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| 12:22 Uhr

Geschichte des Jahres 2018: Luckau
Endlosgeschichte mit Happy End

 Ohne 30er-Zone im Ort war das Überqueren der Bundesstraße ein gefährlicher Akt. Nun hat sich die Situation deutlich entspannt.
Ohne 30er-Zone im Ort war das Überqueren der Bundesstraße ein gefährlicher Akt. Nun hat sich die Situation deutlich entspannt. FOTO: Vogt Uwe
Gießmannsdorf. Kinder der Gießmannsdorfer Kita „Waldwichtel“ freuen sich über sichere Straßenquerung. Von Anja Brautschek

Große Kinderaugen strahlen die Erzieherinnen an, wenn Jacken und Mäntel in der Kita „Waldwichtel“ in Gießmannsdorf angezogen werden. Für die Kinder ist der Besuch in der Natur jedes Mal ein Erlebnis. Sie erkunden die heimischen Wälder, toben sich auf dem gegenüberliegenden Sportplatz aus oder lernen Neues im Dorfkern kennen. All die Aktivitäten im Freien können die Kita-Mitarbeiter mittlerweile viel entspannter angegehen . Denn vor etwa zwei Monaten hat die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald vor der Einrichtung eine Tempo-30-Zone eingerichtet.

„Das ist eine richtige Erleichterung für uns“, sagt die Kita-Leiterin Silke Wehner. Beinahe täglich sind die Erzieherinnen mit den Kindern an der frischen Luft, wenn es das Wetter zulässt. Häufig zieht es die Gruppe dabei auf die andere Seite der Bundesstraße, die durch den Luckauer Ortsteil führt. Doch der Weg über die Straße war ohne Geschwindkeitsreduzierung sehr erschwerlich. Die lange Kurve im Ort ist schlecht einsehbar. Und die Kita ist direkt am Ortseingang gelegen. Autos kamen häufig zügig angefahren. Auch LKws hielten sich kaum an das vorgeschriebene Tempo-Limit. Also standen Kinder und Erzierherinnen mit ihren Bollerwagen im Straßengraben und warteten auf eine günstige Gelegenheit.

„Die Situation hat sich nun merklich entspannt. Autos und Lkws fahren deutlich ruhiger durch Gießmannsdorf“, beschreibt Silke Wehner die heutige Situation. Auch von einigen älteren Dorfbewohner habe sie eine positive Rückmeldung erhalten. Auch für sie sei es angenehmer, die Straßenseite zu wechseln.

Doch der Weg zu einer Tempo-30-Zone vor der Kita Waldwichtel war ein langer, zum Teil steiniger. Seit rund drei Jahren setzen sich Anwohner und die Kita dafür ein. Immer wieder haben sie von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises eine Absage erhalten. Knackpunkt war vor allem die Bushaltestelle vor der Kita. Gehört sie zum Grundstück der Kita oder nicht? Ist damit ein direkter Zugang zur Bundesstraße, so wie es die Gesetzesnovellierung der Straßenverkehrsordnung vorsieht, überhaupt gegeben? Lange und intensiv wurde darüber diskutiert. Behörden und Betroffenen waren unterschiedlicher Meinung.

Die Gießmannsdorfer haben sich nicht einschüchtern lassen und haben weiter für eine sichere Ortsdurchfahrt gekämpft. Mit Unterschriftensammlungen, Vor-Ort-Terminen und sogar Dienstaufsichtsbeschwerden wollten sie auf ihre Belange aufmerksam machen. Unterstützung bekamen die Gießmannsdorfer dabei unter anderem von der Luckauer Stadtverwaltung und Politikern von kommunaler, Kreis-, Landes-, und Bundesebene. Mit Erfolg. Im Sommer erhielten sie den schriftlichen Bescheid. Eine Tempo-30-Zone über 300 Meter vor der Kita wird noch in diesem Jahr eingerichtet. Wenige Monate später hingen dann die Schilder. Aufatmen bei vielen Beteiligten.

Auf das erreichte sind die Gießmannsdorfer stolz. „Es war die richtige Entscheidung, dran zu bleiben und weiter dafür zu kämpfen“, sagt Silke Wehner.

Denn der Nachwuchs boomt in dem Dorf. Die Kitaplätze sind alle belegt, die Warteliste ist lang. Und auch junge Muttis mit ihren Kinderwagen rollen regelmäßig durch das Dorf. Viele von ihnen nutzen nun mit einem ruhigeren Gefühl die Gehwege entlang der Bundesstraße. Denn sie wissen: die meisten Autofahrer halten sich mittlerweile an die Geschwindkeitsbegrenzung. Und schon in wenigen Tagen genießen die Gießmannsdorfer erneut das neu gewonnene Sicherheitgefühl. Denn zum Zampern ziehen die kleinen und großen Bewohner gemeinsam durchs Dorf. Vergessen sind da die Hürden, die es zu nehmen galt.