ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:03 Uhr

Kindertanztheater im Nordkreis nullt

Dahme-Spreewald.. Das KinderTanzTheater Berlin-Brandenburg in Königs Wusterhausen ist im Land einzigartig. Seit zehn Jahren gibt es das Kindertheater, an dessen Anfänge sich Leiterin Friedericke Nebel gern erinnert. Von Uta Schmidt

„Es wurde gewissermaßen auf Initiative des Kulturamtes der Stadt Königs Wusterhausen gegründet. Im Frühjahr 1995 wurde eine Lehrerin für den Tanzunterricht am Bürgerhaus gesucht. Ich bewarb mich und erhielt diese Aufgabe.“
Friederike Nebel ist ausgebildete klassische Balletttänzerin, unterrichtet seit Anfang der 90er Jahre Kinder und Jugendliche. Mit 19 Jahren hatte sie ihr erstes Engagement im Theater des Westens, später auch im Hamburger Schauspielhaus. Sie wirkte als Solistin am Landestheater Innsbruck.
„Doch nach der Geburt meines Sohnes 1991 musste ich die aktive Tätigkeit einschränken, 1993 gab ich meine Karriere ganz auf. Da war ich auf der Suche nach einem neuen Wirkungskreis.“

Spielen, singen, tanzen
Nach der Gründung einer Tanzschule in Königs Wusterhausen wurde ziemlich schnell die Idee geboren, ein Kindertheater aufzubauen, indem gleichzeitig gespielt, gesungen und getanzt werden kann. Das geschah 1996. Da das erste Stück eine Gemeinschaftsaufgabe für Berliner und Königs-Wusterhausener Kinder zur Festveranstaltung „50 Jahre Unicef“ in Berlin war, nannte sich das Ensemble „KinderTanzTheater Berlin-Brandenburg“ . Von den damals 30 Kindern sind heute noch zehn aktiv dabei.
Das Theater machte schnell von sich reden. Gespielt und getanzt wurde eine Revue zum 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke mit einem Auftritt auf dem Flughafen Tempelhof. Die Mädchen spielten beim Film „Ballett ist ausgefallen“ mit, wofür Nebel die Choreografie erarbeitete.
Es gab Sonderpreise und vordere Plätze beim Wettbewerb „Jugend tanzt“ , und im vergangenen Jahr eine schöne Anerkennung für das Stück „La Barbarina“ , die wahre und tänzerisch anspruchsvoll umgesetzte Geschichte der umjubelten Tänzerin Barbara Campanini, die Friedrich der Große 1744 für die Staatsoper verpflichten wollte.
„Die Darstellung unseres Tanztheaters fand großen Zuspruch unter anderem bei der Schlössernacht in Potsdam“ , erzählt die Theaterchefin, wobei vor allem das hohe tänzerische Können der Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren gelobt wurde. „Wir werden zunehmend nicht mehr nur als Kindertanztheater, sondern als Kunstwerk wahrgenommen.“
Das Besondere in der Theaterarbeit ist die Harmonie von Tanz, Gesang und Spiel. Derzeit tanzen, singen, spielen und probieren 80 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen vier und 18 Jahren - alles Mädchen.
Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit Gastpädagogen wie bei der Musikausbildung mit Rainer Schill und im Schauspiel mit Renate Müller-Schäfer. Probiert wird viermal in der Woche in mehreren Altersgruppen. Die Proben zu den Stücken finden altersübergreifend statt. Alle Stücke, die von den jüngeren Ensemblemitgliedern gestaltet werden, behandeln Themen aus der Erlebniswelt der Kinder.
Das aktuelle Stück „Dornröschen“ schöpft aus dem Reichtum der Volksmärchen. Die Schriftstellerin Christa Moog hatte bereits vor einigen Jahren einen solchen Stoff zeitgemäß bearbeitet und unter einen neuen Blickwinkel gestellt. Weil ihre Umsetzung dem Tanz genug Raum zur Entfaltung bietet, ist jenes kleine Theaterstück ideal für die Inszenierung durch das Kindertheater.
Ziel soll es sein, den Kindern durch das Stück einen positiven Blick auf die Wechselfälle des Leben zu geben und damit das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Die Kinder sollen selbst kreativ werden und die Fantasie ins Spiel bringen.
Das betrifft auch die jungen Darsteller. „Unser Theater bietet die Möglichkeit, Kinder in gleicher Weise für Tanz, Schauspiel und Gesang zu begeistern“ , sagt Friedericke Nebel. So tanzen die 22 Beteiligten während des Stückes „Dornröschen“ nicht nur, sondern sie singen und sprechen gleichermaßen. Diese drei Künste sind eng miteinander verbunden.

Mehr Selbstständigkeit
Ziel ist es im Besonderen, die Kinder zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen. So lernen schon die Jüngsten, an die Vollständigkeit ihrer Ballettutensilien zu denken. Nebel will positive Charaktereigenschaften wie Disziplin, Hartnäckigkeit oder Teamfähigkeit herausbilden. Nach Unterricht, Proben und Bühnendarstellung sind die Größeren selbst in der Lage, ein Stück eigenverantwortlich zu inszenieren, sich aber auch um Sponsoren, Plakatentwurf, -druck und vieles mehr zu kümmern. „Eine solche komplexe Ausbildung ist wichtig für das ganze Leben“ , ist Friedericke Nebel überzeugt.