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| 17:18 Uhr

Bedrohte Wälder
Die Flieger bleiben am Boden

 Der Klimawandel macht den Kiefern-Kulturen in Brandenburg zu schaffen. Die Folgen der extremen Trockenheit zeigen sich auch in diesem Waldbestand bei Krossen.
Der Klimawandel macht den Kiefern-Kulturen in Brandenburg zu schaffen. Die Folgen der extremen Trockenheit zeigen sich auch in diesem Waldbestand bei Krossen. FOTO: LR / Burkhard Nass
Doch die Gefahr durch Schädlinge in Luckauer und Dahmer Wäldern ist noch nicht gebannt.

Die Flieger mit der chemischen Keule können in diesem Frühjahr in der Oberförsterei Jüterbog, zu der das Amt Dahme gehört, und aller Voraussicht nach auch in der Oberförsterei Luckau am Boden bleiben. Das ist eine gute Nachricht. Hatte doch die Winterbodensuche nach den Puppen des Kiefernspinners und der Forleule in den Luckauer Wäldern zunächst auf starken Befall durch die Schädlinge hingedeutet, die die Kiefern kahl fressen. Nach der weiteren engmaschigen Überwachung der Bestände gibt Burkhard Nass, Leiter der Luckauer Oberförsterei, nun Entwarnung. In diesen Tagen wurden in den Bereichen Wehnsdorf und Schwarzenburg zur abschließenden Prognose Probefällungen durchgeführt und an den Zweigen der gefällten Bäume akribisch jede Nadel nach den winzigen Eiern der Forl­eule abgesucht, so Luckaus Oberförster. Wie er vermutet, hätten Parasiten Schützenhilfe geleistert und Forl­eule sowie Kiefernspinner kalt gestellt.

In der Oberförsterei Jüterbog kann der geplante Insektizideinsatz gegen die Forleule und  gegen die Nonne abgesagt werden, informiert Funktionsförster Stephan Thrun. Auch die Nonne labt sich an den Nadeln der Kiefern. Ihre Eier verbirgt sie gut versteckt hinter Rindenschuppen, wo die Forstleute sie mit geübtem Auge finden und zählen mussten.

In einem sind sich der Luckauer und der Jüterboger Forstfachmann einig: Nur weil für einige Insekten die erste Gefahr gebannt scheint, dürfen sich Waldeigentümer und Förster nicht gelassen zurücklehnen. In einigen Waldbereichen kann es dennoch zu deutlichen Nadelverlusten kommen. Deshalb sei genau zu beobachten, welche Sekundärschädlinge womöglich folgen.

„Alle Bäume sind durch die Trockenheit im Jahr 2018 extrem geschwächt“, sagt Burkhard Nass. Von August bis Dezember des Vorjahres sei der Boden so trocken gewesen, „dass den Pflanzen kein Wasser zur Verfügung stand.“ Auch die ersten Monate des neuen Jahres hätten kaum Entspannung gebracht. Derzeit sichtbar werde das Diplodia-Triebsterben, ausgelöst durch einen Pilz.  Der Erreger befällt Kiefern, aber auch Fichten sowie in Gärten Buchsbäume und Koniferen. Stephan Thrun verweist außerdem auf verstärkte Gefahr durch Borkenkäfer.

Bleibe 2019 weiter trocken, heiß und stürmisch, „kann das in den hiesigen Kiefern-Reinkulturen zur Katastrophe führen“, befürchtet Burkhard Nass. Er rät Waldbesitzern, bei ungewöhnlichen Veränderungen an ihren Bäumen Rat in der Oberförsterei sowie bei den zuständigen Revierförstern zu suchen.

Um den Wald widerstandsfähiger gegen Schadfaktoren zu machen, brauche es eine größere Artenvielfalt, legt Stephan Thrun den Finger in die Wunde. Soll heißen: „Der Kiefernwald braucht mehr Laubbäume.“ Auf 70 Prozent der Brandenburger Waldfläche stehen Kiefern, davon zu 80 Prozent in Reinkultur, belegt Burkhard Nass die Monokultur mit Zahlen.

Neuanpflanzungen von Laubbäumen seien kostenintensiv, jedoch sei Förderung möglich, sagt Stephan Thrun.  Günstiger sei die natürliche Verjüngung des Waldes, jedoch hätten junge Bäumchen aus Samen kaum eine Chance wegen hoher Wildbestände. „Waldbesitzer sollten mit den Jägern sprechen und eine intensive Bejagung von Rot- und Rehwild einfordern“, ermutigt der Jüterboger Funktionsförster.

„Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“, bringt Burkhard Nass ein Sprichwort ein. In der Rochauer Heide, wo über mehrere Jahre das Modell der zielorientierten Jagd erprobt worden war, sei das deutlich zu sehen. Natürlich aufwachsende Bäumchen dort hatten auch im Hitzesommer 2018 frisches Grün. Der Grund: „Diese Bäumchen entwickeln starke Wurzeln.“

Auf einem Großteil der Flächen in der Oberförsterei stimme die Jagd allerings noch nicht, ist Burkhard Nass sicher. Um das mit Fakten untermauern zu können, läuft noch bis Ende April in den Wäldern Dahme-Spreewalds eine Inventur. Bestände im Landes- und im Privatwald werden in einem Raster auf Verbiss und Schäle an der Rinde kontrolliert. Die Ergebnisse sollen den Jagdgenossenschaften der Eigentümer zur Verfügung gestellt und mit den Jägern diskutiert werden, kündigt Burkhard nass an.