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Keller und Höfe mit Überraschungen

Atmosphärisch: Im Bergfried an Schlossberg haben Mönche auf die Besucher gewartet.
Atmosphärisch: Im Bergfried an Schlossberg haben Mönche auf die Besucher gewartet. FOTO: Staindl
Luckau. Die Altstadtnacht hat eine erfolgreiche Premiere gefeiert. Hunderte Gäste waren Samstagnacht unterwegs. Andreas Staindl

Sie sind auf Entdeckungsreise gegangen, dafür in Keller von Häusern gestiegen, haben sich Innenhöfe angeschaut, der Musik in Kneipen gelauscht und gemeinsam gefeiert.

"Ist schon spannend, was Luckau so unter der Erde zu bieten hat", sagt Melanie Hoffmann. Sie war mit zwei Freundinnen aus dem benachbarten Elbe-Elster-Kreis in die Berstestadt gekommen. "Wir haben es nicht bereut", sagt das Trio. Zu sehen und hören gab es genug. Einwohner hatten ihre Höfe geöffnet, dort einen Imbiss angeboten. Überall wurden die Gäste musikalisch empfangen und bestens unterhalten.

Mit einem Konzert des Luckauer Kammerchors "Cantemus" und dem "Chor der Ehemaligen Reichardts" aus Halle-Wittenberg wurde die Altstadtnacht eröffnet. Zahlreiche Besucher waren in der Nikolaikirche dabei. Nicht nur die Chormusik, sondern auch das Ambiente dort hat wunderbar auf das folgende Programm der Altstadtnacht eingestimmt. Parallel zum Konzert in der Kirche fand eine Modenschau mit der Boutique "Byanci" direkt auf der Straße am Marktplatz statt. Ein Ereignis, das sich zahlreiche Gäste nicht entgehen ließen. Die Präsentation war offensichtlich so ansprechend und verlockend, dass sich anschließend viele der Zuschauer im Ladengeschäft umsahen. Im gleichen Objekt Am Markt 2 konnte man auch in den Keller steigen. Eine schmale Treppe führte hinunter. Zahlreiche Besucher der Altstadtnacht nutzen diese Gelegenheit. "Ist ja richtig gemütlich hier", sagt Simone Lindner. Die junge Frau aus dem Teltow-Fläming-Kreis kam regelrecht ins schwärmen: "Ich finde alte Häuser faszinierend." Wenn sie dann noch so liebevoll präsentiert werden wie während der Altstadtnacht, umso besser.

Auch Lothar Treder-Schmidt hatte seinen Keller geöffnet. Die beiden Zwölftklässlerinnen des Bohnstedt-Gymnasiums Marie Heider und Sabine Junghans führten die Gäste durch das Objekt. Sie wiesen auf die besondere Deckengestaltung hin, die es so in der Region fast nirgends mehr zu sehen gibt. Die Altstadtnacht war nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich, spannend auf jeden Fall.

In den Keller des Hauses am Markt 26 kam man nur in gebückter Haltung. Peggy Beböck-Schibor empfing die Gäste. Sie hatte die eine oder andere Anekdote parat, erzählte beispielsweise, dass die Keller an einigen Stellen deshalb so tief sind, weil sie früher im Brandfall als Fluchtweg in das benachbarte Haus dienten. Ein Abstieg in Luckaus Unterwelt ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. In der spielten Mönche eine Rolle. Diese erwarteten die Gäste im Inneren des Bergfrieds am Schlossberg. Ihr ungewöhnlicher Gesang im Kerzenschein sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre im dunklen Gewölbe. Mitglieder der TheaterLoge sind in die Rolle der Mönche geschlüpft, und haben zudem den einen oder anderen guten Tropfen Wein angeboten. Spannende Entdeckungsreise in Luckaus Unterwelt in Kombination mit Flanieren von Hof zu Hof und Restaurant zu Restaurant - das passte und macht Lust auf eine Fortsetzung. Die ehrenamtlichen Macher der Altstadtnacht vom Verein "Wir sind Luckau" hatten ein attraktives Programm zusammengestellt. Tino Wolff und Jutta Dzielak lehnten sich nicht zu weit aus dem Fenster, als sie einen unterhaltsamen Abend ankündigten. Musikalisch wurde viel geboten. Shawue spielte im Schlossberg, die Vox Band auf der Wiese davor. Im Heine-Hof am Markt lauschten zahlreiche Gäste der Band Verwöhnaroma und dem Helene Fischer-Double Undine Lux. Im Ratskeller gab es Folkrock mit Peter Kopsch. In der Georgenkapelle ließen es Mr. Texas AS & Mundi Henne so richtig krachen. Das Publikum wechselte ständig, blieb mal länger, mal nur kurz zum reinhören. Die gesamte Innenstadt war Samstagnacht eine große Flanier-und Feiermeile. Und wer wollte, konnte den Besuch der Altstadtnacht während eines Mitternachtskonzerts in der Nikolaikirche beenden oder an einer besonderen Nachtführung in der Innenstadt teilnehmen.