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| 17:02 Uhr

Ausstellung
Mit Phantasie Reiselust entdecken

Mit Zitaten aus verschiedener Reiseliteratur gab das Künstlerpaar Karen Ascher und Sebastian Franzka die thematisch passende Einstimmung in die Ausstellung im Niederlausitz-Museum Luckau.
Mit Zitaten aus verschiedener Reiseliteratur gab das Künstlerpaar Karen Ascher und Sebastian Franzka die thematisch passende Einstimmung in die Ausstellung im Niederlausitz-Museum Luckau. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Karen Ascher und Sebastian Franzka zeigen in Luckau die Ausstellung „Reisegefährten“. Von Birgit Keilbach

. Es ist eine etwas andere Art der Ausstellungseröffnung am Sonntagnachmittag im Niederlausitz-Museum Luckau. Karen Ascher und Sebastian Franzka sitzen auf zwei ausrangierten Autositzen und rezitieren Reiseliteratur. Sebastian Franzka aus Flann O’Brians Roman „Zwei Vögel beim Schwimmen“ und einen Bibeltext „Ein Jegliches hat seine Zeit“.

Karen Ascher zitiert ein Stück Filmtext „16:50 Uhr ab Paddington“ und gibt Reiseeindrücke auch im Rhythmus der Gomringer-Gedichte wieder, wo in jeder Zeile ein Wort zum  vorhandenen dazukommt, ein anderes wegfällt, und so weiter. Das ist ungewöhnlich und auch erheiternd. Im Hintergrund sind leise Reisegeräusche zu hören; Autos hupen, eine Bahn rattert, Eindrücke von einem Markttreiben in Vietnam dringen ans Ohr. Damit bieten die zwei Künstler den thematisch passenden Einstieg in ihre Ausstellung in der dritten Etage des Niederlausitz-Museums in der Luckauer Kulturkiche.

„Reisegefährten“ haben sie diese betitelt und präsentieren das Thema in der Vielfalt ihrer individuellen künstlerischen Handschriften. An den Stirnwänden des Ausstellungsraumes ziehen 24 großformatige Monotypien von Sebastian Franzka die Blicke des Betrachters auf sich. In den eigentümlichen Gestalten lassen sich Bezüge zu Literatur, Geschichte und Region erkennen. Ähnlichkeiten mit spreewaldtypischen Figuren sind zu entdecken, skurril und mitunter etwas verschroben anmutend finden sich diese auch in kleinformatigeren Abbildungen wieder, so in Radierungen und Kupferstichen. Landschaften und typische Bauten, darunter eine Scheune bei Burg und eine Mühle bei Goyatz zeigen Reiseeindrücke aus der Region. Porträts verschiedener Spreewälder Originale ergänzen diesen Part, darunter das Bescherkind. Die den Kahn stakende Spreewälderin  kann der Betrachter gleich mehrfach entdecken.

Die Exposition thematisiert Reisen jedoch nicht nur im ganz klassischen Sinn. Roboter aus Keramik hat Karen Ascher gruppiert. „Damit wollen wir auch die Entwicklung der Götzenbilder der Menschen von den Inkas bis in die Zukunft darstellen – als eine Art der Zeitreise“, erläutert die Künstlerin. Ihren Robotern hat sie poetische Texte zugeordnet, spielt so mit dem Gegensatz von Automatik und Leidenschaft. In einer anderen Vitrine darf der Betrachter seiner Phantasie freien Lauf lassen, so wie es die Künstlerin selbst tut. „Europäische Tortenkäfer“ ist eine Objektsammlung benannt, in dem sich ein Schwarzwälder Kirschkäfer ebenso findet, wie ein Russischer Zupfkäfer. Phantasie-Schmetterlinge mit plattdeutschen Namen sorgen für weitere überraschende Eindrücke. „Mäkelbörger Boddervagels“ hat sie diese Sammlung benannt. „Ich stamme aus Mecklenburg und mir gefällt diese Sprache von ihrem Wortklang her“, sagt Karen Ascher. So manch ausgefallenes farbenfrohes keramisches Reisesouvenir hat sie an anderer Stelle platziert, eine Rollsocke zum Beispiel und eine siamesische Matrjoschka.

Das Lübbener Künstlerpaar stellt erstmals im Luckauer Museum aus, hat aber schon viele Jahre gute Kontakte in die Nachbarstadt. So gibt Karen Ascher seit Jahren im Museum den Kurs „Töpfern wie die Lusici“. Sebastian Franzka gibt Kunstunterricht an der Luckauer Grundschule und arbeitete mit Grundschülern auch schon an verschiedenen Projekten. Darunter im Lübbener Atelier mit Luckauer Sechstklässlern zum Thema „Werkzeuge“ während der Spektrale im Jahr 2016.

Die Ausstellung „Reisegefährten“ ist im Niederlausitz-Museum noch bis zum 10. Juni für Besucher zugänglich.