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Kleines Fließ, große Bestimmung

Aufgrund des Niederschlagsdefizites ist die Luckaitz derzeit erst im gleichnamigen Dorf Luckaitz erkennbar. Als Vetschauer Mühlenfließ mündet sie in den Spreewald.
Aufgrund des Niederschlagsdefizites ist die Luckaitz derzeit erst im gleichnamigen Dorf Luckaitz erkennbar. Als Vetschauer Mühlenfließ mündet sie in den Spreewald. FOTO: uhd1
Luckaitz. (uhd1) Das Dorf Luckaitz und die Gemeinde Luckaitztal tragen den Namen eines kleinen Baches in sich, dem überregionale Bedeutung beikommt. Als Zubringer speist das Fließ das Naturschutzgebiet (NSG) Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar, das NSG Reptener Teiche und als späteres Vetschauer Mühlenfließ das Biosphärenreservat Spreewald. Uwe Hegewald /

Klar, dass die AG "Regionales Wasser" dieses Fließ mal genauer unter die Lupe nimmt. Während einer Informationsveranstaltung, am Mittwochnachmittag im "Gasthaus vor den Bergen" (Luckaitz) berichtete AG-Leiter Hans-Joachim Emmrich über Wissenswertes zum Fließ, das schon bessere Zeiten erlebt hat. In den letzten Jahrzehnten hat die Luckaitz deutlich an Kraft verloren, was der regionale Wasserexperte aus Buchwäldchen anhand von historischem Kartenmaterial zu belegen wusste. Ein Foto aus dem Jahr 1951 zeigt, wie Hans Jürgen Herrmann und Werner Otto als Knaben im Fliegerteich baden. Heute ist das 15 x 30 Meter große Gewässer komplett trocken gefallen. Als Verursacher gelten der fortschreitende Braunkohlebergbau zu DDR-Zeiten sowie der Bau der Bahnverbindung Großräschen-Finsterwalde mit erheblichen Auswirkungen auf den regionalen Wasserhaushalt. Wie dramatisch die Entwicklung vorangeschritten ist, machte Hans-Joachim Emmrich u.a. an einem Bericht in der Lausitzer Rundschau aus dem Jahr 1967 deutlich. So berichtete die Tageszeitung vom Abbrechen der Arbeiten am Fliegerteich, aufgrund nicht zu bewältigender Wassermassen und fehlender Pumpen. Zwei Raupen wollten seinerzeit die Sohle des Teiches vertiefen. Seinen Namen verdankt der Teich den Fliegern des benachbarten Flugplatzes Bronkow, die darin badeten. Erst weit hinter dem nun trockenen Teich fängt die Luckaitz zu leben an. Emmrich verweist auf zwei Quellen an einer Eiche vor der einstigen Obermühle, auf einen Quellhang und auf Sumpfquellen. "Mit Erlen bestockt vermitteln diese Parallelen zum Spreewald, in den die Luckaitz mündet", so der Buchwäldchener.

Und auch diese Information aus dem Fundus von Helmut Jentsch (Zinnitz) sorgte für Staunen: "Entlang der Luckaitz gab es einmal 16 Wassermühlen." Seit nunmehr 20 Jahren ist die 15-köpfige AG "Regionales Wasser" dem kostbaren Nass auf der Spur, führt Exkursionen, Infoveranstaltungen und regelmäßige Messungen zum hiesigen Wasservorkommen durch. Was sich Hans-Joachim Emmrich wünscht, sind zusätzliche Messungen der Wasserqualität durch zuständige Behörden. Sein Appell kommt nicht von ungefähr, habe der Naturfreund doch in diesem Jahr beängstigende Beobachtungen gemacht. "Die Natur ist geschädigt. Bei der Nabu-Vogelzählung gab es gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang zu verzeichnen, Schmetterlinge und Libellen machen sich rar, selbst das Quaken der Frösche hat in diesem Jahr spürbar abgenommen", hadert er mit gegenwärtigen Situation.

Udo List vom Naturpark Niederlausitzer Landrücken bestätigt die Beobachtungen. "Der Bestand an Amphibien ist bis auf ein Drittel zurückgegangen. An den Sammelstellen von Krötenschutzzäunen war das deutlich zu erkennen", begründet er. Dabei genüge es nicht, die Landwirtschaft als Verursacher voranzuschieben. "Der Rückgang im Bestand ist auf ganzer Breite bemerkbar, selbst auf streng geschützten Flächen", führt Udo List an. Was den zwei Dritteln der Amphibien widerfahren ist, können sich Naturschützer bisher noch nicht erklären.