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Kästners Botschaft vom Kopf und dem Brett

Wolf Butter gastiert im Dahmer Heimatmuseum. Nach einem erfolgreichen Wilhelm-Busch-Programm stellt er nun Erich Kästner in den Mittelpunkt.
Wolf Butter gastiert im Dahmer Heimatmuseum. Nach einem erfolgreichen Wilhelm-Busch-Programm stellt er nun Erich Kästner in den Mittelpunkt. FOTO: PR/Butter
Dahme. "Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett" – unter diesem Sinnspruch präsentiert Wolf Butter am heutigen Mittwoch, 7. Juni, um 19.30 Uhr sein Erich-Kästner-Programm im Heimatmuseum Dahme. red/bt

"Nach dem erfolgreichen Wilhelm-Busch-Abend vor einigen Jahren tritt Wolf Butter erneut mit einem literarisch-musikalischen Programm in Dahme auf", erklärt Museumsleiter Tilo Wolf.

Wenn von Erich Kästner die Rede ist, fallen einem sofort Titel bekannter Kinderromane ein. "Pünktchen und Anton", "Emil und die Detektive" und "Das fliegende Klassenzimmer" stammen aus der Feder des 1899 in Dresden geborenen Schriftstellers und Drehbuchautors.

Doch Kästner hatte auch eine zeitkritische, derbe und zuweilen zynische künstlerische Ader. Davon zeugen ungezählte, zumeist kurze Gedichte. "Wolf Butter konzentriert sich in seinem Programm ‚Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett' auf genau diese weniger bekannte Seite des Humoristen", so de Museumsleiter weiter.

Butter - Komponist, Dozent, Musiker, Regisseur und Schauspieler - präsentiert seinem Publikum heitere, ernste, politische und erotische Texte aus Kästners reichem Repertoire. Auf große Mimik verzichtet er; allein die tiefe Bassstimme, die der Professor nuanciert einsetzt, reicht aus, um Kästners Botschaften zu transportieren, gekonnt die Pointen zu setzen und seine Zuhörer zum Nachdenken zu bringen.

Kästner, ein hochbegabter Schüler, gab seine Ausbildung zum Volksschullehrer kurz vor dem Ende auf, studierte stattdessen Geschichte und Philosophie und arbeitete später unter anderem als Journalist und Theaterkritiker. "Ich gehe durch die Gärten der Gefühle, die tot sind, und bepflanze sie mit Witzen", schrieb er über sich. Die Berliner Kabarettszene bot ihm die Bühne, anderen den Spiegel vorzuhalten.

Butters Versauswahl entführt die Zuhörer in Balllokale, auf Maskenbälle, in Striptease-Bars und einsame Hotelzimmer, deren Bewohner sich freizügigen Fantasien hingeben. Im "Ball im Osten" heißt es: "Nach der Tour schleppt sie dich gar, auf ein Sofa, an die Bar. Ach, die Frau ist schlecht vergittert, und du siehst, womit sie zittert. Ungewollt blickst du ihr tief - bis in ihr Geheimarchiv." Butter, der mal laut, mal leise - wahlweise hochdeutsch, berlinerisch oder sächsisch - rezitiert, setzt mit Kästners "Sogenannte Klassefrauen" noch einen drauf. Nachdenklich stimmt das Gedicht "Kleines Solo" kam: "Einsam bist du sehr alleine - und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit."