Von Anja Brautschek

Nachdem die externe Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln eigentlich bereits vom Tisch war, haben die Golßener Stadtverordneten am Mittwochabend in einer Sondersitzung noch einmal darüber beraten. Nach intensiven Diskussionen haben sich die Abgeordneten entgegen ihrer ersten Entscheidung vor einer Woche mit zehn  Ja- und sieben Nein-Stimmen nun doch dazu entschlossen, das Planungsbüro Just aus Berlin dazu zu beauftragen, den Fördermittelantrag für das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ zu begleiten. Den ersten Entschluss haben die Abgeordneten mehrheitlich aufgehoben. Damit besteht für Golßen die Chance auf eine bis zu 90-prozentige Förderung.

„Die Golßener lieben das Schloss. Wenn wir diese Chance nicht nutzen, dann wird das Schloss verfallen“, plädiert Hartmut Laubisch (GfG) für das Projekt. Ohne umfassende Förderung ist die Sanierung und damit auch die Wiederbelebung des Schlossensembles für die Kommune kaum stemmbar. Aktuelle Kostenschätzungen gehen von einer Investition zwischen acht und neun Millionen Euro aus, um dass Schloss wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und einer neuen Nutzung zuzuführen. Selbst bei 90-prozentiger Förderung über das Bundesprogramm ist der Eigenanteil für Golßen mit seiner klammen Kasse ein großer Brocken. „Wir dürfen da nicht zu blauäugig rangehen. Sonst kann es sein, dass wir uns damit als Stadt übernehmen“, sagt Ute Fuchs (AfD).

 Fördermöglichkeiten gibt es auch über das Bundesprogramm hinaus auf Landes- oder Kreisebene. „Die Höhe aus den verschiedenen Fördertöpfen ist derzeit aber noch nicht absehbar. Wir werden einen Finanzplan aufstellen, wenn wir wissen, Sie gehen mit“, sagt Katja Maraszek vom Bauamt. Ronald Krüger (UBL) betont: „Die UBL-Fraktion steht hinter dem Konzept. Wir wollen das Projekt, gerne mit der Awo. Aber mit einer vernünftigen Finanzierung.“

Ob Golßen mithilfe des Planungsbüros Just den Zuschlag für das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ bekommt, bleibt nun abzuwarten. Im vergangenen Jahr wurden 150 Projekte eingereicht – 50 davon erhielten Unterstützung. Auch Golßen hatte 2018 bereits einen Antrag für das Schloss eingereicht. Die Erfahrungen daraus kann die Kommune nun nutzen. „Die Qualität der Anträge hat ein wahnsinniges Niveau erreicht. Ich denke, die Aussicht für Golßen ist nicht schlecht. Dafür brauchen wir aber auch die erforderliche Komplexität“, erklärt Katja Maraszek.

Die Verwaltung kommt dabei aber an ihre Grenzen. Der Zeitplan ist eng gestrickt. Bis zum 30. November müssen alle Unterlagen zusammengestellt werden. Wie Harald Just vom gleichnamigen Planungsbüro aus Berlin erklärt, werde sich der Antrag in fünf Teile untergliedern. Das reiche von der Vorklärung verschiedener Fördermöglichkeiten bis zur Abstimmung mit Nachbargemeinden und Fördermittelgebern. „Es ist wichtig, dass für die Region etwas Tragbares entsteht. Das ist mit dem Konzept gegeben“, sagt Just.

Das Schloss soll künftig insbesondere sozial genutzt werden. Gemeinsam mit der Awo als künftigem Mieter werden altersgerechte Wohnungen im Erdgeschoss und kleine Appartements für pflegebedürftige Menschen im Obergeschoss entstehen. Die Awo hält nach wie vor an dem Konzept fest. „Wir sind bereit, langfristig dort zu bleiben. Es ist ein tolles Projekt. Und die Golßener brennen für ihr Schloss“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Luplow. Es soll eine Einrichtung auf dem modernsten pflegewissenschaftlichen Stand in historischem Ambiente entstehen. Öffentliche Bereiche wie das Kaminzimmer, die Orangerie als künftiges Standesamt oder der Schlosspark bleiben nach wie vor für jeden zugänglich, betont er. Bei mehreren Veranstaltungen habe er positive Resonanz zu den Planungen erhalten. Schon jetzt gebe es erste Anmeldungen für die Wohnräume.