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| 02:49 Uhr

Kein gefährliches Kohlendioxid in Fürstlich Drehna

Auf der Uferseite unweit von Mallenchen (Landkreis OSL) wartet die Pilotprojekt-Anlage zum Stabilisieren der Wasserqualität im Drehnaer See auf ihren Dauereinsatz. Nach erfolgtem Testlauf im vergangenen November soll der Reaktor zeitnah mit dem Beginn der Wasserableitung aus dem See in Betrieb gehen. Mit dem Pumpen könnte in den kommenden Wochen begonnen werden. Derzeit ist der Wasserstand rund 1,40 Meter zu hoch.
Auf der Uferseite unweit von Mallenchen (Landkreis OSL) wartet die Pilotprojekt-Anlage zum Stabilisieren der Wasserqualität im Drehnaer See auf ihren Dauereinsatz. Nach erfolgtem Testlauf im vergangenen November soll der Reaktor zeitnah mit dem Beginn der Wasserableitung aus dem See in Betrieb gehen. Mit dem Pumpen könnte in den kommenden Wochen begonnen werden. Derzeit ist der Wasserstand rund 1,40 Meter zu hoch. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Fürstlich Drehna. In Fürstlich Drehna wird kein Industrie-Kohlendioxid verpresst. Das haben Experten des Bergbausanierers LMBV und Fachleute der Grundwasser-Ingenieurbau-Planung Dresden während der Ortsbeiratssitzung erläutert. Sie informierten über die Vorgänge am Drehnaer See, dem Restloch 12 des ehemaligen Tagebaus, über gesperrte Kippenbereiche und Prognosen. Uwe Hegewald / uhd1

Die Einwohner von Fürstlich Drehna lieben "ihren See vor der Haustür", gilt er doch als ein Mosaikstein für ein gefälliges Gesamtbild - auch wenn bis zu dessen Vollendung noch viel Geduld benötigt wird. Mit Fernrohren, Argusaugen und Skepsis haben die Fürstlich Drehnaer Bautätigkeiten am gegenüberliegenden Ufer verfolgt, wo der Bergbausanierer eine Reaktoranlage errichtet und im November vergangenen Jahres einem Probebetrieb unterzogen hat. Spekulationen kochten hoch: Wird über diese Anlage womöglich überschüssiges Industrie-Kohlendioxid verpresst und somit kostengünstig entsorgt? "Nein", sagt Uli Uhlig vom Dresdener Grundwasserzentrum. Bei der Anlage, einem Pilotprojekt, handele es sich um einen Hydrogencarbonat-Reaktor zur alkalischen In-Lake-Konditionierung am Restloch 12, so der Elbestädter. Einfach ausgedrückt: Der Reaktor dient der Stabilisierung der Wassergüte im Drehnaer See, die in den zurückliegenden Monaten nachweisbar an Qualität gewonnen hat, wie Uhlig erklärt. "Beim pH-Wert liegen wir weit im neutralen Bereich. Die Zielwerte liegen bei 6,5 bis 8,5", verweist er auf aktuelle Daten. Der Fachmann gerät regelrecht ins Schwärmen: "Mit Sichttiefen von mehr als sechs Metern erreicht der Drehnaer See fast Gebirgssee-Charakter."

Rund 2800 Tonnen Kalk sind in der ersten Phase einer Neutralisierung des sauren Wassers in den 14,75 Millionen Kubikmeter fassenden See gebracht worden. Phase zwei sieht jetzt eine Nachsorgebehandlung über die Reaktoranlage vor. Dabei wird in einem geschlossenen Prozess Seewasser angesaugt. Diesem werden Kalk und Kohlendioxid zugeführt und als Emulsion zurück in den See geleitet. Wie Marius Schlösser, Vertreter des Bergbausanierers, betont, handelt es sich bei dem eingesetzten Kohlendioxid um ein hochwertiges, aus der Luft gewonnenes und daher auch kostenintensives technisches Gas und keinesfalls um ein Abfallprodukt der Kohleindustrie.

Kopfzerbrechen bereitet den Bergbausanierern der zu hohe Wasserstand im See, der aktuell bei 71,88 Metern über normal null liegt und auf 70,50 Meter gesenkt werden soll. In den kommenden Wochen soll das Ausleiten des Wassers über die Schrake beginnen. "Es fehlen noch letzte Genehmigungen der Behörden, was auch auf das komplexe Thema rund um die braune Spree zurückzuführen ist", sagt LMBV-Mitarbeiter Dieter Kutschbach. Sobald das Wasserniveau auf 71 Meter gesenkt sei, könnten sich Sachverständige wieder den Böschungen und Kippenbereichen widmen, kündigt Kutschbach an.

Keine Hoffnungen macht er den Fürstlich Drehnaern, dass die Sperrschilder am See noch bis zum Landeserntefest verschwinden. "Die Böschungen sind in sich noch mit Wasser gesättigt, eine Freigabe bis September ist nicht realisierbar", bedauert er. Was die Stabilisierung der Innenkippe zwischen Drehnaer und Schlabendorfer See anbetrifft, müssten die Anrainer noch etwas länger Geduld aufbringen.

Zum Thema:
Im Drehnaer See, dem Restloch 12 des ehemaligen Tagebaus, steht das Wasser höher als ursprünglich geplant. Deshalb sind die Sperrbereiche am Ortsrand erweitert worden. Damit Warnschilder wieder näher an die Uferkante rücken können, muss das Zuviel an Wasser aus dem See geleitet werden. Bevor es in die Schrake fließen kann, muss das saure Nass neutralisiert werden. Dabei kommt ein neues Verfahren zum Einsatz.