ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 07:48 Uhr

Wer wird Ausbilder im Gefängnis?
Hier ist Motivation der Azubis groß

Dieter Saalbach (r.) zeigt den Gefangenen, wie Reinigungsgeräte richtig zu verwenden sind. Er ist der Chefausbilder im Bereich Gebäudereinigung im Gefängnis in Duben. Die Ziegner-Stiftung als Träger der Ausbildung sucht dringend einen weiteren Ausbilder.
Dieter Saalbach (r.) zeigt den Gefangenen, wie Reinigungsgeräte richtig zu verwenden sind. Er ist der Chefausbilder im Bereich Gebäudereinigung im Gefängnis in Duben. Die Ziegner-Stiftung als Träger der Ausbildung sucht dringend einen weiteren Ausbilder. FOTO: Andreas Staindl
Die JVA Luckau-Duben sucht dringend einen Gebäudereiniger-Ausbilder für ihre Gefangenen. Geboten wird eine Vollzeitstelle „mit guter Bezahlung“. Von Andreas Staindl

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben sucht händeringend einen Ausbilder für den Bereich Gebäudereinigung. „Es kann auch ein Geselle sein“, sagt Tilman Adolph. „Die notwenige Qualifizierung zum Ausbilder oder Meister übernehmen wir.“

Dem Bereichsleiter Strafvollzug der Universalstiftung Helmut Ziegner zufolge wird eine Vollzeitstelle „mit guter Bezahlung“ angeboten. Die Stiftung ist der Träger der Ausbildung, die seit 2005 in der JVA in Duben angeboten wird. Sie sucht seit Monaten nach einem Ausbilder oder einer Ausbilderin, nachdem sich der bisherige Mitarbeiter neu orientiert habe. Dass die Stelle in den Fachwerkstätten noch nicht besetzt werden konnte, hat Folgen. „Wir mussten das Qualifizierungsangebot spürbar einschränken“, sagt Tilman Adolph. „Finden wir keinen Ausbilder, ist die gesamte Maßnahme mittelfristig existenzbedroht.“ Er würde das bedauern, „denn die Ausbildung im Gefängnis ist eine Erfolgsgeschichte. Alle der 31 hier ausgebildeten Gesellen haben inzwischen eine Arbeit.“

Dieter Saalbach bestätigt ihn. „Gefangene, die das Gefängnis mit einer Ausbildung in der Tasche verlassen, haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Firmen suchen händeringend ausgebildete Gebäudereiniger.“ Der 66-jährige Meister für Gebäudereinigung kommt aus der freien Wirtschaft und ist 2005 als Ausbilder in die JVA Luckau-Duben gewechselt. „Ich habe das nicht bereut, denn die Bedingungen hier sind optimal. Wir können Theorie und Praxis sehr flexibel verbinden – wenn nötig, sogar innerhalb eines Unterrichtstags. Auch die geregelten Arbeitszeiten von Montag bis Freitag zwischen 6.30 und 15 Uhr sind ein großer Vorteil gegenüber der freien Wirtschaft. Druck und Stress kenne ich hier gar nicht.“

Und noch etwas genießt er: „Unsere Azubis sind immer pünktlich da, fehlen nie. Und sie sind fleißig, führen etwa die Berichtshefter so ordentlich und vollständig, wie ich es draußen nicht erlebt habe. Die Motivation der Gefangenen für die Ausbildung ist sehr hoch.“

Für Kirsten H. ist das völlig logisch. „Wir wollen schließlich einen Abschluss“, sagt die Gefangene, „das treibt uns an.“ Und Sarah R. ergänzt: „Wer eine Ausbildung im Gefängnis beginnt, der zieht das auch durch.“ Guido R. schätzt „die Unterstützung der Ausbilder, das respektvolle Miteinander. Das habe ich draußen nicht erlebt.“ Ebenfalls Romano H. macht eine Ausbildung zum Gebäudereiniger. Er ist dankbar für diese Chance, auch, „weil es besser ist, als eingesperrt in der Zelle zu sitzen“. Für ihn ist Dieter Saalbach „der beste Ausbilder, den wir uns wünschen könnten“. Dass dieser noch mindestens zwei Jahre weitermacht, obwohl er das Rentenalter schon erreicht hat, freut die Gefangenen: „Wir sind sehr froh darüber.“

Tilman Adolph ahnt, warum der Chefausbilder so gut bei seinen Azubis ankommt: „Er ist, bei aller gebotenen Distanz, sehr authentisch, hat eine klare Linie und viel Lebenserfahrung.“ Lebt ein Ausbilder im Knast gefährlich? Dieter Saalbach schmunzelt über diese Frage und sagt: „Ich habe hier nur Azubis, die vernünftig sind und nicht negativ auffallen wollen. Es gab noch nie einen Vorfall – und ich hatte auch schon Mörder als Auszubildende.“ Tilman Adolph bestätigt das auch für andere Haftanstalten, in denen sich die Ziegner-Stiftung engagiert: „Wir haben noch nie einen Angriff gehabt.“

Kirsten H. sieht auch keinen Sinn darin: „Das kleinste Vergehen würde uns die Ausbildung kosten. Das will niemand riskieren, schließlich wollen wir mit einem Abschluss in der Tasche das Gefängnis verlassen.“ Die Ausbilder sind ohnehin nicht allein mit den Gefangenen. Es ist immer ein Justizvollzugsbeamter anwesend, stellt Andreas Müller vom Bildungsbereich der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben klar.

Strafvollzugs-Bereichsleiter Tilman Adolph will die offene Stelle eines Ausbilders im Bereich der Gebäudereinigung so schnell wie möglich besetzen: „Wer eine neue Herausforderung mit optimalen Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung sucht, ist bei uns richtig.“

Kontakt: Telefon 030 77300333 oder 0172 3032895, E-Mail an adolph@universal-stiftung.de