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| 19:33 Uhr

Kita-Sanierung in Heinsdorf
Natur-Kita in Stadt verpflanzen?

An der Heinersdorfer Kita soll einiges passieren. Träger und Eltern sehen durch das Ausweichquartier in Dahme jedoch das Konzept in Gefahr. Von Carmen Berg

 Die Heinsdorfer Kita soll saniert und mit der vorgelagerten Begegnungsstätte zu einem Komplex der Generationen erweitert werden. Mitte nächsten Jahres könnten die Arbeiten beginnen, so jüngste Informationen, auf die Kita-Erzieherin Imke Hofbauer vom freien Träger, dem Verein „Baumkuchen“ e.V., verweist. Fördergeld sei bewilligt. Doch wohin mit den Kita-Kindern in der etwa eineinhalbjährigen Bauzeit? Darüber streiten Stadt und Kita-Träger.  Beim jüngsten Stadtparlament mussten zusätzlich Bänke in den Rathaussaal geholt werden, so zahlreich wollten Eltern und andere Heinsdorfer der Kita den Rücken stärken.

22 Jungen und Mädchen sind übergangsweise neu unterzubringen. Die Amtsverwaltung bot Räumlichkeiten der Dahmer Otto-Unverdorben-Oberschule an. Diese Räume im Hofgebäude wurden schon  während des Umbaus der Dahmer Kita „Zwergenland“ als Ausweichquartier hergerichtet. Eine Reaktivierung ist laut Amtsverwaltung mit minimalem Arbeits- und Kostenaufwand möglich. Spielgeräte für den Außenbereich, die angeschafft würden,  könnten später für den Heinsdorfer Neubau nachgenutzt werden, ein Spielplatz im Tierpark sei gut zu Fuß erreichbar.

Doch Kita-Team und Eltern sehen mit einem Umzug nach Dahme ihr Konzept einer Natur-Kita gefährdet. „Wir sind keine Kita mit Regelkonzept. Ein wöchentlicher Waldtag, Arbeiten auf dem Gemüseacker sind Bestandteile unserer Arbeit“, erklärt Imke Hofbauer vor den Stadtverordneten. Der Trägerverein „Baumkuchen“ war 2014 von Zuzügler-Familien aus der Großstadt gegründet worden, die sich für den Kindergarten ebenso wie für Angebote im Dorf engagieren. Von ihnen stammt auch die Idee des Mehrgenerationen-Zentrums.

„Die Kinder sind jeden Tag in der Natur, haben Kontakt zu Tieren“, deshalb habe sie für Tochter Kim und die Söhne Max und Tom diese Einrichtung gewählt, sagt etwa die junge Mutter Jessica Becker gegenüber der RUNDSCHAU. „In Dahme wäre das verloren“, befürchtet sie.

Kita und Eltern machen einen Vorschlag, mit dem die Kinder im Dorf bleiben könnten. Dazu müssten zwei leer stehende Erdgeschoss-Wohnungen im Block neben dem Kita-Komplex zusammengelegt werden. Ein Vorteil: Das Außengelände der Kita wäre in der Bauzeit weiter nutzbar. Die Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH schätzt die Kosten für diese Variante auf 60 000 Euro. Steffen Kindscher erklärt, die Eltern würden tüchtig Hand anlegen. „Viele Eltern sind bereit loszurennen, um die Übergangslösung für ein Bruchteil des Geldes zu realisieren“, verspricht er.

Was aber womöglich einfacher gesagt als getan ist. Zunächst müsste die Kommune die Umnutzung von Wohn- in Gewerbeeinheiten beantragen. „Um alles Weitere würden wir uns dann kümmern“, so Imke Hofbauer.  Bauamtsleiterin Christina Denkel entgegnet, auch für eine Umnutzung seien Bauzeichnungen und Unterlagen nötig. „Man muss einen Bauantrag stellen, Geld in die Hand nehmen.“ Die für Kitas zuständige Abteilungsleiterin Michelle Schlomach verweist auf hohe Anforderungen im Brandschutz, die auch für eine Interimslösung gelten, wenn es um Kinder geht.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, macht sich Hans-Georg Nerlich (Landleben) dafür stark, den Vorschlag der Kita zu prüfen. Thomas Willweber (Freie Wähler/CDU) verweist darauf, dass Niebendorf-Heinsdorf für die Kita samt Außenanlagen eine Investition von rund 1,8 bis zwei Millionen Euro erhalten würde. „Die Entscheidung darüber hängt von der Haushaltslage ab“, schiebt er nach und sagt: „Wenn wir ein solches Projekt in Angriff nehmen, dann geht das nur als Kompromiss.“ André Weigt (Dahmer Umland) aus Rosenthal gibt zu, er habe sich für den Bau ausgesprochen, jedoch schweren Herzens, denn es werde viel Geld auf einen Ort konzentriert. „Man muss uns nicht so hinstellen, als ob wir nicht wollen“, wehrt er sich gegen eine Mahnung von Imke Hofbauer an die Stadtverordneten, die sagte: „Sie als Amtsträger müssen doch interessiert sein, dass die Vielfalt an Angeboten erhalten bleibt. Deswegen kommen Menschen her in die Region.“

Eine Entscheidung zum Ausweichquartier ist noch nicht getroffen. Dem Vorschlag des Bürgermeisters folgend sollen beide Optionen weiter geprüft werden.