engagement
Geglückte OP an Dahmer Kranichen

Die Bronze-Kraniche sind wieder schön. Peter Weidenbach Liszt (l.) und Museumsleiter Tilo Wolf bei letzten Arbeiten im Museumshof.
Die Bronze-Kraniche sind wieder schön. Peter Weidenbach Liszt (l.) und Museumsleiter Tilo Wolf bei letzten Arbeiten im Museumshof. FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Fachleute haben zerstörte Bronzeskulptur aus dem Tierpark saniert. Das wird gefeiert. Von Carmen Berg

Im Museumshof legt Peter Weidenbach Liszt mit einem Pinsel letzte Hand an das Kranichkleid an. Er bessert Schadstellen an der Patina der beiden Bronzevögel aus. Zuletzt wird eine Wachsschicht aufgetragen. „Das lässt die grüne Farbe wieder richtig leuchten“, erklärt er vielseitige Künstler, der mit seiner Frau Claudia Weidenbach im ehemaligen Wildau-Wentdorfer Pfarrhaus ein Literaturhaus betreibt.

Jüngst bei einer Lesung in Dahme fiel ihm im Museumshof die völlig zerstörte Skulptur ins Auge. Ein Kranich lag am Boden, er war über dem Fuß abgebrochen. Dem anderen fehlte der Schnabel. „Schade drum“, dachte sich der gebürtige Kärntner. Weil Warten auf die Mühlen der Bürokratie eher nicht sein Ding ist, nahm er Kontakt zum Dresdner Bildgießer Thomas Ihle auf. Man kennt sich von gemeinsamen Projekten, und der Experte half.

Das Kranichpaar ist eine Arbeit des bekannten DDR-Bildhauers Jürgen von Woyski, dessen Kunst am Bau, Plastiken und Brunnen die Neustadt von Hoyerswerda prägten. Ab dem Jahr 1975 war von Woyski Leiter der Hoyerswerdaer Bildhauersymposien, bei denen internationale Künstler vor Ort Skulpturen vor allem aus Sandstein schufen. In Dahme wurden Jürgen von Woyskis Bronzekraniche wohl beauftragt und aufgestellt, als in den 1960er-Jahren der Tierpark zuletzt umfangreich neu gestaltet worden war, sagt Museumsleiter Tilo Wolf. Er erinnere sich noch gut, wie die Figuren auf der Wiese zwischen Schlossteich und russsischem Friedhof in den 1970er- und 1980er-Jahren Anziehungspunkt für Kinder waren. „Auch wir sind als Jungs darauf herumgeklettert, dabei ist aber nie etwas passiert“, erzählt er.

Das änderte sich, als sich nach der Wende immer wieder Vandalen mit brachialer Gewalt an diesem und weiteren Kunstwerken im Park zu schaffen machten. Die Kranich-Skulptur wurde mehrmals zerstört, bis die Ehrenamtlichen der Interessengmeinschaft Tierpark die Reißleine zogen und das Kunstwerk auf dem Museumshof in Sicherheit brachten. Dort hatte es schon mehrere Jahre gelagert, als Peter Weidenbach Liszt darauf aufmerksam wurde und die Sanierung auf den Weg brachte.

In der Fachwerkstatt in Dresden wurden die etwa 140 Kilo schweren Vögel von Fachmann Thomas Ihle „notoperiert.“ Er stellte fest, dass sie einst in Lauchhammer nach alter Technikgegossen worden waren. In das zerbrochene Bein des einen Kranichs zog er eine Edelstahlschiene ein und modellierte die Bronze darüber wieder neu. Auch der Schnabel des zweiten Vogels bekam von innen Edelstahl.

Alles in allem habe die Aktion vier Wochen gedauert, sagt Peter Weidenbach Liszt. „Mir geht es auch darum, den Menschen mal wieder zu zeigen, dass in Dahme für die Kultur etwas passiert“, so der Initiator aus Wildau-Wentdorf.

Beim Transport zur Werkstatt, beim Be- und Entladen unterstützten ortsansässige Unternehmer und Bürger. Es bleibt Peter Weidenbach Liszt zufolge ein offener Betrag von 600 Euro für die Restaurierung, der durch Spenden aufgebracht werden soll. Gelegenheit zu helfen besteht bei einem kleinen Einweihungsfest für das restaurierte Kunstwerk am kommenden Freitag.

Vorerst sollen die Kraniche auf der Wiese des Musuemshofes aufgestellt werden, künftig aber im Schloss- und Tierpark wieder einen würdigen Platz bekommen. Im denkmalgeschützten Park laufen gerade Sanierungsarbeiten. In diesem Zuge soll der künftige Standort der Skulptur mit der Denkmalpflege abgestimmt werden.