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Kinder eifern Sielmann nach

An fünf verschiedenen Stationen brachte die Familienrallye die von Heinz Sielmann gefilmten Besonderheiten der Natur nahe. Große Schildkröten wie die auf den Galapagos-Inseln malten die Kinder auf Findlinge.
An fünf verschiedenen Stationen brachte die Familienrallye die von Heinz Sielmann gefilmten Besonderheiten der Natur nahe. Große Schildkröten wie die auf den Galapagos-Inseln malten die Kinder auf Findlinge. FOTO: bkh1
Wanninchen. Auf die Spuren Heinz Sielmanns haben sich Samstag die Besucher des gleichnamigen Naturerlebniszentrums in Wanninchen begeben. "Wohin soll denn die Reise geh'n" lautete das Motto einer spielerisch-lehrreichen "Weltreise". Birgit Keilbach

Michael Hauptvogel und Katina Schröter brachten Eltern und Kindern nahe, welche Kontinente der berühmte Naturfilmpionier bereiste, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

In der "Antarktis" lernten sie Kaiserpinguine und Orcas als natürliche Feinde kennen, bekamen ein Gefühl für die Serengeti, wo Sielmann unter anderem die Lebensweise von Löwen und Antilopen filmte. Auf Neuguinea entdeckte er den Laubenvogel, der große Nester baut und einen Tanzplatz davor ganz besonders schmückt, um das Weibchen zu beeindrucken. Das konnten die Kinder auf einer Wiese nachahmen.

An einer weiteren Station erfuhren sie, dass auf den Galapagos-Inseln viele Riesenschildkröten leben. Die kleineren heimischen Exemplare im Freigehege fütterten sie mit selbst gesammelten Kräutern. Ein Gefühl für die ungefähre Größe bekamen die Kinder, als sie Findlinge im Gelände mit Schildkröten bemalten. "Das hat Spaß gemacht", befanden Moritz Comel, Samson Sachse und Michel Quint. Die drei Sechsjährigen aus Halle erlebten Samstag ihren gemeinsamen Abschluss der Kindergartenzeit. "Wir sind häufig in Wanninchen, weil Verwandte von uns in der Nähe wohnen", erzählte Marcel Quint. Alle drei Familien seien naturverbunden. "Diese Reise über jeden Kontinent war sehr erlebnisorientiert und anschaulich", sagte Tobias Sachse. Auch für die Erwachsenen habe sie interessante Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel, "dass Gallwespen mit ihrem Stich Bäume genetisch so manipulieren, dass sie dann sozusagen eine Kinderstube für die Insekten schaffen. Das war neu für uns", erzählte Tobias Sachse. Diese Auswucherungen an verschiedenen Bäumen seien häufig zu sehen, "doch vielen ist nicht bekannt, dass dieses Insekt dahintersteckt", ergänzte Michael Hauptvogel.

Mehr über das Leben und Wirken des Tierfilmers auf verschiedenen Kontinenten sowie ganz konkret in der Region um Wanninchen erfuhren die Besucher bei einem Vortrag von Ralf Donat. Der Projektleiter des Naturerlebniszentrums lernte Heinz Sielmann noch persönlich kennen und konnte zu den gezeigten Bildern viele kleine Geschichten erzählen. "Er war ein Visionär und ein Technik-Freak. Er hat schon in Farbe gedreht, da gab es noch Schwarz-Weiß Fernsehen."

Bekannt wurde Sielmann vor allem dadurch, dass er den Menschen die Tierwelt ferner Kontinente auf ganz besondere Weise nahe brachte. "Er entwickelte verschiedenste Techniken, um Tieren ganz nahe zu kommen und konnte Einblicke in deren Leben zeigen, wie es vor ihm noch keiner getan hatte." Was passiert in einem Hamsterbau, einem Eichhörnchenkobel und wie entwickeln sich die jungen Schwarzspechte in der Höhle? Sielmann-Filme für das Schulfernsehen gaben darüber Auskunft.

Immer habe Sielmann darauf hingewiesen, dass der Mensch auf den Erhalt der Lebensräume für Tiere und Pflanzen achten müsse und im hohen Alter die nach ihm benannte Stiftung gegründet. Diese habe in der Bergbaufolgelandschaft rund 3000 Hektar gekauft, um eine Naturentwicklung ohne Beeinträchtigungen zu ermöglichen. "Er hat 1999 die Mondlandschaften bereist und gefilmt. Aber er wusste auch, wie viel Potenzial diese großen unzerschnittenen Gebiete für die Naturentwicklung haben", sagte Ralf Donat.

Zum Thema:
Sonntag, 25. Juni, führt eine Expedition durch die "neue" Naturlandschaft entlang des Schlabendorfer Sees sowie in die "alte" Landschaft - den angrenzenden Görlsdorfer Wald, wo kein Bagger die Erde umgegraben hat. Start: 14 Uhr im Naturerlebniszentrum.