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| 11:33 Uhr

Früh übt sich
Kleine Künstler ganz groß

Ole hat mit Hortfreunden dieses farbenfrohe Blumeneinsemble am Horteingang gebaut. Vater Roland Tosch und Bruder Till loben die Arbeit.
Ole hat mit Hortfreunden dieses farbenfrohe Blumeneinsemble am Horteingang gebaut. Vater Roland Tosch und Bruder Till loben die Arbeit. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. In der Kinder-Kunstakademie ist Luckauer Hortkindern Erstaunliches gelungen. Von Carmen Berg

Schatzkästchen aus Pappmachè, ein Miniaturmoped aus Resten von Korken und Holzstäbchen, Farbdreiecke in Wachsmalerei, die wie ein Feuerwerk aus einem Bild springen – seit Jahresbeginn haben Dritt- und Viertklässler aus dem Hort „Freundetreff“ in einer Kinder-Kunstakademie ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Dabei entstanden beeindruckende Arbeiten, die noch bis Mittwoch, 27. Juni, im Hort zu besichtigen sind.

Die Projektidee brachte Erzieherin Marianne Zickert aus einem Madeira-Urlaub mit. Sie sah in engen Gassen marode Haustüren, die von Künstlern aus aller Welt mit knalligen Tönen und Recyclingelementen zu Hinguckern gemacht wurden. Marianne Zickerts Fotos weckten im Luckauer Hort Lust, Ähnliches selbst zu probieren.

 „Wir haben anfangs viel experimentiert, Farben ineinanderlaufen lassen und dreidimensional übereinander gelegt“, blickt Marianne Zickert zurück. Bilder aus dieser ersten Projektphase hängen unter dem Titel „Farbexplosionen“ in der ersten Etage des Rathauses. „Endlich mal was Herzerfrischendes“, hörten die jungen Künstler von Verwaltungsmitarbeitern. Das Lob spornte an. Weitere Techniken kamen hinzu. „Jeder, der wollte, konnte sich für Arbeitsgebiete seiner Wahl eintragen,“ so die Erzieherin. Von den rund 120 Dritt- und Viertklässlern im „Freundetreff“ beteiligte sich mehr als die Hälfte am Projekt, das vom Landkreis gefördert wurde.

Drittklässler Ole hat mit zwei Hortfreunden aus der vierten Klasse das Blumenensemble am Eingang aus Holzresten gebaut, bemalt und bepflanzt. Vater Roland Tosch und der kleine Bruder Till sind stolz auf ihren Großen. Zu Hause habe sein Sohn eine Sitzbank für den Garten aus Paletten hergestellt. „Die Anregungen bringt er aus dem Hort mit“, erzählt der Vater. Dort lerne Ole Selbstständigkeit, zugleich werde die Gemeinschaft gefördert. „Die Mitarbeiter gehen toll mit den Kindern um, sie begleiten, ohne etwas aufzuzwingen“, sagt Roland Tosch.

Von Melanie Felix aus der 3 a und weiteren Kindern stammt eine fröhlich-bunte Skulptur aus einer Fahrradfelge, drapiert mit bunten Bändern. „Das sind Streifen aus alten T-Shirts. Zuerst benutzten wir nur grünen und weißen Stoff, aber das sah langweilig aus, deshalb haben wir noch Rot genommen“, erzählt Melanie. Sich mit den Farben zu befassen, habe Spaß gemacht. „Wenn man erstmal verstanden hat, welche zueinander passen, kann man das auch für andere Sachen nutzen“, sagt sie.

Marianne Zickert ist seit 38 Jahren im Job. Zu ihrer Ausbildung hat Kunsterziehung gehört, eine Liebe, die hält. Dass Jungen und Mädchen im Smartphone-Zeitalter keine Lust auf Kreatives mehr hätten, sieht sie durch Projekte wie die Kinder-Kunstakademie widerlegt. „Kinder sind das, was wir aus ihnen machen“, sagt die Erzieherin.

Elisa Dartscht, Praktikantin im „Freundetreff“, zeigt Mappen mit Fotos, die Projektteilnehmer unter dem Titel „Mein Luckau“ aufgenommen und am Computer bearbeitet haben. Die Kinder fotografierten, was sie besonders schön fanden. Das Ergebnis sei für die Altersgruppe recht überraschend, so Elisa Dartscht. Das romantische Café ist ebenso dabei wie eine mit Weinlaub berankte Hauswand und die Holzbrücke im Laga-Park. Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann ist beeindruckt. „Gebt Kindern Freiraum, und es entstehen tolle Geschichten“, schwärmt er.

Melanie Felix aus der 3 a zeigt ihre Skulptur aus einer Fahrradfelge und T-Shirt-Resten.
Melanie Felix aus der 3 a zeigt ihre Skulptur aus einer Fahrradfelge und T-Shirt-Resten. FOTO: LR / Carmen Berg