Von Carmen Berg

Ein Regentag. Trotz miesen Wetters treffen sich Jugendliche im Tierpark. „Es gibt nicht viel, wo wir hinkönnen“, sagt eine 16-Jährige. Wo die Gruppen sind, scheint Ärger vorprogrammiert. Beklagt wurde etwa Vandalismus auf dem neuen Kinderspielplatz im Park. Massiv waren zudem Beschwerden über jene Jugendlichen, die mit Pöbeleien und lauter Musik vor der Oberschule im Nordhag Anwohner und Passanten belästigten. Als Reaktion beschlossen die Stadtverordneten den Einsatz eines Wachschutzes, der zu unterschiedlichen Zeiten patroulliert.

„Für einen Streetworker wäre dieses Geld sinnvoller angelegt“, findet der Dahmenser Joachim Meixner. Als Verantwortlicher für den Schließdienst im Tierpark war er mit den Jugendlichen in Kontakt gekommen und sei, wie sie sagen, „der Erste gewesen, der uns mal nach unserer Meinung gefragt hat“. Er hatte einige von ihnen unlängst zur Sitzung des Ortsbeirates begleitet, wo sie ihre Lage schilderten.

Dahmer Jugendliche suchen einen Raum

Eingeladen dazu hatte Ortsvorsteher Marco Dastig (FWG/CDU) nach eigenen Gesprächen im Park. Dort treffen sich verschiedene Gruppen: über-18-Jährige, die Mittleren, etwa zwischen 15 und 17 Jahren, sowie die noch Jüngeren, insgesamt 30 bis 40 Leute, wie es heißt. Differenziert wie das Alter sind die Wünsche.

Ein Raum zum ungestörten Unter-Sich-Sein steht für die meisten ganz oben auf der Liste. „Wir nehmen auch eine Bruchbude und richten sie uns her“, sagt ein Mädchen.

Zwischenzeitlich schien in leeren Kleingärten eine Lösung gefunden. „Wir haben teils mithilfe Erwachsener entrümpelt, gemäht, an den Lauben gearbeitet und schon Pläne für Beete im Frühjahr gemacht“, so die 16-Jährige.

Peter Dahlke, Sozialarbeiter im ASB-Jugendzentrum „Gleis 1“, bestätigt die Bemühungen. Er habe von Malerfirmen gesponserte Farbe zum Streichen besorgt.

Dahmer Kleingärtner stoppen Projekt für Jugendliche

Warum die Kleingartensparte das Projekt stoppte, lässt sich an dieser Stelle nicht klären. Von Mutproben übers Lagerfeuer unter Alkohol etwa geht die Rede. Die Jugendlichen glauben, dass einige Leute sie dort nicht haben wollten. Manche Kritik bestehe zu Recht, räumen sie ehrlich ein. Einen neuen Versuch wollten die Kleingärtner wohl nicht wagen, ergab eine Nachfrage des Ortsvorstehers.

So bleiben den Kids bei Dunkelheit, wenn der Park schließt, und bei schlechtem Wetter nur die Bushaltestellen. „Sobald wir mehr als drei sind, vertreibt uns der Wachschutz, weil wir unerlaubt Party machen“, erzählen sie. Manche fahren deshalb jetzt mit ihren Mopeds an den Körbaer Teich.

„Gleis 1“ in Dahme ist nur selten geöffnet

Das ASB-Jugendfreizeitzentrum „Gleis 1“ am Sportplatz ist zweimal wöchentlich dienstags und donnerstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Sozialarbeiter Peter Dahlke hat hier eine halbe Stelle, den Rest der Arbeitszeit leistet er Jugendarbeit in Luckau. Man kann was am Computer machen, Tischkicker oder Billiard spielen, das sei soweit ganz o.k., sagt ein Junge. Nur sei eben zu selten offen. Älteren reicht das Angebot nicht. Sie würden sich gern draußen betätigen – so wie es an der Freizeitanlage in Luckau hinter dem Capitol mit Halfpipe und Ballsportfläche möglich ist. Sie werde gut angenommen, entschärfe die Situation in der Stadt, sagt Peter Dahlke.

Marco Dastig hat sich die Anlage mit ihm angesehen. Den sportlichen Ansatz finde er gut und habe den Gedanken auch für Dahme in der Bauverwaltung angesprochen. „Wir wollen prüfen, was zum Beispiel mit Fördermitteln möglich ist“, kündigt er an.

Jeden wird man aber damit nicht von der Straße holen können, darin ist sich der Ortsvorsteher mit Peter Dahlke einig. „Eine Räumlich­keit für die anderen zu finden, wo Konflikte nicht neu eskalieren, ist diffizil“, sagt er.

Die Ortsbeiratsmitglieder sind gefordert, Lösungsideen einzubringen. Marco Dastig sichert zu, mit den Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. „Darin sehe ich meinen Auftrag.“ Joachim Meixner formuliert es so: „Es ist doch besser, miteinander zu reden als übereinander.“