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Gerichtsbericht
Kommt Luckauerin in eine Entziehungsanstalt?

Dessau/Luckau. Landgericht Dessau-Roßlau verhandelt gegen 23-Jährige wegen schweren Raubes in zwei Fällen.

Für die junge Frau mit den kurzen schwarzen Haaren, die zuletzt in Luckau wohnte, kommt die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht. Die 23-Jährige muss sich derzeit vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau wegen schweren Raubes in zwei Fällen verantworten. Beide Taten verübte die Angeklagte im März 2016 im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt). Und in beiden Fällen hatte sie zuvor synthetische Drogen konsumiert. Um eine Suchttherapie zum Erfolg zu führen, scheint ein längerer Entzug angebracht. Derzeit sitzt die Luckauerin, die in Magdeburg geboren wurde und bereits als Teenager ein unstetes Leben führte, aufgrund eines anderen Vergehens im Maßregelvollzug Bernburg.

Dort gehe es ihr gut. „Ich werde mit Tabletten therapiert, die ich vertrage. Positiv ist auch das Anti-Gewalt-Training“, erzählte die großgewachsene Frau dem Gericht unter dem Vorsitz von Uda Schmidt. Die ihr vorgeworfenen Taten vom 3. und 23. März 2016, an denen Kumpels, die sie aus dem Bitterfelder Drogenmilieu kannte, zumindest beobachtend teilnahmen, räumte sie weitgehend ein. Zunächst zwang sie in Wolfen ein ihr völlig unbekanntes Opfer zur Herausgabe von 20 Euro. Dabei drohte sie, ein in ihrem Rucksack verborgenes Messer zum Einsatz zu bringen. Knapp drei Wochen darauf hielt sie im kleinen Ort Pouch (Gemeinde Muldestausee) einem jungen Mann, den sie gegen eine Hauswand drückte, eine Spraydose vor das Gesicht. In der Sorge, ihm sollte Pfefferspray in die Augen gesprüht werden, händigte er der aggressiven Angreiferin sein Handy und fünf Euro aus. Für das Telefon fand die Angeklagte recht schnell einen Abnehmer, der ihr Geld gab, von dem sie Crystal und Ecstasy erwarb.

„Das fand alles so statt“, sagte die 23-Jährige. Allerdings sei in der Sprühdose Farbe gewesen. Ob jemand die Taten, die jeweils auf offener Straße stattfanden, beobachten und daraufhin die Polizei verständigen würde, sie ihr gleichgültig gewesen. „Darüber dachte ich zu dem Zeitpunkt nicht nach. Mein Zustand war so, dass mir die Drogen fehlten“, berichtete die Angeklagte, die in Luckau eine Suchtberatung besucht hatte. Die Taten seien jedenfalls „ganz dumme Ideen“ gewesen. Das brachte sie auch in der Entschuldigung gegenüber dem Opfer zum Ausdruck, dem sie das Telefon abgenommen hatte. Der 19-Jährige sagte freilich dem Gericht, für eine Farbspraydose habe der Behälter zu klein ausgesehen. Seit dem Tag der Konfrontation verhalte er sich vorsichtiger. Das Opfer der Tat vom 3. März vorigen Jahres wird erst am 7. November aussagen. In dem Fortsetzungstermin kommt darüber hinaus der Sachverständige Philipp Gutmann zum Zuge. Der Psychologe beschäftigte sich mit der Person der Angeklagten.

 Nach ihren eigenen Angaben kam sie erstmals im Alter von elf oder zwölf Jahren mit Drogen in Kontakt. Delikte, die im Zusammenhang mit ihrer Abhängigkeit standen, brachten sie mehrfach hinter Gitter. Eine der Strafen musste sie just ab ihrem 15. Geburtstag verbüßen. Tief in das Drogenmilieu hineingeraten sei sie durch eine frühere Freundin, die in Bitterfeld lebte. In dieser Phase habe sie tagtäglich ein Gramm Crystal und zehn Ecstasy-Tabletten zu sich genommen.

Das Urteil gegen die junge Frau fällt die Strafkammer voraussichtlich am 14. November.