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Kirchenruine erstrahlt in neuem Glanz

Nachdem der Holzfußboden verlegt ist, richten Mitglieder des Fördervereins, Gerhard Jahn, Günter Ukro, Sylvia Machel und Heike Krüger (v.r.) den Kirchenraum für die Jubiläumsfeier her.
Nachdem der Holzfußboden verlegt ist, richten Mitglieder des Fördervereins, Gerhard Jahn, Günter Ukro, Sylvia Machel und Heike Krüger (v.r.) den Kirchenraum für die Jubiläumsfeier her. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Niebendorf-Heinsdorf. Seit zehn Jahren arbeitet der Förderverein Kirche Heinsdorf emsig an der Sanierung. Das Ziel: Die Glocken sollen wieder klingen. Birgit Keilbach / bkh1

Geschäftiges Treiben herrscht in diesen Tagen auf dem Gelände der Kirchenruine von Heinsdorf. Eine Baufirma saniert den letzten Stützpfeiler an der Nordwand. An den Resten der Kirchenmauer auf der Ostseite wird Erdreich weggeschaufelt, damit diese saniert werden kann. Im überdachten Teil des Kirchenschiffes fegen Sylvia Machel und Heike Krüger den neu verlegten Holzfußboden. Dieser Teil des zehnten Bauabschnittes der Kirchensanierung ist abgeschlossen. Am Samstag werden ihn die Gäste der Jubiläumsfeier erstmals in Augenschein nehmen können.

"In den Fußboden kommen noch beleuchtete Sichtfenster, durch die sich Besucher den ursprünglichen Kirchenfußboden anschauen können", sagt Günter Ukro. Nahezu täglich ist der Ortsvorsteher des Doppeldorfes und Vorsitzende des Fördervereins in diesen Tagen vor Ort, trifft Absprachen mit den Bauleuten, führt Gäste durch die Kirche, organisiert, koordiniert und packt mit an. Gemeinsam mit Gerhard Jahn trägt er die Bänke hinein. Die Frauen putzen inzwischen die große Glasfront, die sich wie eine Ziehharmonika öffnen lässt und so eine Verbindung zum offenen Teil der Kirchenruine schafft. "Die zehn Jahre sind schnell vergangen. Alle sind mit Herzblut dabei, sonst wäre das nicht möglich gewesen", sagt Heike Krüger, die sich von Anfang an im Förderverein engagiert.

Dessen Gründung geht auf den innigen Wunsch der Heinsdorfer zurück, ihre Kirchenglocken wieder läuten zu hören. Sie waren 1995 verstummt, weil der Glockenstuhl nicht mehr sicher war. Die Kirche war bereits 1970 bis auf einen 2,50 Meter hohen Sockel der Umfassungsmauern abgerissen, das Innere mit Bauschutt und Mutterboden aufgefüllt und der Turm um acht Meter gekürzt worden. Gottesdienste hatten schon seit 1965 keine mehr stattgefunden. "Immer wieder kam im Dorf das Gespräch auf die Kirche und die Glocken, in der Advents- und Weihnachtszeit, beim Zusammentreffen auf der Straße, in den Gemeindeversammlungen. Der Wunsch wurde immer größer und lauter", erinnert sich Günter Ukro. Der Initiative von Dr. Gerhard Schliebner sei es zu verdanken, dass sich am 20. September 2007 der "Förderverein Sanierung Kirche Heinsdorf" gründete. Zuvor habe er erreicht, dass die Kirche in die Denkmalliste des Landes aufgenommen wurde. Eine riesige Aufgabe habe der erste Vorsitzende des Vereins mit seinen Mitstreitern zu bewältigen gehabt.

Von Anfang stand auch Pfarrer Dr. Joachim Boekels fest an der Seite des Fördervereins. Viele weitere Unterstützer, Sponsoren und eine engagierte Dorfgemeinschaft brachten das Vorhaben Kirchensanierung Schritt für Schritt voran. In zehn Bauabschnitten wurde die Kirchenruine zu einem wieder nutzbaren Gotteshaus, auf Tafeln detailliert dokumentiert. Rund 210 000 Euro und ein großer Anteil Eigenleistungen flossen während der vergangenen zehn Jahre in das Vorhaben. "Nur durch viele Förderer und Unterstützer ist uns dies gelungen", resümiert Günter Ukro.

Am ersten Adventssonntag 2010 erklangen die Glocken wieder und am Heiligabend 2015 riefen sie - erstmals nach einem halben Jahrhundert - wieder zum Gottesdienst in die Kirche.

Zum Thema:
Das zehnjährige Bestehen des Fördervereins wird am Samstag, 23. September, ab 14.30 Uhr in der Heinsdorfer Kirche mit einem bunten Programm feierlich begangen. Dieses gestalten unter anderem die Naturkinder der Kita im Doppeldorf, Sandy Höbbner singt, die Frankenfelder Showgarde tanzt und Hans-Peter Schulze bietet ein Mitmachprogramm für "Jung und Alt".