ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:24 Uhr

Sommertour
Kleine Ölkunde in der Kanow-Mühle

 Im historischen Mühlengebäude gab Jörg Behrendt Auskunft zur Mühlengeschichte.
Im historischen Mühlengebäude gab Jörg Behrendt Auskunft zur Mühlengeschichte. FOTO: Birgit Keilbach
RUNDSCHAU-Sommertour bot in Sagritz Einblick in Historie und Gegenwart der Ölherstellung. Von Birgit Keilbach

Eine spannende und informative Mühlentour erlebten am Donnerstag rund 70 Besucher in der Kanow-Mühle Sagritz. Jörg und Christina Behrendt erzählten aus der Mühlengeschichte, gaben Einblick in die Produktion früher und heute. Wissenswertes über die wohltuende Wirkung von Lein- und zahlreichen weiteren Ölen erfuhren die Besucher.

Die meisten von ihnen kannten das Leinöl aus Sagritz bereits. Gestern kamen sie auf den Geschmack einer Reihe anderer Öle, die in dem traditionsreichen Familienbetrieb außerdem hergestellt werden. Insgesamt 17 verschiedene Öle hat die Mühle im Sortiment. An einem Tisch konnten sie Brot in verschiedene Kostproben stippen und mit Zucker oder Salz ergänzen. „Das Leindotteröl hat einen komischen Nachgeschmack, das Walnussöl schmeckt gut, richtig nach Nuss“, urteilte Ingrid Babing aus Uckro. Regina Felsmann war von Weizenkeim-, Walnuss- und Hanföl gleichermaßen begeistert: „Alle drei schmecken richtig edel“, schwärmte die Lübbenerin. Das Leinöl aus Sagritz kaufe sie immer beim örtlichen Rewe, ergänzte sie.

 Die Stempelpresse im historischen Mühlenteil ist noch immer funktionstüchtig. Für die Besucher ein spannender Einblick in die Technikgeschichte.
Die Stempelpresse im historischen Mühlenteil ist noch immer funktionstüchtig. Für die Besucher ein spannender Einblick in die Technikgeschichte. FOTO: Birgit Keilbach

„Der Leinsamen kommt vom Gurkenhof Frehn in Schöneiche“, erläuterte Jörg Behrendt. Rund 50 Tonnen liefere der Betrieb jährlich an die Mühle. Weil die Menge nur nach und nach aufgebraucht wird, die Lagerkapazitäten beim Landwirt jedoch begrenzt sind, „bauen wir aktuell eine Lagerhalle dafür“, erklärte Jörg Behrendt. Auch den speziellen Ölkürbis für Kürbiskernöl baue der Gurkenhof Frehn seit drei Jahren auf seinen Feldern an. Die Technologie zum Gewinnen der Kerne habe er sich in der Steiermark angeschaut. „Wir bekommen die Kerne und pressen das Öl nach unserem bewährten Verfahren kalt. Daher hat es einen weniger starken Eigengeschmack als das in Österreich hergestellte“, nennt Jörg Behrendt den Unterschied.

Leindotteröl war vielen Besuchern noch unbekannt. Es sei eine Schotenpflanze, deren Inhaltsstoffe fast identisch mit denen des Leinöls seien, nur in geringerer Konzentration. „Dafür hält es länger als Leinöl“, erklärte der Ölmüller auf Nachfrage. Der Leindotter selbst komme von Feldern in der Nähe von Kolkwitz bei Cottbus. Raps beziehe die Mühle vom Landhandel Luckau, Hanf werde aus Anklam geliefert, nannte Jörg Behrendt die Herkunft weiterer Ölsaaten. „Wichtig ist, dass alle Samensorten gründlich gereinigt sind. Das erfolgt in der Schälmühle Kümmel in Vetschau.“ Dass man Leinöl auch einfrieren kann, war für viele Besucher gleichfalls eine neue Erkenntnis. Leinöl in angebrochenen Flaschen behalte seinen Geschmack etwa sechs bis acht Wochen im Kühlschrank, erhielten sie einen weiteren Tipp.

 Außer dem Leinöl werden in der Kanow-Mühle viele weitere Öle kaltgepresst. Auf einem Tisch standen eine Reihe davon zum Verkosten.
Außer dem Leinöl werden in der Kanow-Mühle viele weitere Öle kaltgepresst. Auf einem Tisch standen eine Reihe davon zum Verkosten. FOTO: Birgit Keilbach

Im historischen Mühlengebäude konnten die Besucher die alte Technik auf den drei Etagen besichtigen und erfuhren interessante Details aus der Geschichte. Die heutige Kanow-Mühle in Sagritz wurde 1527 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch unter dem Namen Wuschak-Mühle. 1815 ersteigerte Johann Christian Karl Kahnow diese Wassermühle. Dieser stammte aus der Müllerfamilie Kahnow in Neu Zauche bei Lübben, die vor rund 200 Jahren die Kanno-Mühle betrieb. „Diese Verbindung kennen auch die meisten Spreewälder nicht“, erzählte Jörg Behrendt. Vorfahre Kahnow habe damals die Müllerstochter der Dubkow-Mühle, Johanna Christiane Lehmann, geheiratet – 1807 in der Zützener Kirche, das belegten die Kirchenbücher. Seit 1815 betreibt Familie Behrendt die Mühle als Familienbetrieb. 2012 übernahm ihn Sohn Christian und führt die Tradition in der siebten Generation weiter.

Davon waren Veronika und Hans Jurk aus Radensdorf beeindruckt. „Die Familiengeschichte war sehr interessant, vor allem diese Verbindung von Neu Zauche und Sagritz.“ Karlheinz Kasper hat selbst an „riesigen Weizenmühlen in Kasachstan und Turkmenistan mitgebaut. Die historische Technik hier ist sehr interessant“, sagte der Lübbener. Günter Schade aus Schlepzig freute sich, „dass die Firma heute noch existiert und sich so gut entwickelt hat.

In den 1990er-Jahren organisierten wir über das Regionalbüro Spreewald Fördermittel.“ Sieglinde Hering war mit den Enkelkindern aus Riedebeck zur Sommertour gekommen. „Leinöl hilft mir bei Erkältungen. Es macht dann den Hals wieder geschmeidig. Es war interessant, mehr über den Ablauf in der Mühle zu erfahren“, resümierte sie.