ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:53 Uhr

Kita-Leiterin in Golßen rehabilitiert

FOTO: (24951989)
Golßen/Berlin. Nach dem Urteil ist die einst gekündigte Kita-Leiterin Ellen Fahr aus Golßen erleichtert. "Ich bin rehabilitiert, das war mir wichtig", sagte sie nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin. Das hat vor wenigen Tagen eine außerordentliche Kündigung durch den Amtsdirektor als unbegründet zurückgewiesen. Andreas Staindl/asd1

Für Ellen Fahr kam es wie ein vorfristiges Weihnachtsgeschenk. Im Rechtsstreit wegen der Kündigung der Kita-Leiterin in Golßen (Unterspreewald) hat das Landesarbeitsgericht in Berlin entschieden. Das Gericht kam zu dem Urteil, dass die Kündigung durch den Arbeitgeber unwirksam ist.

Ein Jahr lang hat Ellen Fahr dafür gekämpft. Rückblick: Das Amt Unterspreewald hatte der Leiterin des Haus des Kindes in Golßen Ende vergangenen Jahres außerordentlich gekündigt. "Es gab mindestens einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Arbeitsvertrag", hatte der Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) seinerzeit begründet. Es sei für das Amt als Arbeitgeber unzumutbar gewesen, eine ordentliche Kündigungsfrist abzuwarten.

Obolus in eine Kasse

Auslöser der Kündigung war der Umgang mit Mittagessen im Haus des Kindes. Mitarbeiterinnen hätten vom übrig gebliebenen Essen der Kinder gegessen und dafür einen Obolus in eine Kasse gezahlt. Das Geld sollte für Anschaffungen in der Einrichtung verwendet werden. Für den Arbeitgeber reichte das, um Ellen Fahr außerordentlich zu kündigen. Sie klagte dagegen. Die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht fand im März dieses Jahres in Cottbus statt. Das Gericht bestätigte die Kündigung durch das Amt Unterspreewald.

Urteil angefochten

Die Kita-Leiterin nahm dieses Urteil nicht hin und klagte weiter. Vergangene Woche trafen sich beide Seiten vor dem Landesarbeitsgericht in Berlin. Das Urteil, das beide Parteien gegenüber der RUNDSCHAU bestätigten: Die Kündigung ist unwirksam. Ellen Fahr habe zwar gegen ihren Arbeitsvertrag verstoßen, doch das rechtfertige keine außerordentliche Kündigung. "Für das Landesarbeitsgericht steht eine Pflichtverletzung außer Frage", sagt Jens-Hermann Kleine. "Allerdings hätten wir nach Ansicht des Gerichts maximal mit einer Abmahnung reagieren dürfen; die außerordentliche Kündigung sei nicht angemessen gewesen." Er gehe dennoch "nicht beschädigt heraus. Wir haben ein klares Zeichen gesetzt, dass bestimmte Dinge nicht geduldet werden."

Das Urteil des Landesarbeitsgerichts hat Folgen. Ellen Fahr müsste ihre Tätigkeit im Haus des Kindes in Golßen wieder aufnehmen. "Sie kann wieder arbeiten kommen", sagt der Amtsdirektor.

Eine Abfindung zu zahlen, habe er abgelehnt. Das Amt Unterspreewald müsse der Kita-Leiterin allerdings entgangenen Lohn für die gesamte Zeit nachzahlen und auch die Kosten des Verfahrens tragen. Der Amtsdirektor geht von einer "fünfstelligen Summe" aus.

Ellen Fahr ist inzwischen bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt. Wie beide Seiten das Urteil konkret umsetzen wollen, ließen sie vorerst offen.